Anlagewissen einfach erklärt

Wie Anleger am besten in Gold investieren

Das Edelmetall ist auch in turbulenten Zeiten eine relativ sichere Geldanlage und gehört deshalb in ein gut diversifiziertes Portfolio. Unsere Experten zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Sie haben, um Ihr Geld in Gold zu investieren und geben praktische Tipps, worauf es beim Kauf des Edelmetalls zu achten gilt.

Goldanlagen eignen sich zur Diversifikation

Gold gilt als «Krisenwährung». In Zeiten grosser Unsicherheit dient es vielen Anlegern als sicherer Hafen. Geht es an den Märkten turbulent zu und her, kommt dem Edelmetall zugute, dass es nur teilweise mit anderen Anlageklassen korreliert. Fallen die Kurse von Aktien, Obligationen und Immobilien muss sich dies nicht negativ auf den Goldpreis auswirken. Im Gegenteil: In der Tendenz steigt er, wenn die Aktienkurse fallen – und umgekehrt. Aus diesem Grund trägt das Edelmetall zur Diversifikation des Portfolios bei und somit zum Schutz vor Verlusten. 

«Um die Risiken im Depot breiter zu streuen, sind aus unserer Sicht 5 bis maximal 10 Prozent Gold sinnvoll», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen. Das Edelmetall lässt ich beispielsweise mit einem börsengehandelten Gold-Fonds, im Fachjargon Gold ETF (Exchange Traded Funds) dem Portfolio beimischen oder über den Kauf von Goldbarren und Münzen. Die Wahl der passenden Anlageform hängt dabei von den persönlichen Bedürfnissen ab sowie der Funktion, die Gold im Portfoliokontext erfüllen soll.

Wie Gold Ihr Portfolio stabilisiert, das Rendite-Risiko-Profil verbessert und warum es sich lohnt in Gold zu investieren erfahren Sie in unserem Artikel «Gold glänzt in der Krise». 

Fünf Wege, um in Gold zu investieren

Investitionen in Gold sind grundsätzlich auf zwei Arten möglich: direkt oder indirekt. Direkt bedeutet, dass man das Gold physisch zur Aufbewahrung ausgeliefert erhält. Etwa in Form von Barren, Anlage- oder Raritätenmünzen. Beim indirekten Kauf erwirbt man ein Finanzprodukt wie beispielsweise einen Gold-ETF. ETFs sind Wertpapiere, welche die Goldpreisentwicklung abbilden. So ermöglichen sie Anlegern in Gold zu investieren, ohne es lagern zu müssen. Worauf Sie bei der Wahl Ihrer Goldanlage Acht geben sollten, erfahren Sie in den wertvollen Tipps unserer Experten.

1. Der Kauf von Goldbarren

Wer seine Anlage in den Händen halten will, kauft physisches Gold. Der Vorteil ist der ständige Zugriff – sei es zu Hause im Tresor oder bei der Bank. Darin liegt allerdings auch der Nachteil: Es fallen Kosten an für die Versicherung, den Transport und die Aufbewahrung.

Ganz klassisch wird Gold am Bankschalter oder bei einem Goldhändler gekauft. Erhältlich sind Miniplättchen von 1 Gramm bis zum Grossbarren mit ca. 12,5 Kilogramm. Am besten geeignet für den Kauf sind Kleinbarren und Barren, die zwischen einem Gramm und einem Kilogramm wiegen. Denn diese Gewichtsklassen sind «handelsüblich»; ihr Wiederverkauf ist jederzeit problemlos möglich. Von kleinen Stückelungen rät Urs Dütschler, Produktmanager bei Raiffeisen, grundsätzlich ab. Denn je kleiner die Stückelung, desto stärker fallen die Herstellungskosten ins Gewicht. «Je kleiner die Stückelung, desto höher die Kosten respektive der Spread zwischen An- und Verkaufspreis. Plättchen von 1 und 5 Gramm können denn auch bis zu 20 % mehr kosten als ihr reiner Goldwert beträgt», weiss der Experte.

Für den Wiederverkauf zentral ist auch eine Zertifizierung. «Wichtig ist, dass man beim Barrenkauf ein entsprechendes Zertifikat erhält oder man ein fälschungssicheres Goldplättchen, ein sogenanntes Kinebar, erwirbt.», sagt Urs Dütschler. Kinebar steht für Goldbarren, die ein Hologramm aufweisen. Wie bei Banknoten wird damit das Fälschen weiter erschwert. Für die Zertifizierung von Herstellern und Raffinerien ist die London Bullion Market Association (LBMA), dem weltweit grössten ausserbörslichen Handelsplatz für Gold und Silber, zuständig. Sie vergibt das Qualitätssigel «Good Delivery» an ausgesuchte Hersteller von Goldbarren. Damit wird die gleichbleibende Qualität sichergestellt. Auf ihre Zertifizierung können sich Anleger verlassen. 

 

2. Münzen kaufen

Viele Schweizerinnen und Schweizer kennen Gold in Form der berühmten Schweizer Goldvreneli. Am bekanntesten sind die 10- und 20-Franken-Stücke. «Beim Münzenkauf unbedingt darauf achten, dass es sich um eine einfach wiederzuverkaufende Münze handelt», sagt Dütschler. Das ist bei den 20 Franken Vreneli der Fall. Sie bestehen zu 90 % aus Gold und ihr An- und Verkaufspreis liegt etwa 5 bis 10 % auseinander.

Ebenso geeignet als krisensichere Geldanlage sind der kanadische Maple Leaf, der österreichische Wiener Philharmoniker oder das Australian Nugget – sie sind international bekannt. Diese Münzen bestehen aus praktisch 24-karätigem Gold und wiegen genau 1 Unze. Etwas mehr Bruttogewicht bringen der südafrikanische Krügerrand, die bekannteste Goldanlagemünze der Welt, und der American Eagle auf die Waage. Sie enthalten zwar auch 1 Unze Feingold bestehen aber aus einem zusätzlichen Anteil Kupfer oder anderen Legierungen. Für viele Münzen gilt: Laien fällt es in der Regel schwer, den Wert einzuschätzen. Wenn es sich um Sammlermünzen handelt, die teils Raritätenstatus geniessen, kann ihr Preis den tatsächlichen Goldpreis auch massiv übersteigen.

Ob Raritätenmünze oder Goldvreneli – beim Münzkauf ist die Qualität entscheidend. «Bei schlechter Qualität läuft man Gefahr beim Wiederverkauf nur noch den Schmelzwert zu erhalten», gibt Urs Dütschler zu Bedenken. 

   

3.  In Gold investieren – über ETFs

Für Anleger ohne Interesse an Barren oder Münzen bietet sich der Kauf eines Exchange Traded Funds (ETF) an. Diese bilden den Goldpreis beinahe eins zu eins ab. Das heisst: Steigt der Preis von Gold, steigt auch der Wert des ETF. Fällt der Goldpreis, verliert auch der ETF gleichermassen an Wert. So ermöglichen ETFs die Teilnahme an der Entwicklung des Goldpreises und die Möglichkeit, in physisches Gold zu investieren, ohne dass Kosten für Transport, Versicherung oder Aufbewahrung entstehen. Denn gelagert wird das Goldvermögen bei der Bank, die den ETF verwaltet. Wie Aktien oder andere Wertpapiere werden Gold-ETFs an der Börse gehandelt und können entsprechend einfach gekauft und verkauft werden. Für einen Kauf reicht die Angabe des Produktnamens, Valors und der Stückzahl.

Das Angebot verschiedener Gold-ETFs ist gross; die Unterschiede teils auch. «Anleger sollten unbedingt darauf achten, dass der Gold-ETF vollständig mit physischem Gold hinterlegt ist», rät Urs Dütschler von Raiffeisen. Bei diesen Gold-ETFs kauft der ETF-Anbieter mit dem Kapital der Anleger eine entsprechende Menge des gelben Edelmetalls und lagert sie ein. Der rechtmässige Eigentümer des Goldes ist der Anleger. Bei Bedarf kann er sich dieses aushändigen lassen. Bei der Auslieferung bestehen aber unterschiedliche Konditionen. Es gibt Fonds, die eine physische Auslieferung unabhängig von der Höhe des Investments ermöglichen, und solche, die nur dann ausliefern, wenn der Gegenwert des Goldinvestments einem Standardbarren (12,5 Kilogramm) entspricht. In der Regel geht die Auslieferung mit Gebühren einher. «Bei der Wahl des ETFs sollten Anleger darauf achten, dass diese Kosten transparent ausgewiesen sind», rät Urs Dütschler.     

Ausliefern lassen wollen oder nicht – diese Optionen beeinflussen die Gebühr, welche für die Verwaltung des ETFs anfällt. Die Kosten sind fix pro Jahr und bewegen sich zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des investierten Betrages. Weil ETFs mit grossen Volumen handeln und meistens grosse Barren kaufen, sinken die Transaktionskosten bei Kauf und Verkauf (Spread) für den einzelnen Anleger. Trotzdem profitiert er von einer sehr hohen Liquidität. Kommt hinzu, dass bei ETFs hohe Anlegerschutzbestimmungen gelten.

So vereinen Gold-ETFs das Beste aus zwei Welten: «Anleger profitieren von den Eigenschaften von Gold ohne für die Aufbewahrung sorgen zu müssen und verfügen trotzdem über die Option, sich das Edelmetall physisch auszahlen zu lassen», sagt Urs Dütschler von Raiffeisen Schweiz. 

Entwicklung Goldpreis (in USD) von 1980 bis 2020

Entwicklung Goldpreis

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

 

4. Indirekt in Gold investieren – mit Minenaktien

Aktien von Minengesellschaften ermöglichen eine indirekte Partizipation am Goldpreis. «Aber Vorsicht: Diese Papiere sind im Allgemeinen nochmals deutlich volatiler als die Edelmetallpreise selbst», gibt Matthias Geissbühler zu bedenken. Weil die grössten Goldvorkommen in klassischen Schwellenländern (Indonesien, Usbekistan, Russland, Südafrika) liegen, gehen Investitionen in Edelmetallförderer oft mit hohen Risiken einher. Das können Streiks sein und politische Unsicherheiten oder im schlimmsten Fall der Totalausfall einer Gesellschaft. Deshalb rät Raiffeisen auch von Investitionen in Minenaktien ab, wenn sich der Kunde nicht regelmässig über die Entwicklung des jeweiligen Landes und der Branche informieren möchte und die Risiken genau beobachtet.

 

5. Mit Gold-Zertifikaten von jeder Entwicklung des Goldkurses profitieren

Wer an der Goldpreisentwicklung partizipieren möchte, kann auch auf Zertifikate setzen. Gold-Zertifikate sind Wertpapiere, welche die Entwicklung des Goldpreises nachbilden – und das deutlich exakter als beispielsweise bei Goldminenaktien. Der Wert jedes Gold-Zertifikats ist dabei stets abhängig von der Kursentwicklung seines Basiswertes, also dem Goldpreis. Wer in Gold-Zertifikate investiert, kann so von nahezu jeder Entwicklung des Goldpreises profitieren: Mit Long-Zertifikaten setzen Investoren auf einen steigenden Goldpreis, mit Short-Papieren auf einen fallenden.

Zertifikate ermöglichen Anlegern daher eine grosse Flexibilität. «Zertifikate haben den grossen Vorteil, dass für jede Marktsituation und für jede Erwartungshaltung die perfekte massgeschneiderte Anlagelösung zeitnah kreiert werden kann» unterstreicht auch Albert Stürm, Leiter Advisory & Vertrieb bei Raiffeisen. Alle Zertifikattypen auf Gold haben jedoch eines gemeinsam: Durch den Erwerb eines Gold-Zertifikats werden Anleger in keiner Form Eigentümer von Gold, sie partizipieren ausschliesslich an der Entwicklung des Goldkurses. Mit dem Kauf eines Zertifikates wird so auch ein Gegenparteienrisiko des Emittenten eingegangen.

Tiefe Zinsen sprechen für Gold

Das Umfeld für Gold ist bis auf weiteres freundlich. Denn: die Zinsen sind auf einem Rekordtief. Während der Coronavirus-Situation senkte die US-Notenbank Fed den Leitzins auf fast null Prozent, um die wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie abzufedern. Experten gehen davon aus, dass es Jahre dauern wird, bis die mächtigste Notenbank der Welt wieder an der Zinsschraube drehen wird. Zum Vergleich: Nach der Finanzkrise 2008 / 2009 vergingen sechs Jahre bis zur ersten Zinserhöhung der Fed. «Weil die Zinsen auf absehbare Zeit tief oder im Negativbereich bleiben werden, sind weitere Preissteigerung beim gelben Edelmetall durchaus denkbar», meint Raiffeisen-CIO Matthias Geissbühler. Denn: Werfen als sicher geltende Anlageklassen wie etwa Obligationen keine Renditen ab, steigert das die Attraktivität von Gold. 

Wertvolle Tipps für Gold-Anleger 

Wer sein Portfolio mit Gold weiter diversifizieren will, sollte bei der Wahl der passenden Goldanlage folgende Tipps berücksichtigen:

  • Nur einen Teil des Vermögens in Gold halten: Empfohlen wird 5 bis 10 % des Portfolios.
  • Auf Zertifizierung achten beim Erwerb von physischen Goldbarren, für problemlosen Wiederverkauf.
  • Beim Kauf von Goldbarren keine kleinen Stückelungen erwerben, weil diese unter Umständen nicht «handelsüblich» sind und ihr Preis beim Kauf aufgrund der Herstellungskosten deutlich über dem tatsächlichen Goldpreis liegt.
  • Währungsrisiko beachten: Der Goldpreis ist an den Dollar gekoppelt. Fällt der Greenback gegenüber dem Franken, sinkt auch der Wert des Goldes.
  • ETFs sollten immer mit physischem Gold hinterlegt sein. Nur dann gelten das Recht auf die physischen Auslieferung und die Anlegerschutzbestimmungen.
  • Bei der Investition in Aktien von Goldminen-Gesellschaften ist die Auswahl entscheidend, da der Kurs nicht nur von der Entwicklung des Goldpreises abhängig ist

Raiffeisen bietet Anlegern mit den beiden ETFs Solid Gold und Solid Gold Ounces eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, von der Entwicklung des Goldpreises zu profitieren.