Weltpolitik durchkreuzt Hoffnungen
Ohne den Krieg im Nahen Osten wäre der Ausweg aus der Industriekrise in Reichweite. Der Raiffeisen KMU-PMI ist im März überraschend erneut gestiegen. Aufgrund der angespannten geopolitischen Lage zeichnen sich jedoch bereits erste Bremsspuren ab, etwa bei den Investitionsplänen.
01.04.2026
Nach dem deutlichen Anstieg im Vormonat hat der Raiffeisen KMU-PMI im März weiter zugelegt. Der PMI verbesserte sich von 53.5 auf 55.0 Punkte und signalisiert damit eine weitere Belebung der Geschäftslage bei den KMU im Industriesektor. Im Unterschied zum Februar ist der Anstieg diesmal jedoch vor allem auf die binnenorientierten Unternehmen zurückzuführen. Deren Geschäftslage hatte sich zum Jahreswechsel verschlechtert, zeigt nun jedoch wieder eine deutliche Verbesserung, insbesondere bei der Auftragslage. Die exportorientierten KMU wiederum melden eine ähnlich robuste Expansion der Geschäftsaktivität wie im Februar. Insgesamt verbesserte sich die Auftragskomponente im März damit von 55.6 auf 59.4 Punkte. Die Produktionskomponente verharrte bei 55.0 Punkten. Die Lieferfristenkomponente wiederum verzeichnete einen deutlichen Anstieg von 50.2 auf 55.4 Punkte. Dies dürfte primär Ausdruck einer verbesserten Kapazitätsauslastung sein, vereinzelt werden jedoch auch Lieferkettenprobleme genannt. Zwei Komponenten verzeichneten einen Rückgang: Die Einschätzung zur Beschäftigung sank von 51.0 auf 50.2, während die Einkaufslagerkomponente von 53.0 auf 50.4 Punkte zurückging.
Der erneute Anstieg des KMU-PMI bestätigt, dass die Erholungssignale vom Februar kein blosses Strohfeuer waren. Der Kriegsausbruch im Nahen Osten hat die Chancen auf ein Ende der Industriekrise jedoch gedämpft. Die Erholung steht auf tönernen Füssen. Erste Bremsspuren zeigen sich bereits in den aktuellen Umfrageergebnissen. Knapp 40% der befragten KMU rechnen aufgrund der angespannten geopolitischen Lage bereits jetzt mit negativen Auswirkungen auf ihre Investitionspläne, wie eine Sonderumfrage von Raiffeisen zeigt.
Zudem weisen zahlreiche Exportunternehmen in den Kommentaren auf die Frankenstärke als Belastung hin. Hält der Konflikt weiter an, bleiben die Frankenstärke und eine stärker nachlassende globale Nachfrage die wichtigsten Belastungsfaktoren für die Exportwirtschaft.
Wie stark wirken sich die aktuelle weltpolitische Lage (Iran-Krieg) und die damit einhergehende Unsicherheit auf Ihre Investitionspläne für 2026 aus?
Der direkte Einfluss höherer Energiepreise ist jedoch ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Kleinere, meist binnenorientierte KMU decken ihren Energiebedarf häufig über langfristige Verträge mit lokalen Stromversorgern. Sie spüren steigende Energiepreise daher erst zeitverzögert. Grössere und stärker exportorientierte KMU beschaffen ihre Energie hingegen oft am freien Markt. Entsprechend zeigt sich bei diesen Unternehmen eine deutlich höhere Sensitivität gegenüber steigenden Energiepreisen. So gibt nahezu die Hälfte der exportorientierten KMU an, bei dauerhaft hohen Energiepreisen stark bis sehr stark betroffen zu sein.
Wie stark wäre Ihr Unternehmen von dauerhaft höheren Energiepreisen betroffen?
Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)
| Mär 26 | Feb 26 | Jan 26 | Dez 25 | Nov 25 |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtindex | 55,0 | 53,5 | 50,2 | 49,4 | 50,3 |
| Auftragsbestand | 59,4 | 55,6 | 50,8 | 49,6 | 51,6 |
| Produktion | 55,0 | 55,0 | 52,3 | 49,9 | 50,4 |
| Beschäftigung | 50,2 | 51,0 | 46,5 | 49,5 | 49,4 |
| Lieferfristen | 55,4 | 50,2 | 50,1 | 49,7 | 51,6 |
| Einkaufslager | 50,4 | 53,0 | 50,9 | 46,8 | 46,0 |
50 = Wachstumsschwelle
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Domagoj Arapovic
Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.
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