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Weitergabe von Wohneigentum: Herzensangelegenheit mit Hindernissen

Die Weitergabe von Wohneigentum hat in vielen Familien einen hohen emotionalen Stellenwert – ein Selbstläufer ist sie aber nicht. Unsere Umfrage zeigt, was den Beteiligten im Weitergabeprozess wichtig ist, wo Stolpersteine liegen und wer Unterstützung bietet.

29.04.2025

Gut zu wissen

Die Umfrage in Zahlen

  • 85% aller Eigenheimbesitzenden können sich vorstellen, ihr Zuhause an die nächste Generation weiterzugeben.
  • Für 63% der Übergeberinnen und Übergeber ist die Planung des dritten Lebensabschnitts ein Auslöser, um sich mit der Weitergabe des Wohneigentums zu befassen.
  • Schwere Konflikte sind selten: Mit nur 5% berichten die Geschwister von Übernehmenden am häufigsten von tiefgreifenden Auseinandersetzungen.
  • Knapp zwei Drittel derer, die ihr Wohneigentum weitergeben, lassen sich professionell beraten.
  • 40% der Befragten geben an, sich nicht oder gar nicht mit der Wohneigentumsweitergabe auszukennen.

Erkenntnis #1:

Emotionale und finanzielle Gründe sprechen für die familieninterne Weitergabe

Emotionen prägen die Weitergabe von Wohneigentum: Die Unterstützung der nächsten Generation, die Weiterführung der Familientradition und die Bindung ans Elternhaus motivieren die Befragten, Wohneigentum in der Familie zu behalten. Dabei sind Eltern etwas stärker daran interessiert als Kinder: Für 85 Prozent der Übergebenden kommt eine Weitergabe in Frage; für eine Übernahme interessiert sich rund die Hälfte der Nachkommen.

Für eine familieninterne Lösung sprechen neben emotionalen Gründen auch finanzielle – besonders auf Seiten der Übernehmenden: Rund ein Drittel von ihnen nennt finanzielle Vorteile gegenüber dem Kauf eines Eigenheims auf dem freien Markt als Argument für eine Übernahme. Die Aussage, dass es einfacher sei, Wohneigentum von den Eltern zu übernehmen, als es von Dritten zu kaufen, erhält bei vielen Befragten eine hohe Zustimmung – im Schnitt 3,7 Punkte von möglichen 5.

Erkenntnis #2:

Der Prozess ist komplex – und darum auch konfliktbehaftet

Die Weitergabe ist kein Kinderspiel, der Prozess ist emotional und komplex. Entsprechend oft kommt es zu Spannungen: Rund 80 Prozent der Übergebenden, rund die Hälfte der Übernehmenden und etwa zwei Drittel der Geschwister von Übernehmenden erleben Konflikte. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um kleinere Auseinandersetzungen. Von anhaltenden, schweren Konflikten berichtet nur eine sehr kleine Minderheit.

Weitergabe von Wohneigentum

Quelle: Marktumfrage "Weitergabe von Wohneigentum"

Typische Streitpunkte zwischen Übergebenden und Übernehmenden sind der Preis, der Zustand der Immobilie oder das Timing. Gerade hier gehen die Vorstellungen auseinander: Wenn Kinder sich eine Übergabe wünschen, sind Eltern oft noch nicht bereit dazu. Zwischen Geschwistern kommt es häufig dann zu Zwist, wenn mehrere an einer Übernahme interessiert sind. So sagt ein Drittel derer, die zugunsten eines Geschwisters auf das Elternhaus verzichten mussten, sie hätten selbst auch grosses oder sehr grosses Interesse daran gehabt. Das wirkt nach: Rückblickend kritisiert gut ein Viertel der Nicht-Übernehmenden die Gestaltung des Weitergabeprozesses.

Wissenswert

Ausgleichszahlungen sind Konfliktherde

Die grosse Mehrheit der Wohneigentumsweitergaben erfolgen als Erbvorbezug. In vielen Fällen ergibt sich daraus eine Ausgleichspflicht gegenüber Geschwistern. Fast 30 Prozent der Übernehmenden mit Geschwistern berichten von Konflikten rund um dieses Thema. Besonders problematisch: Nicht in jedem Fall wird eine Ausgleichszahlung sofort geleistet, auch der Betrag wird häufig nicht festgelegt. Das kann im Zuge der Erbteilung, also oftmals Jahre nach der Übergabe, noch für Konflikte sorgen – etwa wenn die Liegenschaft in der Zwischenzeit an Wert gewonnen hat und Liquidität für die Ausgleichszahlung fehlt. Unsere Expertinnen und Experten raten darum dazu, Ausgleichszahlungen frühzeitig und unter Mitwirkung der ganzen Familie in einem Erbvertrag verbindlich zu regeln. 

Erkenntnis #3:

Wissenslücken erschweren eine faire Weitergabe

Wenn Eltern ihr Wohneigentum an ihre Kinder weitergeben, steht ein Punkt ganz oben: Alle sollen fair behandelt werden. Aber: Wer beurteilen will, was «fair» ist, braucht fundiertes Wissen zu rechtlichen, steuerlichen und familiären Fragen. Und genau dieses Wissen fehlt oft. Für alle abgefragten Aspekte der Wohneigentumsweitergabe gilt: Nur eine Minderheit kennt sich gut oder sehr gut aus. Das ist verständlich, denn die meisten durchlaufen den Prozess – wenn überhaupt – nur einmal im Leben. Entsprechend steigt das Risiko von Fehlannahmen oder einseitigen Erwartungen.

 

Wissen zu Aspekten der Wohneigentumsweitergabe

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass viele auf professionelle Unterstützung setzen. 54 Prozent der Personen, die Wohneigentum übernommen haben, haben eine Fachperson beigezogen. Bei den Übergebenden ist der Anteil noch höher: 63 Prozent nahmen Beratung in Anspruch. Das ist wichtig – gerade weil das Wissen zu zentralen Aspekten begrenzt ist und Fairness allen am Herzen liegt. Denn Fachpersonen können helfen, Transparenz zu schaffen und Konflikte zu vermeiden.

Zur Umfrage

Raiffeisen-Umfrage zum Thema Weitergabe von Wohneigentum

Für diese von Raiffeisen Schweiz und YouGov durchgeführte Umfrage wurden vom 23. Januar bis zum 2. Februar 2026 1’500 Personen aus der Schweizer Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren mittels geschichteter Zufallsstichprobe im YouGov Schweiz-Onlinepanel befragt. Die Resultate zeigen, wie die Schweizer Bevölkerung bei der Weitergabe von Wohneigentum vorgeht, welche Einstellungen und Empfindungen den Prozess prägen und wie es um ihr Wissen zu relevanten Themen steht. 

Umfrage «Weitergabe von Wohneigentum: Herzensangelegenheit mit Hindernissen»

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