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Robuste Halbjahresbilanz – Positiv trotz Gegenwind

Trotz der geopolitischen Unsicherheiten, des Iran-Kriegs sowie steigender Energiepreise und Inflation konnten die Aktienmärkte in der ersten Jahreshälfte zulegen.

03.07.2026

Geldvogel vor Ventilator

Robuste Halbjahresbilanz – Aktien legen zu, Gold korrigiert

Das erste Halbjahr 2026 war geprägt von zunehmenden geopolitischen Spannungen, wobei insbesondere der Konflikt im Nahen Osten als globaler Schock wirkte. Er führte zu steigenden Energiepreisen, höherer Inflation und einer Abschwächung des globalen Wachstums. Trotz dieser Belastungsfaktoren zeigten sich die Finanzmärkte bemerkenswert widerstandsfähig und die Aktienmärkte konnten im ersten Halbjahr deutlich zulegen.

Die ab März sprunghaft angestiegenen Energiepreise haben die Inflationsraten nach oben getrieben. So kletterte die Teuerung im Mai in den USA auf 4.2%, in der Eurozone auf 3.2%. Damit liegt sie wieder deutlich über dem Ziel der Notenbanken. Die zu Jahresbeginn vom Markt erwarteten Zinssenkungen sind entsprechend vom Tisch und für eine expansivere Geldpolitik besteht trotz nachlassender Konjunkturdynamik derzeit kein Spielraum – im Gegenteil. Diverse Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of Japan (BoJ) oder die australische Notenbank (RBA) haben ihre Leitzinsen in diesem Jahr erhöht und die Geldpolitik gestrafft.

Die anziehende Teuerung sowie die gestiegenen Zinsen haben Spuren im Konsumentenvertrauen hinterlassen. Auch die Einkaufsmanagerindizes im Dienstleistungsbereich sind zuletzt in vielen Regionen unter die 50-Punkte-Marke, welche die Schwelle zwischen Expansion und Kontraktion anzeigt, gefallen. Entsprechend haben wir unsere Konjunkturprognosen nach unten revidiert. Für die Schweiz gehen wir im laufenden Jahr von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0.8% aus. In der Eurozone dürfte das Wachstum mit 0.6% noch schwächer ausfallen. In den USA rechnen wir aufgrund hoher Ausrüstungsinvestitionen mit einer Expansion des BIP um 2.1%. Damit liegen die Wachstumsraten in allen Regionen unter ihrem jeweiligen Potenzialwachstum. 

Trotz geopolitischer Unsicherheiten und durchzogener Konjunkturaussichten konnten die Aktienmärkte im ersten Halbjahr zulegen. Insbesondere Schwellenländeraktien und US-Valoren notieren deutlich im Plus.

 

Wertentwicklung der Raiffeisen Anlageklassen seit Jahresbeginn, in CHF

Wertentwicklung der Raiffeisen Anlageklassen seit Jahresbeginn, in CHF

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

KI-Hype treibt Technologiewerte – Big Tech stellt alles in den Schatten

Getrieben wurde die Entwicklung vor allem vom Technologiesektor. Die hohen Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) haben insbesondere Halbleiter- und Hardwareaktien beflügelt. Allerdings haben die Konzentrationsrisiken deutlich zugenommen. Der Weltaktienindex (MSCI World) wird stark von US-Technologiewerten dominiert. Während die USA fast drei Viertel des Index ausmachen, liegt der Anteil von Technologieaktien bei nahezu 33%. Dieser dürfte nach der Inklusion von SpaceX sowie den geplanten Börsengängen von Anthropic und OpenAI noch weiter zunehmen. Wer indexnah investiert, geht – oft ohne es zu wissen – Klumpenrisiken ein. Die hohe Konzentration begrenzt die Diversifikationsvorteile und spricht für eine aktive Vermögensverwaltung.

 

Marktkapitalisierungen und BIP im Vergleich, in Billionen USD

Marktkapitalisierungen und BIP im Vergleich, in Billionen USD

Quelle: IMF, FactSet, Datastream, Bloomberg, Goldman Sachs Global Investment Research, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Wie geht es nun an den Börsen weiter und wie positionieren wir uns für das zweite Halbjahr? Hiesige Anlegerinnen und Anleger sind weiterhin mit tiefen Zinsen konfrontiert. Unter Berücksichtigung der Inflation fallen die Sparzinsen sogar negativ aus. In diesem Nullzinsumfeld gewinnen alternative Renditequellen an Attraktivität. Der Swiss Performance Index (SPI) weist derzeit eine durchschnittliche Ausschüttungsrendite von rund 3% auf. Im Hinblick auf die zweite Jahreshälfte erachten wir defensive, dividendenstarke Schweizer Aktien – etwa aus den Sektoren Gesundheit, Nahrungsmittel oder Versicherungen – als attraktiv. Mit Blick auf die internationalen Börsen sind wir etwas vorsichtiger eingestellt. Bei Schwellenländeraktien wurden per Mitte Jahr Gewinne mitgenommen und die Quote taktisch reduziert. Dieses Marktsegment hat überproportional stark zugelegt, wobei die Performance von wenigen grossen Technologiewerten getrieben wurde. Die Luft für weitere Avancen ist kurzfristig begrenzt.

Als Beimischung bleiben Schweizer Immobilienfonds attraktiv. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum und die weiterhin zu geringe Wohnbautätigkeit sprechen für moderat steigende Immobilienpreise. Zudem profitieren Anlegerinnen und Anleger von attraktiven Ausschüttungsrenditen von rund 2%. Auch Gold gehört – trotz hoher Kursschwankungen in den ersten sechs Monaten des Jahres – weiterhin in ein diversifiziertes Portfolio. Die aufgrund des Iran-Kriegs stark gestiegenen Energiepreise und Kapitalmarktzinsen sowie der temporär festere US-Dollar haben den Höhenflug des gelben Edelmetalls zwar abrupt gestoppt. Die Nachfrage der Notenbanken bleibt jedoch hoch und dürfte den Goldpreis stützen. In unseren diversifizierten Portfolios mit alternativen Anlagen empfehlen wir eine Immobilien- und Goldquote von 6.5% respektive 7.5%.

Aufgrund der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten ist auch in der zweiten Jahreshälfte mit erhöhten Kursschwankungen zu rechnen. Antizyklisch empfiehlt es sich, nach der starken Kursentwicklung bei Technologieaktien einen Teil der Gewinne mitzunehmen und in defensivere Segmente umzuschichten. Die hohe Konzentration in den Indizes, die ambitionierten Bewertungen und die losgetretene IPO-Welle sind Zeichen dafür, dass der KI-getriebene Marktzyklus bereits weit fortgeschritten ist. Das Umfeld spricht derzeit für eine etwas defensivere Ausrichtung der Portfolios. Unabhängig davon bleibt Anlegen im Nullzinsumfeld alternativlos, weshalb an der langfristigen Anlagestrategie festgehalten werden sollte.    

Der CIO erklärt: Was heisst das für Sie als Anleger?

Das KI-Thema dominiert die Schlagzeilen. Doch während alle Welt über Technologieaktien spricht, ist der Swiss Performance Index (SPI) beinahe unbemerkt auf ein neues Allzeithoch gestiegen und hat am 25. Juni erstmals die Marke von 20’000 Punkten überschritten. Seit seiner Lancierung im Juni 1987 bei 1’000 Punkten hat sich der Index mehr als verzwanzigfacht – eine eindrückliche Erfolgsgeschichte. Mit einer annualisierten Rendite von 7.84% übertrifft der Schweizer Aktienmarkt den Weltaktienindex (+6.38% p.a.) deutlich und unterstreicht damit die Stärke der hiesigen Unternehmen, die Stabilität der Wirtschaft und die Robustheit des Schweizer Frankens. Aufgrund dieser Qualitäten setzen wir in der Vermögensallokation bewusst auf einen ausgeprägten Home Bias und gewichten Schweizer Aktien strategisch über. Daran halten wir auch in Zukunft fest.

Matthias Geissbühler

Matthias Geissbühler

Chief Investment Officer Raiffeisen Schweiz

Seit Januar 2019 ist Matthias Geissbühler als Chief Investment Officer (CIO) von Raiffeisen Schweiz für die Anlagepolitik verantwortlich. Zusammen mit seinem Team analysiert er kontinuierlich die weltweiten Geschehnisse an den Finanzmärkten und entwickelt die Anlagestrategie der Bank.

Digitaler Event «Anlageausblick 2. Halbjahr 2026»

Erfahren Sie am 8. Juli 2026 von unseren Experten, welche Anlagechancen sich in der zweiten Jahreshälfte bieten.