Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Seit Sommer 2019 können Marktteilnehmer aus der EU ihr Geschäft mit helvetischen Aktien nur noch an der SIX abwickeln. Dies gilt bis dato auch für Grossbritannien – Bern und London verhandeln nun über eine gegenseitige Börsenäquivalenz.

Chart der Woche

M&A-Markt im Aufwind

Globales Volumen angekündigter M&A-Transaktionen (in Mrd. USD), Top 3 Quartale seit 2000

M&A-Markt im Aufwind

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die konjunkturelle Erholung beflügelt auch die Übernahmetätigkeit (M&A) der Unternehmen. Im 4. Quartal 2020 umfasste das Volumen der angekündigten M&A-Transaktionen weltweit 1'300 Mrd. USD: Dies ist das drittgrösste Volumen der vergangenen 20 Jahre.

Aufgefallen

Bitcoin stürzt ab

Nach der Rekordjagd der letzten Wochen fiel der Bitcoin am Montag zeitweise bis auf 30'250 US-Dollar – gegenüber seinem Höchststand vom 8. Januar 2021 entspricht dies einem Minus von über 25 %. Neben dem festeren US-Dollar nahmen Anleger die steigenden Renditen von US-Staatsanleihen als Anlass, um Bitcoin abzustossen und so Gewinne zu realisieren. Einmal mehr zeigte sich der spekulative Charakter der Kryptowährung.

 

Auf der Agenda

Vereidigung Joe Biden

Am 20. Januar wird der Demokrat Joe Biden als 46. US-Präsident vereidigt. Er übernimmt dann offiziell das Amt vom Republikaner Donald Trump.

Börsenäquivalenz – Liebesgrüsse aus London

Es kam einem medialen Knalleffekt gleich, als die Europäische Union (EU) im Sommer 2019 die befristete Äquivalenz der Schweizer Börse (SIX) nicht verlängerte – um Druck auf die Regierung in Bern auszuüben, das ausstehende EU-Rahmenabkommen zu unterzeichnen. Investoren und Wertschriftenhändlern aus der EU war es damit nicht mehr möglich, eidgenössische Aktien in der Schweiz zu handeln, solange diese zugleich auch an einem europäischen Handelsplatz vertreten waren. Für die SIX hatte das indessen keine Folgen, weil der Bundesrat ein halbes Jahr zuvor Gegenmassnahmen ergriffen hatte, welche eine zusätzliche Anerkennungspflicht von ausländischen Handelsplätzen im Schweizer Finanzmarktrecht vorsahen. Diese wurde den EU-Börsen (inklusive London) mit Auslaufen der Börsenäquivalenz – aufgrund einer systematischen Diskriminierung des Schweizer Börsenplatzes – verwehrt. In Folge dessen musste der gesamte EU-Handel von Schweizer Aktien fortan über die SIX abgewickelt werden. Mit dem Austritt Grossbritanniens aus der EU kommt nun auch in Sachen Börsenäquivalenz wieder etwas frischer Wind auf. Die Aberkennung der Gleichwertigkeit der Schweizer Börse hatte dem Handelsplatz London dazumal einen geschätzten Verlust von über einer Milliarde Franken an täglichen Handelsumsätzen eingebracht. Dies möchte man von britischer Seite als frisch gebackenes Nicht-EU-Land nicht mehr länger hinnehmen. Aktuell laufen entsprechende Gespräche über eine gegenseitige Börsenäquivalenz. Sollte man sich einig werden, so könnte der Handel von Schweizer Aktien in London voraussichtlich im Februar bereits starten. Für Grossbritannien wäre dies die erste bedeutende Abkehr von der ehemals gemeinsamen EU-Finanzdienstleistungspolitik seit Ende der Brexit-Übergangszeit.

Allgemein ist Börsenäquivalenz ein Best-Case-Szenario. Sie beschert nicht nur den betroffenen Handelsplätzen Umsätze, sondern ihr kommt auch eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion zu. So können Marktteilnehmer dank ihr Wertpapiere an der Börse mit der jeweils höchsten Liquidität kaufen oder verkaufen, was zumeist im Heimmarkt des emittierenden Unternehmens der Fall ist. Dies gewährleistet den bestmöglichen Handelspreis und schafft wiederum eine wichtige Voraussetzung für effiziente Märkte.

 

Schweizer Unternehmen schlagen sich wacker

Seit fast einem Jahr lastet die Corona-Pandemie auf der Weltwirtschaft. Besonders hart treffen die Eindämmungsmassnahmen den Dienstleistungsbereich. Aber auch viele Unternehmen mit global aufgestellten Produktions- und/oder Vertriebsketten leiden. Betriebe mit Schweizer Wurzeln hingegen sind im internationalen Vergleich bis jetzt verhältnismässig gut durch die Krise gekommen. Gründe dafür sind die liberalere Pandemiepolitik der hiesigen Regierung sowie die soliden Geschäftsmodelle vieler Schweizer Unternehmen. Dies spiegelt sich bisher auch in der aktuellen Berichtssaison wieder. So hat etwa der Bauchemiespezialist Sika im vergangenen Geschäftsjahr den Gegenwind durch die Corona-Pandemie zwar gespürt, der Umsatz ist mit einem Minus von 2.9 % jedoch nur leicht gesunken. Auch der Sanitärtechnikkonzern Geberit hielt sich mit einem Umsatzrückgang von 3.1 % wacker. In beiden Fällen schlugen vor allem negative Währungseffekte zu Buche. Diese relative Stärke verschafft heimischen Unternehmen eine gute Ausgangsposition für die anlaufende Erholung der Weltkonjunktur. Im Bereich der Unternehmensübernahmen dürften sie daher künftig vermehrt mitmischen. Die Übernahme von Firestone Building Products, einer Tochter des japanischen Reifenherstellers Bridgestone, durch LafargeHolcim und jene des schwedischen Unternehmens Nordic Water durch Sulzer sind somit wohl erst der Anfang gewesen.