Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Schweizer Unternehmen veröffentlichen sehr solide Geschäftszahlen. Angesichts wieder steigender Corona-Fallzahlen zeigt sich der SMI aber volatil. Der Ölpreis tendiert nach der Einigung der OPEC+ zeitweise schwächer.

Chart der Woche

US-Anleger weniger «bullish»

Put/Call-Verhältnis, sowie 10-jähriger Durchschnitt

US-Anleger weniger «bullish»

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse (CBOE), welches die Anzahl der gekauften Put-Optionen durch die der gekauften Call-Optionen dividiert, ist mit einem Wert von 0.69 auf das höchste Niveau seit Ende Oktober 2020 gestiegen. Die US-Anleger werden also vorsichtiger. In Erwartung von Kursrücksetzern erhöhen sie ihre Short-Positionen.

Aufgefallen

Neuer Handelsplatz

Die US-Technologiebörse Nasdaq schafft – unter anderem gemeinsam mit den Grossbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley – eine neue Handelsplattform. An der «Nasdaq Private Equity» sollen künftig Anteile von Unternehmen, die sich im Privatbesitz befinden, gehandelt werden können. Der Markt für solche private Investments ist seit einiger Zeit stark am Wachsen.

 

Auf der Agenda

KOF Konjunkturbarometer

Am 30. Juli veröffentlicht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) das neueste Update ihres Konjunkturbarometers.

Schweizer Unternehmen mit sehr soliden Geschäftszahlen

Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. Diese Woche gewährten gleich acht Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) Einblick in ihre Geschäftstätigkeit – beim Swiss Performance Index (SPI) waren es um die zwanzig. In Summe lässt sich sagen, dass es bisher kaum negative Überraschungen gab. Die meisten Unternehmen lieferten, was im Vorfeld von ihnen erwartet wurde. Einige legten gar eine «Schippe» drauf. 

Einmal mehr entpuppte sich der Finanzsektor als Corona-Profiteur. Dank günstiger Marktbedingungen haben sowohl die Grossbank UBS als auch die Privatbank Julius Bär Rekordergebnisse eingefahren. Die kräftige Konjunkturerholung kurbelte zudem das Geschäft der Industriekonzerne ABB und Georg Fischer an. Angesichts der guten Auftragslage erhöhten beide ihre Prognosen für das Gesamtjahr. Der Aromen- und Duftstoffhersteller Givaudan ist derweil kaum zu bremsen. Die Genfer steigerten sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich. Und auch vom Detailhändler Valora gab es positive Nachrichten: Trotz anhaltend tiefer Kundenfrequenz schrieb der Kioskbetreiber im vergangenen Semester operativ schwarze Zahlen. Gemischt fällt das Fazit in der Basler Pharmabranche aus: Novartis präsentierte sich – aufgrund der zunehmenden Normalisierung im Gesundheitswesen – stark. Bei Konkurrent Roche wuchs die Diagnostik-Sparte, während der Pharmabereich schrumpfte. 

Nächste Woche geht es in Sachen Berichtssaison munter weiter. Unter anderem veröffentlichen dann der Schokoladenhasen-Hersteller Lindt & Sprüngli, der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sowie der Rückversicherer Swiss Re ihre Halbjahreszahlen.

 

SMI präsentiert sich volatil

Trotz teils über den Erwartungen liegender Unternehmenszahlen gelang es dem SMI (vorerst) nicht aus seinem Seitwärtstrend der letzten Wochen auszubrechen: Zu viel scheint bereits eingepreist, zudem verunsichern die wieder steigenden Corona-Fallzahlen die Börsianer. Die Volatilität des Schweizer Leitindex nahm entsprechend zu: Der VSMI, das Pendant zum «Angstbarometer» VIX, stieg zeitweise auf bis zu 18.91 Punkte. So hoch war die Schwankungsbreite des heimischen Marktes zuletzt im vergangenen Mai. Für Anleger bedeutet dies, dass die Gefahr von kurzzeitigen Kursrücksetzern weiter zunimmt. Abseits der Berichtssaison sind kaum frische Impulsgeber für eine Fortsetzung der Rally auszumachen. Dafür bieten die Delta-Mutation, die hohen Bewertungsniveaus sowie die Verlangsamung der Wirtschaftserholung genügend Zündstoff für eine Korrekturbewegung im Bereich von 5 bis 10 %. Wir erwarten, dass die nächsten Wochen volatil bleiben. Anlegern empfehlen wir daher das Augenmerk weiterhin auf eine breite Diversifikation zu legen. Gold bietet sich als zuverlässiger Portfoliostabilisator an. Taktisch gehaltene Cash-Positionen ermöglichen es darüber hinaus mögliche Kursrücksetzer für Zukäufe zu nutzen.

 

OPEC+ einigt sich doch noch

Anfang des Monats waren die Gespräche der Erdölexportierenden Länder und ihrer Verbündeten (OPEC+) über die künftige Förderstrategie ergebnislos abgebrochen worden. An einem kurzfristig einberufenen Treffen vergangenes Wochenende gelang nun aber – wie von uns prognostiziert (siehe Marktkommentar KW 27) – doch eine Einigung: Ab August wird die Fördermenge um jeweils monatlich 400'000 Barrel angehoben. Die Aussicht auf ein wachsendes Angebot schlug sich auf den Ölpreis nieder. Die Nordseemarke Brent verbilligte sich zeitweise auf knapp unter 68 US-Dollar pro Barrel (-7.6 %). Am frühen Freitagmorgen kostete ein Fass des schwarzen Goldes indes wieder gut 73 US-Dollar.