Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Hartnäckige Inflation. Restriktivere Geldpolitik. Abflauende Konjunkturdynamik. Krieg. Anleger hatten im ersten Halbjahr wenig Grund zur Freude. Angesichts der bevorstehenden Gewinnsaison dürfte die Volatilität an den Börsen erhöht bleiben.

Chart der Woche

Eine volatile Angelegenheit

Durchschnittswert des Volatilitätsindex VIX (jeweils 1. Halbjahr), Top 5 seit 2000

Eine volatile Angelegenheit

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Angstbarometer VIX lag in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt bei 26.4 Punkten. Damit war das erste Halbjahr 2022 das drittvolatilste seit der Jahrtausendwende. Lediglich während der Finanz- und der Coronakrise schwankten die Märkte stärker. Der Ukraine-Krieg, die hartnäckige Inflation, die restriktivere Geldpolitik sowie die abflauende Konjunkturdynamik sorgten für Verunsicherung unter den Marktteilnehmern. Angesichts der bevorstehenden Berichtssaison dürfte die Volatilität erhöht bleiben.

Aufgefallen

So pessimistisch wie noch nie

Den Deutschen hat es die Shoppinglaune ordentlich verhagelt. Die Konsumentenstimmung in der grössten Volkswirtschaft Europas ist im Juli von -26.0 auf -27.4 Punkte gefallen – Allzeittief!

Auf der Agenda

Inflation Schweiz

Am 4. Juli 2022 publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) die Inflationszahlen für den Juni. Im Vormonat ist die Teuerung in der Schweiz auf 2.9 %, den höchsten Wert seit Herbst 2008, geklettert.

Eine Halbzeit zum Vergessen

Mit Blick auf das unsichere Marktumfeld reduzierten die Anleger im ersten Halbjahr 2022 ihre Risiken im Portfolio. Dies schlug sich in den Aktienkursen nieder. Für den Schweizer Markt, gemessen am Swiss Market Index (SMI), ging es die vergangenen Monate stetig nach unten – zeitweise bewegte er sich gar im Bärenmarkt-Territorium (mindestens 20 % Wertverlust gegenüber dem letzten Höchststand). Aktuell verzeichnet er ein Minus von gut 16 % (inkl. Dividende -14.3 %). 

Im Leitindex SMI regelrecht unter die Räder gekommen sind die Zykliker Sika (-42.1 %) und Geberit (-38.4 %). Ihnen machen die trüben Konjunkturaussichten zu schaffen. Wenig Freude hatten Anleger auch an Finanztiteln. Angesichts der nicht enden wollenden Negativschlagzeilen haben die Valoren der Grossbank Credit Suisse rund 39 % ihres Wertes verloren. Der Finanzdienstleister Partners Group wurde vom Zinsanstieg besonders stark gebeutelt. Die entsprechende Bewertungskorrektur wird auch vor Privatmarktanlagen nicht Halt machen. Die Aktien halten aktuell mit einem Minus von über 43 % die rote Laterne. Im breiten Swiss Performance Index (SPI) zählen der Luftfahrtzulieferer Montana Aerospace (-56.5 %) und die Versandapotheke Zur Rose (-69.6 %) zu den namhaftesten Verlierern.

Es gab aber auch Lichtblicke. Im SMI notieren mit dem Versicherungskonzern Zurich (+3.7 %), dem Telekom-Anbieter Swisscom (+2.5 %) und dem Pharmariesen Novartis (+0.7 %) immerhin drei Werte seit Anfang Januar im Plus. Bei den mittel und klein kapitalisierten Unternehmen sticht der Hersteller von Elektronikkomponenten, Elma Electronic, mit einer fulminanten Performance von 54 % hervor. Ebenfalls in der Gunst der Börsianer standen die Industrieunternehmen U-Blox, Meier Tobler und Schlatter. Sie avancierten zwischen 25 % und 40 %.

 

Revival der Staatsanleihen

Anleger machten in den letzten Jahren einen grossen Bogen um Staatsanleihen. Im ersten Halbjahr 2022 kam nun die Trendwende. Aufgrund der weltweiten Leitzinserhöhungen verschoben sich die Zinskurven in vielen Ländern nach oben. Die Rendite für 10-jährige Eidgenossen kletterte seit Jahresbeginn von -0.15 % zeitweise bis auf 1.56 %. Die langfristigen Zinsen dürften den grössten Teil ihres Anstiegs hinter sich haben. Sollten sich die Rezessionsängste materialisieren, so sind Staatsanleihen auf den aktuellen Niveaus kaufenswert.

 

Die Gewinnsaison steht vor der Tür

Der SMI nahm den Schwung aus der Vorwoche zunächst mit und kletterte weiter. An der Marke von 10'900 Punkten war für den Leitindex jedoch diese Woche Schluss. Die von vielen Anlegern erhoffte Trendwende entpuppte sich als Bärenmarktrally, eine kurzzeitige Gegenbewegung des Marktes in einem ansonsten starken Abwärtstrend. Trotz der zuletzt attraktiveren Bewertungen scheint die Aktienmarktkorrektur noch nicht abgeschlossen. Mit den näher rückenden Halbjahreszahlen steht den Börsen ein weiterer Prüfstein bevor. Sie werden Aufschluss darüber geben, wie sich die Unternehmen in dem anspruchsvollen Umfeld (wachsender Margendruck) geschlagen haben. Den Auftakt macht nächsten Mittwoch die Hypothekarbank Lenzburg. Am 19. Juli folgen mit dem Warenprüfkonzern SGS und dem Pharmariesen Novartis die ersten SMI-Vertreter. 

 

Euro-Parität, zum Zweiten!

Nach Anfang März ist der Euro diese Woche zum Schweizer Franken erneut unter Parität gefallen. Die europäische Einheitswährung steht seit dem Zins-Knall der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verstärkt unter Druck. Den jüngsten Kursrutsch lösten nun die Inflationszahlen aus Spanien und Deutschland aus (Juni: +10.2 % bzw. +7.6 %). Solange sich die Europäische Zentralbank (EZB) nicht vehement gegen den Teuerungsdruck stellt, ist unserer Meinung nach beim EUR/CHF-Kurs keine Trendwende zu erwarten.