KMU hinken Grossunternehmen weiter hinterher

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Die Marktpreise für Gas und Strom sind deutlich weniger hoch als noch vor kurzem. Der Ausblick für die europäische Wirtschaft hellt sich damit auf. Wegen der hohen Inflation und steigenden Zinsen bleibt die Weltwirtschaft aber anfällig. Das gilt auch für die Schweizer Industrie-KMU, die schlecht ins Jahr gestartet sind.

 

Die von Raiffeisen befragten KMU aus der Industrie melden im Januar eine Verschlechterung der aktuellen Geschäftslage. Der KMU PMI fiel von 50,5 auf 48.0 Indexpunkte und notiert damit erstmals seit einem Jahr im Kontraktionsbereich. Hauptgrund dafür ist der starke Rückgang der Produktionskomponente von 53,4 auf 47.6 Punkte. Der Produktionsschub zum Jahresende hat sich damit wie erwartet nicht fortgesetzt. Denn das Neugeschäft stockt weiterhin, weshalb die Auftragsbücher der KMU dünner werden. Die Subkomponente zum Auftragsbestand verringerte sich von 47,3 auf 47,0 Punkte und bleibt damit im Kontraktionsbereich. Bei den restlichen Subkomponenten resultierte ebenfalls ein Rückgang. Der Index zu den Lieferfristen sank erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 50 und bestätigt damit, dass die Lieferprobleme auch bei den KMU etwas weniger akut geworden sind. Denn nach dem pandemiebedingten Boom sinkt die globale Güternachfrage wieder, weshalb die Lieferengpässe abnehmen. Damit nimmt auch wieder der Drang ab, Materialien und Vorprodukte auf Vorrat zu bestellen und die Lager aufzustocken. Die Subkomponente zum Einkaufslagerbestand hat sich deshalb ebenfalls verringert, blieb mit 52,4 Punkten aber noch über der Wachstumsschwelle.

links: Raiffeisen KMU PMI Januar 2023 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI Januar 2023 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

KMU kämpfen mit zahlreichen Herausforderungen

Bei den KMU ist die aktuelle Geschäftslage also weiterhin schlechter als bei grösseren Unternehmen, wie der Vergleich mit dem PMI von procure.ch zeigt (siehe Grafik). Kleinere Betriebe sind in der Beschaffung (und im Verkauf) in der Regel weniger diversifiziert als Grossunternehmen. Deshalb wird ihr Geschäftsgang stärker durch die Lieferengpässe beeinträchtigt. Sie verfügen zudem häufig nur über kleine Reserven, weshalb es ihnen schwerer fällt, externe Schocks wie z.B. hohe Energie – und Rohstoffpreise zu absorbieren. Auch der Fachkräftemangel ist für sie eine grössere Herausforderung als für Grossunternehmen.

 

Sorgen um Europas Konjunktur gehen zurück

Ungeachtet des schwierigen Jahresstarts und der zahlreichen Herausforderungen hat sich der Ausblick für die KMU zuletzt aber eher verbessert. Denn ein Konjunkturabsturz in den europäischen Abnehmerländern ist aufgrund der Entspannung in der Energiekrise weniger wahrscheinlich geworden. Die Grosshandelsenergiepreise haben wegen des milden Winters stark nach unten korrigiert, was den Unternehmen Luft verschafft. Die PMIs für die europäische Industrie, die schon länger unter der Expansionsschwelle von 50 Punkten liegen, haben sich deshalb zuletzt etwas erholt. Damit steigt die Hoffnung auf mehr Neugeschäfte für Schweizer KMU. Doch auch wenn keine Rezession in Europa eintritt, bleibt das globale Konjunkturumfeld aufgrund der hohen Inflation und der restriktiven Geldpolitik schwierig. Das Wirtschaftswachstum wird sich 2023 mit grosser Wahrscheinlichkeit deshalb auch in der Schweiz abschwächen.

 

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

 

Jan 23

Dez 22

Nov 22

Okt 22

Sept 22

Gesamtindex

48,0

50,5

50,1

50,0

50,0

Auftragsbestand

47,0

47.3

50,6

50,0

47,3

Produktion

47,6

53.4

48,1

46,8

48,6

Beschäftigung

48,2

51.8

46,9

48,7

50,0

Lieferfristen

47,6

58.6

53,8

51,9

54,7

Einkaufslager

52,4

52.4

54,4

57,4

54,7


50 = Wachstumsschwelle

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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