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Diese 6 Fehler würde der E-Commerce-Pionier heute nicht mehr machen

Für Unternehmerinnen und Unternehmer gehören Fehler dazu. Idealerweise lernt man daraus. Samy Liechti, Gründer des Online-Socken-Abos Blacksocks verrät seine sechs wichtigsten Erfahrungen und sagt, wieso zu viele Ideen ein Nachteil sein können und warum man sich zwei Tage im Jahr zurückziehen sollte.

16.01.2026

Fehler gehören dazu

24 Jahre lang führte Samy Liechti sein erfolgreiches E-Commerce-Unternehmen Blacksocks. 1999 gehörte es zu den ersten Onlineshops der Schweiz. Es lief aber nicht immer alles rund: «Fehler gehören dazu – klar», sagt Liechti heute. Aber ich lebe nach dem Motto: «Don’t look back in anger: Man denkt schliesslich nur mit dem, was man weiss.» Heute unterstützt  er andere Unternehmerinnen und Unternehmer mit seinen Erfahrungen.

Diese Fehler sollten Gründerinnen und Unternehmer vermeiden:

 

1. Rechtliche Struktur vernachlässigen

«Wir hatten zu Beginn eine AG, aber keinen Aktionärsbindungsvertrag. Das war ein Fehler.» Ohne klare rechtliche und organisatorische Grundlagen kann ein Unternehmen schnell ins Straucheln geraten. Samy Liechti hat die Wichtigkeit der Anfangsstruktur unterschätzt: «Man muss sich die Zeit nehmen – nicht nur für das kreative, sondern auch für das organisatorische. Sonst fliegt einem der Laden um die Ohren.» Heute rät er jedem Gründer: Struktur zuerst – das Fundament muss stabil sein.

 

2. Zu spät in gute Leute investieren

«Ich hätte schneller höher qualifizierte Leute einstellen sollen», sagt Liechti rückblickend. Anfangs setzte er auf Personen, die ihm zwar halfen, nicht aber Denkarbeit abnahmen. Heute weiss er: Es braucht Mitarbeitende, die mitdenken, Impulse geben und Verantwortung übernehmen. «Es geht nicht nur ums Helfen, sondern ums Vorwärtsbringen.»

 

3. Keinen festen Wochenablauf haben

Liechti hatte anfangs keinen fixen Tagesablauf: «Alles kam gleichzeitig auf den Tisch, ich fühlte mich wie eine Kugel im Flipperkasten.» Er erkannte, wie wichtig ein klarer Rhythmus ist. Seine Lösung: Blockzeiten. «Donnerstags machte ich zum Beispiel Admin, Freitag war der Einkauf dran – das hat geholfen, mich zu fokussieren und nicht zu verzetteln.».

«Man muss die wichtigen Sachen richtig machen und nicht einfach möglichst viel.»
Samy Liechti

Samy Liechti

Blacksocks-Gründer und Berater

4. Zu viele Ideen gleichzeitig umsetzen wollen

Der Unternehmer empfiehlt eine rollierende Jahresplanung mit festen Themen: «In den ersten fünf Jahren hatte ich oft zehn Ideen gleichzeitig und wollte alle sofort umsetzen», sagt Liechti. «Doch das ist Selbstausbeutung.». Statt impulsiv auf alles zu reagieren, setzte er jeweils gezielt einen Fokus: «Wir konzentrierten uns zum Beispiel in einem Quartal nur auf die Customer Experience. Hatten wir gleichzeitig Ideen zum Payment, sammelten wir diese zwar – sie hatten aber keine Priorität. «Man muss die wichtigen Sachen richtig machen und nicht einfach möglichst viel.»

 

5. Seine persönlichen Ziele ausser Acht lassen

Liechti beschäftigte sich zwar mit der Unternehmensstrategie, vergass aber sich selbst: «Ich hatte keinen Plan für mich als Eigner – nur fürs Unternehmen.» Rückblickend wünscht er sich, er hätte sich jährlich eine Auszeit genommen: «Zwei Tage Retreat, um zu überlegen: Was will ich mit dem Unternehmen? Verkaufen? Weitergeben? Fusionieren? Im Alltagsstress spürt man sich nicht mehr.»

 

6. Nachfolgeplanung zu spät angehen

«Ich habe zu ganz vielen Themen andere Menschen konsultiert – die Nachfolgeplanung bin ich aber zu spät angegangen», sagt Liechti. Heute würde er schon frühzeitig eine Liste mit potenziellen Käufern führen und in der Branche die Fühler ausstrecken. «Das hätte den Exit womöglich verbessert und den Verkaufspreis erhöht.»

Samy Liechti

Samy Liechti

Blacksocks-Gründer und Berater

Samy Liechti ist ein Schweizer Unternehmer und ECommercePionier. Bekannt wurde er als Gründer von Blacksocks, dem weltweit ersten Online-AboDienst – eine Geschäftsmodellinnovation - für Herrensocken, den er 1999 in Zürich lancierte. Unter seiner Führung entwickelte sich Blacksocks zu einem internationalen Erfolg mit über 250’000 Kundinnen und Kunden in mehr als 120 Ländern sowie erweiterter Produktlinie. 2023 verkaufte Liechti seine Firma an Rohner Socks. Heute berät er Unternehmerinnen und Unternehmer. Ausserdem ist er ein gefragter Redner zu Themen wie Entrepreneurship, Digital Commerce und Abo-Modelle.

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