Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die näher rückende Zinswende in den USA, die geopolitischen Unsicherheiten und die hohen Bewertungen sorgen für volatile Börsen. Die Berichtssaison verläuft derweil aus Schweizer Sicht weiterhin ohne grosse Überraschungen.

Chart der Woche

Anleger werden vorsichtiger

Put-Call-Verhältnis

Anleger werden vorsichtiger

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Aussicht auf steigende US-Zinsen und der sich zuspitzende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sorgen in Kombination mit den hoch bewerteten Aktienmärkten für Nervosität unter den Anlegern. Infolgedessen ist das Put-Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE mit 0.82 auf den höchsten Stand seit Mai 2020 gestiegen. Damit liegt der Wert deutlich über dem längerfristigen Durchschnitt von 0.61 und zeigt, dass sich Anleger verstärkt mittels Put-Optionen gegen fallende Kurse absichern. Wir halten in dieser Phase an unserem Untergewicht in Aktien fest.

Aufgefallen

Tesla mit Rekordgewinn

Der Elektroautobauer Tesla hat im vierten Quartal einen Rekordgewinn von 2.9 Milliarden US-Dollar eingefahren. Die Aktie reagierte mit einem Rücksetzer. Grund dafür ist der angesichts von Lieferkettenproblemen verhaltene Ausblick.

 

Auf der Agenda

Vorhang auf für Big Pharma

Nächste Woche stehen die Jahresabschlüsse der Schweizer SMI-Schwergewichte Novartis und Roche auf der Agenda.

Turbulenzen setzen sich fort

Mit einem Minus von 3,8 % verzeichnete der Swiss Market Index (SMI) diesen Montag den grössten Tagesverlust seit dem 23. März 2020 (-5,4 %). Der Schweizer Leitindex fiel damit das erste Mal seit letztem Oktober wieder unter die Marke von 12'000 Punkten. Die Kauflaune der Anleger drückten dabei vor allem die näher rückende Zinswende in den USA und die drohende Eskalation des Ukraine-Konflikts. Auch im weiteren Wochenverlauf zeigte sich der SMI volatil. Das Schweizer Pendant zum Angstbarometer VIX, der VSMI, bewegte sich entsprechend um die Marke von 25 Punkten – so hoch war die Schwankungsbreite zuletzt im Herbst 2020. Einerseits nutzen die Marktteilnehmer die tieferen Kursniveaus für günstige Zukäufe. Andererseits befeuerte das FOMC-Meeting der US-Notenbank Fed die Sorgen betreffend der Auswirkungen der künftig restriktiveren Geldpolitik. Am Freitagmorgen resultierte ein Wochenminus von 1,5 %.

Dass der SMI nicht deutlicher in die Knie ging, dürfte auch der Berichtssaison zuzurechnen sein. Diese stützt den Index mit mehrheitlich guten Zahlen. So hat etwa der Computerzubehörspezialist Logitech im Winterquartal zwar die Rekordzahlen aus dem Corona-Jahr 2020 nicht erreicht, die Erwartungen aber deutlich übertroffen. Für das Geschäftsjahr 2021/22 rechnet das Unternehmen mit einem soliden Umsatzplus. Bei Lonza zeigte derweil der Verkauf der Chemiesparte erste Früchte. Der Pharmazulieferer hat sich sowohl bei Umsatz als auch Profitabilität gesteigert. Die Anteilseigner dürfen sich über eine Dividende von 3 Franken je Aktie – gleich viel wie im Vorjahr – freuen. Ebenfalls positives hatte SGS zu berichten: Der Warenprüf- und Inspektionskonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr Umsatz, Ergebnis und Marge klar gesteigert.

 

US-Fed signalisiert baldige Zinserhöhung

Im Fokus der Anleger stand das dieswöchige FOMC-Meeting der US-Notenbank Fed. Notenbankchef Jerome Powell signalisierte erwartungsgemäss angesichts der hartnäckig hohen Inflation und der positiven Arbeitsmarktentwicklung eine baldige Straffung der Geldpolitik. Aktuell rechnet der Markt mit einem ersten Zinsschritt im März. Anschliessend dürfte ein Bilanzabbau folgen. Für die Aktienmärkte bedeutet dies, dass der bisherige Rückenwind zunehmend zum Gegenwind wird. Insbesondere die teuren und zinssensitiven Wachstumswerte werden dies zu spüren bekommen. Die Sektorrotation dürfte sich in den nächsten Wochen nochmals verschärfen.

 

Bad News für Libra und Bitcoin

Einmal mehr sorgte die Krypto-Szene für Schlagzeilen. Zum einen wurde bekannt, dass der Facebook-Konzern Meta sein Krypto-Projekt Libra einstampft. Ein Verkauf der Technologie steht im Raum. Zum anderen drängt der Internationale Währungsfonds (IWF) El Salvador, dem Bitcoin den erst kürzlich verliehenen Status als gesetzliches Zahlungsmittel wieder abzuerkennen. Grund sind Risiken für die Finanzstabilität. Der Bitcoin hat sich derweil nach seiner jüngsten Talfahrt an der Börse bei 35'000 US-Dollar stabilisiert. Krypto-Enthusiasten wittern bereits eine günstige Einstiegschance. Aus unserer Sicht sollten sich Anleger aber eines stets bewusst sein: Die Volatilität im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen wird weiterhin deutlich erhöht bleiben.

 

Langfristig denken

Viele Anleger lassen sich oftmals von ihren Emotionen leiten. Doch wer bei fallenden Kursen – sprich prozyklisch – verkauft, realisiert unwiederbringlich Verluste. Kursrücksetzer gehören aber zum Investieren dazu und generieren stets auch Opportunitäten. Hedgefonds-Pionier George Soros sagte diesbezüglich einmal: «Wer den Verlust fürchtet, der kann keine Gewinne machen.» Wir raten Anlegern daher angesichts der wohl noch einige Zeit erhöht bleibenden Volatilität an den Märkten einen kühlen Kopf zu bewahren und an ihrer langfristigen Anlagestrategie festzuhalten.