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Marktradar – Iran-Krieg sorgt für Ölschock

Der Krieg im Iran hält an und ein baldiges Ende ist nicht absehbar. Aufgrund der Blockade der Strasse von Hormus sind die Erdölpreise zwischenzeitlich auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Dies befeuert die Inflation, belastet die Konjunktur und führt zu Marktkorrekturen.

10.03.2026

Matthias Geissbühler

Matthias Geissbühler

Chief Investment Officer, Raiffeisen Schweiz

Der Krieg im Iran hält mittlerweile seit gut einer Woche an und eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Derzeit ist die Strasse von Hormus weitestgehend blockiert und es können nur noch vereinzelt Öltanker das Nadelöhr passieren. Zudem wurden sowohl von den Amerikanern als auch den Iranern Öl- und Gasinfrastrukturen angegriffen und beschädigt. Als Konsequenz sind die Energiepreise stark angestiegen. Die Erdölsorte Brent hat am Montag die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten und ist kurzzeitig bis auf 119.50 US-Dollar geklettert. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf über 50%. Auch die Erdgaspreise sind deutlich gestiegen. Dies wirkt inflationär und hat negative Implikationen für das globale Wirtschaftswachstum. Anhaltend hohe Energiepreise belasten den Konsum und wirken sich in Form von höheren Produktionskosten negativ auf die Gewinnentwicklung vieler Unternehmen aus. Entsprechend ist der Kursrücksetzer an den Aktienmärkten nachvollziehbar.


Erdölpreis reagiert heftig auf den Iran-Krieg

Entwicklung des Ölpreises (Brent), in USD pro Barrel

Entwicklung des Ölpreises (Brent), in USD pro Barrel

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die entscheidende Frage ist, wie lange der Konflikt anhalten wird. Der von den USA proklamierte Regimewechsel scheint auf die Schnelle unmöglich zu sein. Mit der Ernennung von Mojtaba Khamenei zum Nachfolger seines Vaters, des getöteten Obersten Führers Ali Khamenei, zeigt sich klar, dass die Hardliner in Teheran bis auf Weiteres die Kontrolle behalten. Ob Donald Trump bereit ist, zurückzukrebsen, ist derzeit fraglich. Iran seinerseits kann mit gezielten Nadelstichen die Strasse von Hormus wochenlang blockieren und damit die Energiepreise weiter hochtreiben. Trotz der gestrigen Äusserungen von Donald Trump gehen wir in unserem Basisszenario nicht von einem baldigen Ende des Krieges aus.

Für die USA – aber auch die globale Wirtschaft – ist ein anhaltender Konflikt teuer. Gemäss Schätzungen der US-Notenbank Fed erhöht ein Anstieg des Ölpreises von 10 US-Dollar pro Barrel die Inflation um fast 0.2 Prozentpunkte. Seit Beginn der Offensive ist der Preis bereits um fast 25 Dollar pro Barrel gestiegen. Damit dürfte sich die ohnehin hartnäckig hohe US-Inflation in den kommenden Wochen in Richtung 4% bewegen. Das hat bereits zu einem deutlichen Zinsanstieg an den Kapitalmärkten geführt, worunter die Diversifikationseigenschaften von Staatsanleihen leiden. Bei exogenen Schocks gelten Anleihen in der Regel als sicherer Hafen und legen an Wert zu. Dies gilt allerdings nicht bei Energiepreisschocks, die per Definition stark inflationär wirken. Eine höhere Inflation hat zudem negative Folgen für die Konjunktur und damit wirkt ein langanhaltender Krieg letztlich stagflationär. Auf ein solches Szenario müssen sich die Märkte erst einstellen.  

Wir rechnen in den kommenden Wochen mit einer hohen Volatilität an den Börsen. In diesem Umfeld raten wir von Aktivismus ab. Weder panikartige Verkäufe noch ein blindes «Buy the Dip» sind empfehlenswert. Eine langfristig ausgerichtete Anlagestrategie sollte nicht leichtsinnig über den Haufen geworfen werden. Wichtig ist, dass die Investitionen breit diversifiziert und von hoher Qualität sind.

Unsere seit Längerem defensiv ausgerichtete Anlagetaktik hat sich in den vergangenen Tagen bewährt und unsere Vermögensverwaltungsmandate sind im aktuellen Umfeld gut positioniert. Sowohl bei Aktien als auch Obligationen sind wir leicht untergewichtet. Als gute Stabilisatoren haben sich unsere Übergewichte bei Gold und den Schweizer Immobilienfonds erwiesen. Wir halten momentan an dieser Positionierung fest. Sollte es in den kommenden Tagen zu grösseren Verwerfungen kommen, werden wir ein Rebalancing in Betracht ziehen. Bis auf Weiteres gilt es aber Ruhe zu bewahren und an der bewährten Anlagestrategie festzuhalten.

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Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

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