Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Geschäftszahlen der heimischen Unternehmen fallen in Summe bislang solide aus. Beim Blick nach vorne gibt man sich jedoch vielerorts vorsichtig. Die Schweizer Börse setzt derweil ihre Aufwärtsbewegung fort, verliert aber deutlich an Schwung.

Chart der Woche

Auf Talfahrt

Baltic Dry Frachtratenindex, in Punkten

Auf Talfahrt

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Nachfrage und Angebot regeln den Preis. Das gilt auch für den Baltic Dry Index (BDI), welcher die internationalen Tarife für den Transport von Rohwaren wie etwa Eisenerz, Kohle oder Getreide über den Seeweg widerspiegelt. Seit Herbst 2021 ist er um über 80% eingebrochen und notiert damit nur noch knapp über seinem Corona-Tief. Ursächlich ist zum einen die schwächelnde Weltwirtschaft, welche die Nachfrage drückt, zum anderen das zuletzt wieder erhöhte Angebot infolge der Entspannung in den Lieferketten.

Aufgefallen

«Bad News» für Bier-Liebhaber

Der deutsche Brauerbund rechnet für 2023 mit einem massiven Anstieg des Bierpreises. Bis zum Jahresende könnten Beizengänger für einen halber Liter des beliebten Hopfensaftes bis zu 7.50 Euro zahlen müssen. Schuld sind höhere Kosten bei der Produktion.

Auf der Agenda

Notenbanksitzung hoch drei

Kommende Woche diskutieren die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) ihre Geldpolitik. Eine weitere Anhebung der Leitzinsen ist äusserst wahrscheinlich.

Gewinnsaison nimmt Fahrt auf

Der Swiss Market Index (SMI) setzte auch in der vierten Handelswoche des Jahres seinen Aufwärtstrend über weite Strecken fort – allerdings weniger schwungvoll. Im Fokus der Anleger stand die Veröffentlichung der neuesten Konjunkturdaten aus Übersee. Trotz Inflation und steigender Zinsen ist die US-Wirtschaft im vierten Quartal 2022 um 2.9 % gewachsen – Ökonomen hatten ein Plus von nur 2.6 % erwartet. Derweil ist die Gewinnsaison in die nächste Runde gegangen. Die Komax-Gruppe erreichte im letzten Jahr bei Umsatz und Auftragseingang neue Bestmarken. Rund lief es auch bei Bucher. Der Industriekon-zern hat trotz eines Auftragsrückganges deutlich mehr verdient. Für 2023 rechnet er aber aufgrund höherer Personalkosten mit zunehmendem Margendruck. Auf Umsatz- und EBITDA-Ebene die Erwartungen übertroffen hat Lonza. Der Pharma-Auftragsproduzent kündete zudem ein Aktienrückkaufprogramm und eine höhere Dividende an. Das schrumpfende Corona-Geschäft trübt jedoch den Ausblick für das laufende Jahr. Licht und Schatten gab es auch bei Givaudan: Der Aromen- und Duftstoffspezialist ist 2022 weiter gewachsen, musste bei der Profitabilität aber Abstriche machen. Dem Uhrenbauer Swatch haben indes die strikten Corona-Massnahmen in China das Geschäftsjahr etwas verhagelt. Für 2023 erwartet das Unternehmen aber ein starkes Wachstum. Kommende Woche gewähren dann mitunter die Pharmariesen Novartis und Roche Einblick in ihren Geschäftsverlauf.

 

Industriemetalle im Aufwind

Der LMEX-Index der Londoner Rohstoffbörse ist seit Jahresbeginn um 10 % gestiegen. Damit notiert er aktuell so hoch wie im Juni 2022. Die beiden Schwergewichte Aluminium und Kupfer verteuerten sich um 12 % respektive 11 %. Der Preis für Zinn kletterte um fast 25 %. Ursache sind die Abkehr Chinas von seiner Null-Covid-Strategie und die sich in der Folge leicht aufhellenden Aussichten für die Weltwirtschaft. Für zusätzlichen Aufwind sorgen die rückläufigen Markterwartungen hinsichtlich der weiteren Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed sowie der schwächer tendierende US-Dollar.

 

Zurück in der Wachstumsspur

Der kombinierte Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister in der Eurozone ist im Januar von 49.3 auf 50.2 Zähler gestiegen. Damit notiert der Vorlaufindikator erstmals seit Juli 2022 wieder über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Gründe dafür sind die abnehmenden Lieferkettenprobleme und das Ausbleiben einer echten Energiemangellage in Europa.

 

Kommt eine neue Währungsunion?

Die Idee stammt aus dem Jahr 2019. Nun haben die Regierungen von Argentinien und Brasilien sie erneut aus der Schublade hervorgeholt. Es geht um die Schaffung einer Währungsunion. Ziel dieser soll es sein den Handel anzukurbeln und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Wie schwierig es jedoch ist, für Länder mit unterschiedlichen Strukturen eine gemeinsame Geldpolitik zu machen, zeigt die Eurozone. Ob und falls ja, wann die neue Währung kommt, steht noch in den Sternen. Immerhin über einen Namen scheint man sich in Buenos Aires und Brasilia bereits einig zu sein: Laut Medienberichten soll sie «Sur» (Süden) heissen.

 

Nach vorne schauen!

Die Valoren des Tech-Riesen Alibaba sind seit Jahresbeginn um 35 % und seit ihrem Allzeittief von letztem Oktober um fast 90 % geklettert. Viele Anleger können sich über die Gewinne nicht freuen, sehen sie im Depot doch trotzdem ein rotes Minus – die Alibaba-Aktie hat ihren Wert seit 2020 mehr als halbiert. Dieser Fokus auf die Vergangenheit ist ein weit verbreitetes Phänomen und wird in der Psychologie «Ankereffekt» genannt. Im Portfoliokontext ist der Einstandskurs der Anker. An ihm bemisst sich, ob eine Position im Plus oder Minus liegt. Entsprechend positiv oder negativ fällt die Einschätzung zur Aktie aus. Das kann zu falschen Anlageentscheiden führen. Daher gilt an der Börse wie im Auto: Von Zeit zu Zeit sollte man in den Rückspiegel schauen, viel wichtiger ist aber der Blick nach vorne.