Raiffeisen KMU PMI (Konjunkturindikator)

Der Nach-Corona-Boom bei den KMU läuft aus

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Der Raiffeisen KMU PMI ist im Oktober von 63.9 auf 51.7 Indexpunkte stark gefallen. Die länger als erwartet anhaltenden Lieferprobleme belasten den Geschäftsverlauf. Gleichzeitig verlagert sich der Privatkonsum nun wieder zurück zu Dienstleistungen, weshalb der globale Nachfrageboom bei Gütern nachlässt und damit auch die Industriedynamik.

 

Das starke Wachstum der KMU aus der Industrie hat sich im Oktober nicht mehr fortgesetzt. Der Raiffeisen KMU PMI fiel von 63.9 auf 51.7 Indexpunkte und lag damit nur knapp über der Wachstumsschwelle von 50. Die befragten Unternehmen verzeichneten im Oktober also nur noch eine leichte Verbesserung ihrer Geschäftslage. Einige der KMU führen die Abschwächung auf die Herbstferien, also normale saisonale Schwankungen zurück, weshalb der Rückgang des PMI wohl über-zeichnet ist. Die Rückkehr zu gemässigteren Wachstumsraten ist indes nicht von der Hand zu weisen. Der globale Boom bei der Güternachfrage, von der auch die Schweizer Industrie profitiert hat, läuft zunehmend aus. Während der Pandemie waren viele Dienstleistungen, wie z.B. Ferienreisen, nur eingeschränkt verfügbar, weshalb die Warennachfrage überdurchschnittlich hoch ausfiel. Nun normalisiert sich das Konsumverhalten wieder. Die Verzögerungen im globalen Warenhandel und die daraus resultierenden längeren Lieferzeiten sowie zum Teil auch höhere Konsumentenpreise tragen ebenfalls zur Abkühlung der Güternachfrage und damit schliesslich auch der Industrieproduktion bei.

Die Probleme bei den Lieferketten belasten die KMU aber auch direkt. «Wegen der Lieferengpässe können wir derzeit ganz normale Routineaufträge nicht realisieren. Bei einem Zulieferer aus Deutschland kam es zu einem Produktionsstopp, weshalb auch wir die Produktion drosseln mussten», sagt z.B. der Geschäftsführer eines KMU, das Metallerzeugnisse herstellt. Die Produktionskomponente des Raiffeisen KMU PMI verringerte sich im Oktober entsprechend von 62.5 auf 51.6 Punkte. Wo dies möglich ist, versuchen die Unternehmen, den Herstellungsprozess oder das Endprodukt anzupassen, um Produktionsausfälle zu vermeiden. «Wir haben hohe Entwicklungsaufwendungen, weil wir unser Produkt neugestalten, da einige Komponenten nicht lieferbar sind», meldet z.B. der Geschäfts-führer eines Elektrounternehmens, das stark von Mikrochips abhängig ist, die bekanntlich besonders knapp sind.

Wie der Raiffeisen KMU PMI zeigt hat sich im Oktober auch die Auftragsdynamik stark verlangsamt. Erstmals seit Februar war der Auftragsbestand sogar leicht rückläufig. Das ist vorerst noch verkraftbar, weil die Auftragsbücher nach der positiven Entwicklung der letzten Monate immer noch gut gefüllt sind. Die Lieferengpässe belasten aber die Produktion und die gestiegenen Einkaufspreise schmälern die Marge weiterhin.

Die Lieferengpässe dauern nun schon länger als erwartet an und dürften bis weit ins nächste Jahr anhalten, wie viele Unternehmen laut Umfragen befürchten. Jetzt wo der nach Corona-Boom ausläuft, müssen sich die KMU also auf gemässigtere Wachstumsraten einstellen.

links: Raiffeisen KMU PMI Oktober 2021 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI Oktober 2021 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

 

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

 

Juni Juli August September Oktober

Gesamtindex

62.1 59.6 56.6 63.9

51.7

Auftragsbestand

65.1 60.2 60.3 71.5

49.2

Produktion

60.4 58.9 51.5 62.5

51.6

Beschäftigung

55.6 57.3 53.0 56.9

50.0

Lieferfristen

73.2 70.6 69.9 67.5

60.7

Einkaufslager

53.4 47.7 45.6 53.1

49.2


50 = Wachstumsschwelle

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Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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