Geht mein Zuhause mit mir in Rente?

Mit 55 scheint der Gedanke an die Pension für viele noch weit weg. Dennoch sollten Sie sich rechtzeitig etliche Fragen zur Wohnsituation nach der Pensionierung stellen. Bleibe ich im Eigenheim wohnen – und wenn ja, wie lange? Oder möchte ich dereinst ausziehen, mein jetziges Heim veräussern, vermieten oder einem Kind weitergeben?

Jeder Mensch bewertet seine aktuelle Wohnsituation anders. Wichtig ist, dass Sie sich überhaupt Gedanken machen, wie Sie später leben möchten. Bilden Sie ein oder mehrere mögliche Szenarien, mit denen Sie für die Zukunft rechnen wollen. Sprechen Sie mit Ihrer Raiffeisenbank frühzeitig über diese Szenarien und lassen Sie sich Ihre finanziellen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten aufzeigen. Je früher Sie dies tun, desto eher kennen Sie Ihren Handlungsspielraum und desto mehr Zeit haben Sie, um allenfalls die notwendigen Voraussetzungen für Ihre Pläne zu schaffen.

    

In Haus oder Wohnung bleiben

Mehr als die Hälfte der über 65-jährigen Schweizerinnen und Schweizer lebt im selbstbewohnten Eigentum. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt. Wohneigentum als Altersvorsorge und als Wohnform im Alter ist so beliebt wie noch nie. Es gibt nebst der emotionalen Bindung an das selbstbewohnte Zuhause auch finanzielle Gründe für den Verbleib in den eigenen vier Wänden. So können im Gegensatz zum Wohnen in Miete die Wohnkosten nach der Pensionierung durch die Amortisation der Hypothek weiter gesenkt werden. 

Ist Ihr Wunsch, noch lange in Ihrer Liegenschaft zu verbleiben, sollten Sie diese jetzt einem Gesamtcheck unterziehen.

Ob Einfamilienhaus oder Stockwerkeigentum– zentral ist die Berechnung der in der nahen und späteren Zukunft anfallenden Investitionen. Zum Beispiel die längst ersehnte Renovation von Bad und Küche für mehr Wohngenuss. Eine energetische Modernisierung wie Dämmung und Ersatz von Fenstern und Heizung spart Energie und bringt mehr Wohnkomfort. Gerade bei der Heizung ist es wichtig, frühzeitig eine Alternative mit erneuerbarer Energie zu evaluieren, um nicht bei einem Ausfall kurzfristig die zweitbeste Lösung wählen zu müssen. Weil es schnell gehen muss oder die finanziellen Mittel nicht verfügbar sind.

Nicht zu vergessen sind auch allfällige Anpassungen, die den Bedürfnissen des Älterwerdens gerecht werden, wie z.B. hindernisfreie Räume, rutschsichere Bodenbeläge usw.

Hypothek amortisieren oder aufstocken?

Vor der Pensionierung stellt sich die Frage, ob die Hypothek stark reduziert oder gar ganz abgezahlt werden soll. Emotionen spielen dabei auch eine Rolle. Der Umstand und die Gewissheit, keine oder wenig Schulden zu haben, vermittelt das Gefühl von Sicherheit und Unbeschwertheit. Allerdings sollte man sich vor einer Reduktion der Schuldenlast ein Budget erstellen und sich überlegen, wie viel man langfristig für den Lebensunterhalt in der Pension benötigt.

Statt zu amortisieren und die Schuldenlast zu reduzieren kann man sich aber auch überlegen, ob eine Aufstockung der Hypothek sinnvoll ist. Bei den Banken gibt es dazu Produkte mit unterschiedlichen Bezeichnungen wie «Umkehrhypothek», «Immo-Rente» oder «Hypothek an Pensionierte». Die Vergabe einer solchen Hypothek ist jedoch an einige Bedingungen verknüpft wie die Lebenserwartung, die gegebene Tragbarkeit sowie die Belehnungshöhe. 

    

Das Haus verkaufen

Wer selbst über den Zeitpunkt des Verkaufs bestimmt und dieser nicht Hals über Kopf aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen erfolgen muss, gerät nicht unter Zeit- und Preisdruck. Er kann abwarten, bis der Käufer gefunden ist, der den gewünschten Betrag zu zahlen bereit ist. Auch kann der Verkaufszeitpunkt auf die Marktlage ausgerichtet werden, was einen höheren Verkaufspreis bedeuten kann.

Haben Sie sich für einen Verkauf entschieden, stehen umfangreiche Arbeiten an: Elementare Instandstellungsarbeiten an Haus und Umgebung vornehmen, Preisschätzung in Auftrag geben, Verkaufsdossier erstellen, die Liegenschaft vermarkten, Besichtigungen durchführen bis zur Vertragserstellung und Übergabe an den Käufer. 

Tipps, Checklisten und alles was Sie zum Verkauf von Immobilien wissen müssen, finden Sie in unserem Verkaufsratgeber.

 

Das Eigenheim auf die Pension hin verkaufen: Was verliere ich – was gewinne ich?

Wenn ich im Haus bleibe... Wenn ich den Umzug plane...
...brauche ich meine vertraute Umgebung und Nachbarschaft nicht aufzugeben ...kann ich mich frühzeitig in eine neue Umgebung integrieren
...sollte ich möglichst vor der Pensionierung in die Modernisierung investieren ...habe ich Zeit, um meine neue Wunsch-Wohnung zu finden
...werde ich baulich Anpassungen vornehmen müssen, die mir den Verbleib im Alter ermöglichen ...ist mein Kapital nicht mehr ans Haus gebunden, womit ich mir andere Wünsche erfüllen kann
...werde ich irgendwann Hilfe in Anspruch nehmen müssen, um Haus und Garten pflegen zu können ...tue ich dies selbstbestimmt, wobei mir der Umzug leichter fällt als im hohen Alter

    

Nachlass frühzeitig regeln

Ein wichtiger Aspekt in Zusammenhang mit der Liegenschaft in der Pension ist die Frage, was mit der Immobilie geschehen soll, wenn der Partner oder die Partnerin stirbt. Je früher man für diesen Fall vorgekehrt hat, desto besser, vor allem wenn mehr als ein Kind erbberechtigt ist. Auch bei einem guten Einvernehmen mit den Kindern ist es wichtig, den Nachlass frühzeitig zu regeln. Das schafft Klarheit und verhindert allenfalls später Streitigkeiten. Zu hoffen, dass die Erben im Fall der Fälle freiwillig zu Gunsten des Partners verzichten, bietet keine ausreichende Sicherheit. Die Nachlassregelung ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung den letzten Willen nicht verbindlich geregelt hat.

Ohne eine massgeschneiderte erbrechtliche Regelung kommen die gesetzlichen Bestimmungen zum Tragen. «Dies kann unter Umständen dazu führen, dass der überlebende Partner die Liegenschaft verkaufen muss, um die Erben auszuzahlen. Mit einer erbrechtlichen Regelung hältst du die Zügel in der Hand», betont Christian Rehefeldt vom Fachzentrum Erbschaftsberatung. So lässt sich mit einem Testament der Anteil an der Erbschaft bereits reduzieren. Der Pflichtanteil für Nachkommen liegt nämlich bei einem verheirateten Paar gemäss aktuell geltendem Recht etwas tiefer, bei drei Achtel des Nachlasses. Zudem kann man mit einem Testament dem Partner die Nutzniessung einer Immobilie zusprechen. Besteht das Nachlassvermögen zu einem grossen Teil aus der ehelichen Wohnung, kann dies eine spannende Variante sein. So ist gewährleistet, dass der überlebende Ehegatte im gemeinsamen Wohneigentum verbleiben kann. Je nach Ausgangslage gibt es weitere spannende ehegüter- und erbrechtliche Instrumente, um den überlebenden Ehegatten noch stärker abzusichern, wie zum Beispiel den Erbvertrag.

Kein Fall ist wie der andere und Faktoren wie Finanzen oder Steuern haben einen massgeblichen Einfluss auf Ihre Lebenssituation. Deshalb ist es empfehlenswerte, dass Sie sich vor oder während der Pension von einem Experten beraten lassen, damit Sie vor unliebsamen Überraschungen gefeit sind.

    

Liegenschaft den Nachkommen weitergeben

Früher war es eine Tradition, dass die Kinder das Haus übernehmen. Dass Nachkommen daran immer weniger Interesse haben, ist der zunehmenden Mobilität geschuldet wie auch den Ansprüchen der neuen Generation. Kann die Liegenschaft jedoch innerhalb der Familie übergeben werden, stellen sich oftmals komplexe erb- und güterrechtliche Fragen. Welche Möglichkeiten es gibt, Wohneigentum zu Lebzeiten den Nachkommen weiterzugeben und wie man Konflikte unter den zukünftigen Erben vermeidet, finden Sie hier.

    

Nachgefragt bei Andrea Klein, Leiterin Fachzentrum Finanzplanung, Raiffeisen Schweiz

Worüber sorgt sich die Schweizer Bevölkerung am meisten, wenn es um die Finanzplanung fürs Wohnen im Alter geht?

Am meisten beschäftigt wenig erstaunlich die Frage: Kann ich es mir leisten, im eigenen Haus oder in der Eigentumswohnung zu bleiben? Es geht also um die finanzielle Tragbarkeit. Und die finanzielle Sicherheit im Alter.

 

Sind die Sorgen berechtigt?

Das hängt stark von der persönlichen finanziellen Situation ab. Wer eine hohe Belastung auf dem Haus und wenig Erspartes hat, für den ist die Herausforderung gross. Deshalb empfehlen wir eine vorausschauende Planung. Fakt ist aber auch, wer jetzt pensioniert wird, zählt noch zur Spargeneration und ist in der Regel gut gerüstet. Ich bin gespannt, wie es in 20 Jahren sein wird.

 

Warum ist eine Pensionsplanung ratsam?

Es gilt, eine Auslegeordnung der gesamten finanziellen Situation inklusive der langfristigen Veränderung zu machen Dabei ist das Budget ganz zentral, was oft vernachlässigt und unterschätzt wird. Die Pensionsplanung zeigt letztlich auf, ob mit dem Renteneinkommen und allenfalls mit dem Verzehr der Vermögenswerte alle Ausgaben gedeckt und der gewünschte Lebensstandard gehalten werden kann.

 

Wenn ich den Verbleib in den eigenen vier Wänden sichern will, welche Dinge sind finanziell betrachtet am wichtigsten?

Letztlich geht es um die Beantwortung der Frage: Kann und will ich es mir leisten oder was muss ich tun, damit ich es mir leisten kann?

 

Wer kurz vor der Pensionierung steht und sich noch nicht gross mit der Wohnsituation im Alter beschäftigt hat, was sollte er sofort anpacken?

Als Erstes sollte ich mir überlegen, welches die optimale Wohnform für mich und allenfalls meinen Partner oder Partnerin ist. Wir machen die Erfahrung, dass viele den Zeitpunkt zur Veränderung der Wohnsituation verpassen. Vermutlich auch deshalb, weil die emotionale Bindung zum Eigenheim im Alter zunimmt und schier unüberwindbar gross ist.