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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Anleger sind gespalten. Gute Unternehmensergebnisse kontrastieren mit erhöhten geopolitischen Unsicherheiten. Dass die Luft dünner wird, zeigen die ABB-Aktien, wo Investoren mit Gewinnmitnahmen auf die starken Halbjahreszahlen reagieren.

17.07.2026

Verschnaufpause an der Schweizer Börse

Der Swiss Market Index (SMI) bewegte sich diese Woche mehrheitlich seitwärts. Neben einer Verschärfung der geopolitischen Unsicherheiten rücken zunehmend die Halbjahresergebnisse in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Rund läuft es beim Industriekonzern ABB. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahr um 14%, der Gewinn um 7%. Auch der Ausblick ist intakt: Das Unternehmen erhöhte den Jahresausblick und vermochte den Auftragseingang um 28% zu steigern. Im Rahmen der Quartalszahlen hat ABB auch noch die Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork für rund 5.5 Milliarden Dollar bekannt gegeben, die die Marge ab sofort verbessern soll. Die Aktien des SMI-Überfliegers haben seit Anfang Jahr rund 40% zugelegt. Viel Positives ist somit schon eingepreist, weshalb Investorinnen und Investoren mit Gewinnmitnahmen auf die Zahlen reagierten. Dank starker Schmuckverkäufe hat Richemont die Umsatzerwartungen der Analysten in seinem ersten Quartal (per Ende Juni) übertroffen. Obwohl das Unternehmen in allen Geschäftsbereichen und Regionen gewachsen ist, kommen besonders erfreuliche Signale aus dem asiatisch-pazifischen Raum, wo die Umsätze zweistellig zulegten. Der Private-Equity-Spezialist Partners Group vermochte zwar weiter Gelder anzuziehen, litt aber auch unter Abflüssen. Unter dem Strich konnten die verwalteten Vermögen zwar gesteigert werden, das Wachstum lag allerdings unter den Erwartungen des Marktes.

 

Aktienhandel wird für US-Grossbanken zur Goldgrube

Die US-Finanzriesen haben mit ihren Quartalszahlen überzeugt und die Erwartungen der Anlegerinnen und Anleger übertroffen. Dabei war die Messlatte hoch, wie die Aktienkurse bereits im Vorfeld verdeutlichten. Während die Titel von JPMorgan Chase, Bank of America, Goldman Sachs und Morgan Stanley auf oder um ein Allzeithoch handelten, notierten die Citigroup-Valoren immerhin auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise von 2008. Als Goldgrube entpuppte sich im abgelaufenen Quartal das Investment Banking und die Volatilität an den Aktienmärkten. Dank Börsengängen, Kapitalerhöhungen und hohen Handelsvolumen wurden entsprechend hohe Erträge in die Kasse gespült. Ob sich der Aufwärtstrend so fortsetzt, wird sich zeigen.

US-Inflationsdruck lässt nach

Die Konsumentenpreisentwicklung in den USA hat sich im Juni entspannt. Dank tieferen Energiepreisen lag die Teuerung im Juni gegenüber dem Vormonat bei -0.4%. Verglichen mit dem Vorjahr betrug die Inflation 3.5%, nach 4.2% im Vormonat. Dass der jüngste Inflationsschub energiegetrieben war, zeigt sich an der Kernteuerung, ohne die Preisentwicklung von Energie und Nahrungsmitteln. Diese betrug 2.6%, nach 2.9% im Vormonat. Ein rückläufiger Trend konnte auch bei der Produzentenpreisentwicklung, einem Indikator für die künftige Teuerung, beobachtet werden. Dank rückläufiger Inflation und Produzentenpreise entspannt sich die Lage für die Währungshüter. Zinserhöhungen sind nicht mehr das vordringliche Problem.

 

IBM-Aktien stürzen ab

Einen Viertel ihres Wertes haben die Valoren des Technologiekonzerns IBM diese Woche nach der Vorlage ihrer Geschäftszahlen eingebüsst, weil das Unternehmen mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten verfehlte. Dass die Nachfrage schwächelte, liegt gemäss IBM daran, dass Kunden verstärkt Hardware kauften, um weitere Preiserhöhungen und Lieferengpässe zu vermeiden.

 

Chinas Wirtschaftswachstum lässt nach

Der hohe Ölpreis und eine schwache Nachfrage der privaten Haushalte haben im zweiten Quartal die konjunkturelle Entwicklung in China belastet. Um 4.3% legte das Bruttoinlandsprodukt zu, nach 5.0% im ersten Quartal. Damit wurden die Erwartungen der Ökonomen von 4.5% verfehlt. Mithilfe eines Fünfjahresplans will die Regierung in China den Konsum ankurbeln. Das Potenzial wäre vorhanden, denn mit einer Sparquote von gut 40% verfügen die Chinesen über die nötigen Mittel. Nur ausgeben wollen sie diese (noch) nicht.

Auf der Agenda

Bewährungsprobe für den SMI

Kommende Woche legen aus dem Swiss Market Index (SMI) unter anderem die Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis ihre Zahlen vor.

Aufgefallen

Ein kurzer Flug

Die Aktien des Raumfahrtunternehmens SpaceX han-delten diese Woche unter dem Emissionskurs von 135 USD. Nach dem Börsengang im Juni waren die Titel bis auf 225 USD gestiegen. Die Euphorie ist aufgrund der hohen Bewertung vorerst verflogen.

Chart der Woche

VW stottert

Aktienkursentwicklung von Volkswagen, in EUR

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Markt hat immer recht, sagt eine Börsenweisheit. Sie unterstreicht, mit Blick auf Volkswagen, die Probleme des deutschen Autobauers. Seit Anfang Jahr haben dessen Aktien 31% eingebüsst. In den vergangenen fünf Jahren waren es rund 70%. Das spiegelt die vielschichtigen Herausforderungen im Automobilsektor. Sie umfassen unter anderem den Übergang zur Elektromobilität, einen schwachen Markt in China und die US-Handelszölle. Hinzu kommt bei VW der teure Produktionsstandort Deutschland. Ob die geplante Restrukturierung den Konzern zurück in die Erfolgsspur führt, wird sich an der Entwicklung des Aktienkurses ablesen lassen.

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