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Fussball und Anlegen – Was über Sieg und Rendite entscheidet

Die Parallelen zwischen Fussball und Anlegen sind gross. Über den Sieg beziehungsweise die Rendite entscheiden Faktoren wie Qualität, Disziplin, Geduld und Taktik.

29.05.2026

Schiefertafel mit Spielfeld

Europa ist (wenigstens) im Fussball spitze

Endlich ist es wieder so weit: Am 11. Juni beginnt mit der Partie Mexiko gegen Südafrika im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt die Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft 2026. Das Sportspektakel, welches dieses Mal in den drei Ländern Kanada, USA und Mexiko über die Bühne gehen wird, dürfte über alle 104 Spiele hinweg rund 6.5 Millionen Fans in die Stadien locken. Via Fernsehen und Streaming-Diensten werden fast 6 Milliarden Menschen weltweit – zumindest teilweise – die WM verfolgen. Damit wird diese aller Voraussicht nach das meistverfolgte Sportereignis der Geschichte werden. Wer nach dem Final vom 19. Juli den 6.1 Kilogramm schweren, aus 18-karätigem Gold gefertigten FIFA-Weltmeisterpokal in die Höhe stemmen wird, ist offen. Zu den meistgenannten Favoriten zählen Frankreich, England und Spanien. Gute Chancen werden auch Brasilien und Argentinien eingeräumt. Aber auch mit Deutschland, Portugal und den Niederlanden ist zu rechnen. Zumindest was den Fussball betrifft, gehört also Europa weiterhin zur absoluten Spitze. Von den bisher 22 ausgetragenen Weltmeisterschaften ging der Titel zwölfmal nach Europa und zehnmal nach Südamerika. Die Kontinente Afrika, Asien, Nordamerika und Ozeanien gingen bisher leer aus. 

 

Anzahl Fussball-WM-Titel 

Anzahl Fussball-WM-Titel

Quellen: FIFA, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Aus Schweizer Perspektive ist erfreulich, dass die Nationalmannschaft zum vierten Mal in Folge an einer WM-Endrunde vertreten sein wird. Mit Bosnien-Herzegowina, Kanada und Katar trifft die Nati in der Gruppenphase auf schlagbare Gegner – ein Weiterkommen ist daher Pflicht. Wie weit die Reise gehen kann, wird sich zeigen. Um ein Turnier zu gewinnen, braucht es verschiedene Komponenten: Qualität, Disziplin, Geduld, Taktik und Effizienz. Die Parallelen zum Anlegen sind offensichtlich. Es sind dieselben Faktoren, die über Sieg und Rendite entscheiden. 

Eine breite Diversifikation eliminiert die unsystematischen Risiken

Wer langfristig an der Börse erfolgreich sein will, braucht eine klar definierte Anlagestrategie. Diese leitet sich aus der individuellen Risikobereitschaft und der Risikofähigkeit ab. Entscheidend ist zudem der Anlagehorizont: Je länger er ist, desto höhere Risiken können eingegangen werden. In der konkreten Umsetzung ist eine breite Diversifikation zentral. Eine ausgewogene Anlagestrategie umfasst verschiedene Anlageklassen. Ähnlich wie bei einem erfolgreichen Fussballteam braucht es unterschiedliche Rollen: einen starken Torhüter, eine stabile Defensive, kreative Mittelfeldspieler und torgefährliche Stürmer. Im Portfolio übernehmen die verschiedenen Anlageklassen diese Funktionen.

Liquidität, Investment-Grade-Anleihen und Gold sorgen für Stabilität. Sie bilden die Verteidigung. Schweizer Immobilienfonds und defensive, dividendenstarke Aktien liefern laufende Erträge – im Fussball entspricht das dem Mittelfeld. Den Sturm stellen Wachstumsaktien, Small und Mid Caps sowie Hochzins- und Schwellenländeranleihen. Sie sorgen für höhere – aber auch stärker schwankende – Renditen. Bei der Zusammensetzung und Gewichtung der einzelnen Anlageklassen werden neben den Renditeerwartungen und der Volatilität auch deren Korrelationen berücksichtigt. Je geringer diese ausfallen, desto stabiler entwickelt sich das Gesamtportfolio.

Auch innerhalb der einzelnen Anlageklassen ist auf eine breite Diversifikation zu achten. Dadurch lassen sich die unsystematischen, unternehmensspezifischen Risiken weitgehend eliminieren. Übrig bleiben die systematischen, marktbedingten Risiken, die sich in allgemeinen Börsenschwankungen bemerkbar machen. Für das Eingehen dieser Risiken werden die Anlegerinnen und Anleger mit Risikoprämien, also langfristig höheren Renditen, belohnt. Im Fussball zeigt sich ein ähnliches Prinzip: Eine Mannschaft, die zu stark von einem einzelnen Superstar abhängig ist, verliert deutlich an Schlagkraft, wenn dieser verletzt ausfällt.

 

Systematische und unsystematische Risiken

Systematische und unsystematische Risiken

Quelle: Raiffeisen Schweiz CIO Office

Eine solide Anlagestrategie und eine breite Diversifikation bilden die Grundlage eines erfolgreichen Portfolios. Das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld befindet sich jedoch in einem ständigen Wandel. Entsprechend ist es erforderlich, das Portfolio situativ anzupassen. In diesem Zusammenhang spricht man von der Anlagetaktik. Auch im Fussball spielt die Taktik eine entscheidende Rolle: Je nach Gegner und Spielstand wird die Ausrichtung angepasst und defensiver oder offensiver agiert. Gleich verhält es sich bei der Kapitalanlage. Im aktuellen Konjunkturumfeld, das unter anderem vom Iran-Konflikt geprägt ist, sind stagflationäre Tendenzen erkennbar. In Kombination mit den derzeit eher hohen Bewertungen führt dies dazu, dass wir die Portfolios etwas defensiver ausrichten.

Ausdauer zahlt sich aus – Exponentielles Wachstum dank Zinseszinseffekt

Sowohl im Sport als auch beim Investieren sind Geduld und Ausdauer entscheidend. Erfolgreiches Anlegen ist eher ein Marathon als ein Sprint. Der Zinseszinseffekt macht dabei den Faktor Zeit zu einem der wichtigsten Treiber langfristiger Renditen.

 

Entwicklung einer Anlage von CHF 1'000 bei einer jährlichen Rendite von 6%

Entwicklung einer Anlage von CHF 1'000 bei einer jährlichen Rendite von 6%

Quelle: Raiffeisen Schweiz CIO Office

Wer langfristig denkt und investiert, lässt sich von kurzfristigen Marktschwankungen nicht aus der Ruhe bringen. Auch im Fussball zeigt sich dieses Prinzip: Erfolgreiche Mannschaften bleiben selbst bei einem Rückstand ruhig, halten an ihren Stärken fest und vertrauen auf ihre Spielweise. Genau diese Disziplin ist auch an den Finanzmärkten entscheidend.  

Am Ende gilt im Fussball wie beim Investieren: Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Strategie, Disziplin und Geduld. In diesem Sinne: Bleiben Sie Ihrer Strategie treu – es lohnt sich. 

Der CIO erklärt: Was heisst das für Sie als Anleger?

Der Iran‑Konflikt hat zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise geführt. Die weltweit steigende Inflation sowie höhere Kapitalmarktzinsen belasten zunehmend Wirtschaft, Unternehmen und Konsumenten. Trotz dieser stagflationären Tendenzen notieren zahlreiche Aktienmärkte auf Allzeithochs. Getrieben werden sie von wenigen Titeln aus dem Energie- und Technologiesektor. Die geringe Marktbreite ist dabei ein Warnsignal. Ende Mai haben wir in den Portfolios deshalb ein Rebalancing vorgenommen, da sich die Gewichtungen infolge der Marktentwicklungen verschoben haben. Konkret wurden bei Aktien Gewinne realisiert und im Gegenzug bei Obligationen zugekauft sowie die Liquidität erhöht. Dieses antizyklische Vorgehen trägt dazu bei, das Rendite-Risiko-Profil in Balance zu halten und zusätzlichen Mehrwert zu generieren.

Matthias Geissbühler

Matthias Geissbühler

Chief Investment Officer Raiffeisen Schweiz

Seit Januar 2019 ist Matthias Geissbühler als Chief Investment Officer (CIO) von Raiffeisen Schweiz für die Anlagepolitik verantwortlich. Zusammen mit seinem Team analysiert er kontinuierlich die weltweiten Geschehnisse an den Finanzmärkten und entwickelt die Anlagestrategie der Bank.