Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Kursraketen erfreuen die Anleger. Steigen die Bewertungen jedoch in kurzer Zeit rasch an, droht eine Korrektur. Es gibt verschiedene Indizien, die darauf hinweisen. Gefährlich wird es, wenn gefragte Titel ein eigenes Akronym erhalten.

Chart der Woche

Gegenwind beim Lastwagenbauer

Aktienkurs Nikola Corp., seit Anfang Jahr

Gegenwind beim Lastwagenbauer

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Im Sog des Elektroautobauers Tesla hat sich der Aktienkurs von Nikola dieses Jahr verachtfacht. Nach einer Korrektur sorgte Anfang September die Meldung, dass sich General Motors mit 11 % am Unternehmen beteiligt, für Auftrieb. Nun sieht sich der Hersteller von Elektrolastwagen mit Betrugs- und Enttäuschungsvorwürfen konfrontiert. Die starken Aktienkursschwankungen dürften anhalten.

Aufgefallen

SMI holt auf

Nach einer zweimonatigen Seitwärtsbewegung tendiert der Swiss Market Index (SMI) wieder höher. Mit einem Stand von über 10'500 Punkten erreichte er einen Wert, den er letztmals vor der Corona-Korrektur im Februar erzielte.

 

Auf der Agenda

Geldpolitische Lagebeurteilung

Am 24. September publiziert die Schweizerische Nationalbank eine vertiefte, geldpolitische Lagebeurteilung. Dazu gehört auch ein Zinsentscheid. Es ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass am Leitzins von -0.75 % gerüttelt wird. 

Wann sich eine Übertreibung abzeichnet

Was haben AGB, UNO und MfG gemeinsam? Es sind Akronyme. Also Wörter, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet werden. Während die allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Organisation der Vereinten Nationen oder die freundlichen Grüsse Anleger eher kalt lassen, sind GAFAM, FAANG oder FANGMAN aktuell gefragt. Diese Wortkreationen liefern bei Google bis zu 2.8 Millionen Treffer und werden aus den Anfangsbuchstaben der grossen und vor allem schnell wachsenden US-Technologiewerte Facebook, Apple, Netflix, Google (Alphabet), Microsoft, Amazon und Nvidia gebildet. Sie gelten als Corona-Gewinner. Akronyme sind einprägsam, verbreiten sich rasch und beschleunigen so eine Aufwärtsbewegung an der Börse, weil noch mehr Anleger auf dieselben Aktien setzen.

Neu ist das Phänomen nicht. Eine ebenfalls bestens bekannte Wortkreation ist BRIC. Sie steht für Brasilien, Russland, Indien und China. Der Begriff wurde 2001 von Jim O'Neill von der Investmentbank Goldman Sachs geprägt. Er fasste darunter Schwellenländer zusammen, deren Wirtschaft über einen längeren Zeitraum 5 bis 10 % zugelegt hatten. Zu einem späteren Zeitpunkt kam noch Südafrika hinzu. Auch der Technologiesektor stand bereits einmal im Fokus der Anleger: Ende der 90er Jahre wurden unter dem Akronym TMT die Sektoren Technologie, Medien und Telekom zusammengefasst. Das Internetzeitalter war eingeläutet, Bewertungen und Möglichkeiten kannten gefühlt keine Grenzen. Die Kurse schossen empor. Das Ende kam ebenso schnell, in Form eines Crashs. Die Geschichte muss sich nicht wiederholen, aber wenn sich der Wert einer Aktie innert kurzer Zeit verdoppelt oder vervielfacht, dann sollte das immer kritisch hinterfragt werden.

 

Konsolidierung soll Banken helfen

Die europäischen Geldhäuser kommen nicht vom Fleck. Da helfen auch die Fusionsgerüchte um UBS und Credit Suisse nicht. Der Branchen-index Euro Stoxx Banks handelt rund ein Drittel unter seinem Wert von Anfang Jahr. Die Börsenerholung seit Mitte März ging fast spurlos am Sektor vorbei. Ein Zusammenschluss der beiden Schweizer Grossbanken soll gemäss dem Finanzblog «Inside Paradeplatz» nun Abhilfe schaffen. Damit könnten die Kosten gesenkt werden. Eine Wachstumsstrategie ist dies aber nicht. Die Ertragsbasis bliebe, aufgrund niedriger Zinsen und einer rezessiven Wirtschaftslage, angespannt. Dass Konsolidierung in der Bankenwelt ein Thema ist, zeigte sich auch andernorts. In Spanien etwa, wo seit Anfang September die zwei Grossbanken Bankia und Caixabank über einen Zusammenschluss verhandeln. Auch in Deutschland sind die Geldhäuser Commerzbank und Deutsche Bank immer wieder im Gespräch über einen möglichen Zusammenschluss. Solche Riesenprojekte stützen zwar kurzfristig den Aktienkurs, die damit verbundene Integrationsarbeit würde die Unternehmen aber noch Jahre beschäftigen. Aus Anlegersicht bleibt der Bankensektor deshalb wenig interessant.

 

In Japan wird «Abenomics» fortgesetzt

Der neue japanische Regierungschef, Yoshihide Suda, dürfte die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers fortsetzen. Zu lange haben Shinzo Abe und Suda zusammengearbeitet, als dass grosse Änderungen zu erwarten wären. Kontinuität ist mit Blick auf die schwere Wirtschaftskrise und die aktuellen Probleme aufgrund der Coronakrise auch in Japan wichtig. Eine Reaktion der japanischen Börse blieb aus. Wir erwarten vom Regierungswechsel ebenfalls keine neuen Impulse und bleiben in japanischen Aktien untergewichtet.