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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Im Nahen Osten wird einmal mehr über eine Öffnung der Strasse von Hormus verhandelt. Zugleich warten viele Unternehmen mit guten Geschäftszahlen auf. An der Börse sorgt das für einen freundlichen Start in den August.

07.08.2026

Freundlicher Start in den August

Die neuerlichen Entspannungstendenzen im Nahen Osten befeuerten die Hoffnung der Börsianer auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die für den Rohstoffhandel so wichtige Strasse von Hormus. Das spiegelte sich in einem Rückgang der Ölpreise sowie tieferen Zins- und Inflationsaussichten. Entsprechend tendierten die Aktienmärkte zum Start in den August höher. Die US-Indizes markierten gar Bestmarken. Ihnen bescherte dabei die wiedererwachte Nachfrage nach Technologiewerten mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) zusätzlichen Aufwind. Auch Gold profitierte von den Deeskalationstendenzen in der Golfregion. Der Preis für das Edelmetall kletterte bis auf 4’304 US-Dollar pro Unze, den höchsten Stand seit Mitte Juni.

 

Berichtssaison läuft auf Hochtouren

Die Versicherungsriesen Swiss Re und Zurich konnten ihren Gewinn im ersten Halbjahr klar steigern. Ersterer profitierte mitunter von der regen Handelstätigkeit an den Börsen, zweiterer von einem starken Wachstum im Unfall- und Schadensversicherungsgeschäft. Ebenfalls rund lief es bei Adecco. Der Personaldienstleister setzte im zweiten Quartal mit 6 Milliarden Euro 4% mehr um als im Vorjahr. Zugleich wurde er profitabler. Beim Industriekonzern Oerlikon hat derweil der Auftragseingang von Januar bis Juni währungsbereinigt um 19% zugelegt. Hauptverantwortlich dafür sind Vorzieheffekte infolge der geopolitischen Risiken und der höheren Rohstoffpreise. Wegen des Konkurrenzdrucks und des schwachen Euro schrumpfte bei Swisscom der Umsatz um 3%. Dass der Telekommunikationsanbieter dennoch 6.9% mehr Reingewinn einfuhr, liegt vor allem an Kosteneinsparungen und Synergieeffekten. AMS Osram hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um 3.9% auf 805 Millionen Euro gesteigert und ist profitabler geworden. Zudem wurde der Abschluss des Verkaufs des nicht-optischen Sensorgeschäfts an den deutschen Konkurrenten Infineon vermeldet. Auf ein solides erstes Semester blickt Sandoz zurück. Der Generikahersteller setzte 5.8 Milliarden US-Dollar um, was einem Plus von 10% zum Vorjahr entspricht. Wichtigster Wachstumstreiber war das margenstarke Geschäft mit Biosimiliars. Ein durchwachsenes Fazit zog hingegen der Vermögensverwalter GAM. Dieser konnte die Mittelabflüsse zwar stoppen, schrieb aber erneut rote Zahlen.

Schweizer Inflation schwächt sich ab

Die Konsumentenpreise in der Schweiz haben sich im Juli durchschnittlich um 0.4% verteuert. Im Vormonat lag die Rate noch bei 0.5%. Hauptgrund für den Rückgang waren die tieferen Energiepreise. Zusätzlich geholfen hat der starke Franken, welcher die importierte Inflation milderte. Entsprechend besteht für die Schweizerische Nationalbank (SNB) – im Gegensatz etwa zur Europäischen Zentralbank (EZB) oder der US-Notenbank Fed – nach wie vor kein Anreiz dafür, den Leitzins anzuheben.

 

SpaceX zündet keine Kursrakete

Die ersten Quartalsergebnisse von SpaceX nach dem Börsendebüt im Juni lieferten ein durchzogenes Bild. Dank der gut laufenden Satelliten-Tochter Starlink konnte der amerikanische Raumfahrtkonzern seinen Umsatz verglichen mit dem Vorjahr um 92% auf 7.8 Milliarden US-Dollar steigern. Wegen der immensen Ausgaben für den Bau von KI-Rechenzentren resultierte unter dem Strich aber ein Verlust. Über diesen konnte auch die Prognose von Firmenchef Elon Musk für eine Billion Dollar Jahresumsatz ab 2030 die Börsianer nicht hinwegtrösten. Die Aktie sackte am Mittwoch um knapp 14% ab.

 

Trotz Rekordhoch im Hintertreffen

Erstmals in der Geschichte hat der deutsche DAX die Marke von 26’000 Punkten geknackt. Damit verbucht der Leitindex im laufenden Jahr ein Plus von fast 7%. Verglichen zu seinen ausländischen Pendants hat er sich aber nur verhalten entwickelt. Der amerikanische S&P 500 etwa steht 12% höher, der österreichische ATX gar 25%. Das liegt vor allem an der Krise der deutschen Automobilbranche. So haben die Valoren von Mercedes, Volkswagen und BMW zwischen 20% und 40% an Wert verloren.

Auf der Agenda

US-Inflation

Am 12. August werden die neuesten Daten zur US-Inflation publiziert. Wegen der höheren Ölpreise dürfte diese im Juli wieder angezogen haben.

Aufgefallen

Erst verspottet, jetzt ausverkauft

Bei seiner Präsentation im Mai fiel Ferraris erster Elektroflitzer mit Pauken und Trompeten durch. Nur zwei Monate später ist Medienberichten zufolge die gesamte Jahresproduktion des Modells «Luce» (rund 500 Fahrzeuge) bereits verkauft.

Chart der Woche

Neue Ära für Japans Anleihen

Renditeentwicklung von 10-jährigen japanischen Staatsanleihen

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen schwankten lange Zeit um die 0%-Marke. Das hat sich radikal geändert. Mit rund 2.8% ist der Zins für die Papiere aktuell so hoch wie zuletzt in den 90er-Jahren. Grund dafür ist zum einen die ausgabenfreudige Wirtschaftspolitik der Regierung, welche die Staatsverschuldung perspektivisch weiter explodieren lassen wird. Zum anderen spekuliert der Markt angesichts der erhöhten Inflation auf eine straffere Geldpolitik der Bank of Japan. Wegen des chronisch schwachen Yens bergen Japans Schuld¬papiere für ausländische Investoren entsprechende Währungsrisiken.

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