Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Aktienmärkte konsolidieren. Grund sind die Zinssorgen der Anleger, die im Vorfeld der letzten Notenbanksitzungen des Jahres wieder hoch kochen. Derweil hat die EU die erste Stufe ihres Ölembargos gegen Russland aktiviert.

Chart der Woche

Zwei Seiten einer Medaille

Entwicklung U.S. Dollar Index und Goldpreis seit 1. Oktober, indexiert

Zwei Seiten einer Medaille

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der U.S. Dollar Index, welcher den Wechselkurs gegenüber den sechs wichtigsten Referenzwährun-gen (EUR, JPY, GBP, CAD, SEK, CHF) abbildet, ist seit Anfang Oktober um über 7 % gefallen. Grund dafür ist in erster Linie die Hoffnung der Anleger auf ein baldiges Ende des geldpolitischen Gegenwindes. Die Schwäche des «Greenback» kommt derweil dem Gold zugute. Das in der US-Währung gehandelte Edelmetall hat sich im selben Zeitraum um fast 6 % verteuert. Damit zeigt sich einmal mehr die negative Korrelation zwischen Dollar und Gold.

Aufgefallen

Teuerster Tippfehler der Börsengeschichte

Vor genau 17 Jahren, am 8. Dezember 2005, sollte ein Börsenhändler in Tokio eine J-Com-Aktie im Wert von 610'000 Yen verkaufen. Infolge eines Tippfehlers bot er aber 610'000 Aktien zu je einem Yen an. Der Schaden betrug umgerechnet rund 200 Millionen Franken.

Auf der Agenda

Geldpolitische Sitzung hoch drei

Nächste Woche finden die Dezember-Sitzungen der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) statt. Wir erwarten einen Zinsschritt von je 0.5 %.

Nervöse Anleger

Der Blick der Marktteilnehmer richtet sich auf die anstehenden Sitzungen der Notenbanken. Die zuletzt mehrheitlich besser als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten aus den USA (u.a. Auftragseingang Industrie) hatten deren Hoffnung auf ein baldiges Ende des geldpolitischen Gegenwindes gedämpft. Für zusätzliche Nervosität sorgten die enttäuschenden Handelszahlen aus China. Infolgedessen tendierte der Swiss Market Index (SMI) diese Woche über weite Strecken schwächer. Positiv fielen die Valoren von Novartis auf, die von den positiven Forschungsresultaten des Hämoglobinurie-Medikaments Iptacopan profitierten. Unter massivem Abgabedruck standen indes die Aktien des Pharmazulieferers Lonza. Die Gegenklage von Pfizer/BioNTech gegen den Lonza-Partner Moderna belastete den Kurs. Unternehmensseitig sorgte die Credit Suisse für Schlagzeilen. Am Donnerstag endete die Ausübungsfrist für die Bezugsrechte der im Rahmen der Kapitalerhöhung neu emittierten Aktien. Durch diese fliessen der Grossbank 2.24 Milliarden Franken zu. Wenig Erfreuliches hatte zudem die CKW-Gruppe zu berichten. Sie rutschte mitunter wegen der hohen Strompreise im Geschäftsjahr 2021/22 in die roten Zahlen. Ganz anders der Komponentenhersteller Schaffner und der Energiekonzern Axpo. Beide erzielten ein positives Jahresergebnis.

 

Jetzt geht's ums Erdöl

Die Europäische Union (EU) und ihre G7-Partner haben die nächste Sanktionsstufe gegen Russland gezündet. Am Montag ist zusammen mit einem Embargo für Öllieferungen über den Seeweg eine Preisobergrenze bei 60 US-Dollar pro Barrel in Kraft getreten. Diese machen gut zwei Drittel des in die EU importierten russischen Öls aus. Ab dem 5. Februar wird darüber hinaus ein EU-weiter Importstopp für verarbeitete Produkte wie Diesel oder Kerosin gelten. Der Ölpreis (Brent) reagierte auf das nunmehr sechste Sanktionspaket zunächst mit einem Anstieg um fast 3.5 % auf über 88 US-Dollar pro Fass. Grund war der Entscheid der Öl-Allianz OPEC+, vorerst an der reduzierten Fördermenge festzuhalten. Im weiteren Wochenverlauf rutschte der Ölpreis dann aber unter die Marke von 80 Dollar. Inwiefern die neuen Sanktionen Russland schwächen, ist schwer abzuschätzen. Massgeblich wird sein, ob Drittländer wie Indien oder China noch grössere Mengen russischen Öls abnehmen können als ohnehin schon. Die Weltmarktpreise für Rohöl dürften sich indes infolge der Angebotsverknappung über die nächsten Monate verteuern.  

 

Silber auf 7-Monatshoch

Wie sein grosser Bruder Gold ist das Silber aktuell Spielball der Zins- und Inflationshoffnungen der Anleger. Infolgedessen ist sein Preis diese Woche zeitweise bis auf 23.51 US-Dollar pro Unze gestiegen: Das ist der höchste Stand seit Ende April. Im Licht der abflauenden Konjunkturdynamik dürfte es damit aber sein Kurspotenzial weitgehend ausgeschöpft haben. Denn im Gegensatz zum Goldpreis wird jener von Silber stärker von der industriellen Nachfrage getrieben.

 

Stärker als erwartet

Im dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone gegenüber dem Vorquartal um 0.3 % gewachsen – die Ökonomen hatten mit einem Plus von 0.2 % gerechnet. Im Jahresvergleich legte die Wirtschaft um 2.3 % zu. Nichtsdestotrotz gehen wir davon aus, dass die Eurozone in Folge der hohen Inflation, der restriktiven Geldpolitik und der Lieferkettenprobleme 2023 in eine technische Rezession schlittern wird. 

 

Mit Vollgas in den DAX

Die Aktien der Porsche AG werden ab dem 19. Dezember im DAX gehandelt. Das hat die Deutsche Börse diese Woche im Zuge ihrer quartalsmässigen Index¬überprüfung bekannt gegeben. Dank einer sehr guten Kursentwicklung (seit IPO: +23 %) gelingt dem Börsenneuling damit nach gerade mal zwei Monaten den Sprung unter die 40 grössten Unternehmen Deutschlands – gemessen an der Marktkapitalisierung (93 Milliarden Euro) ist Porsche nach Tesla, Toyota und BYD der viertwertvollste Autobauer weltweit. Der Sportartikelhersteller Puma muss indes den Schritt in den Nebenwertindex MDAX antreten.