Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Während die Jahresabschlüsse der Unternehmen im Rahmen der Erwartungen liegen, treibt die Hoffnung der Anleger die Kurse in die Höhe. Ein Blick auf die Prognosen und die Wirkung der restriktiven Geldpolitik mahnen aber zur Vorsicht.

Chart der Woche

Gierige Anleger

Put-Call-Verhältnis des US-Marktes

Gierige Anleger

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Börse befindet sich aktuell zwischen Euphorie und Gier. Das lässt sich beispielsweise am Put-Call-Verhältnis ablesen. Dieses setzt die Anzahl der gehandelten Put-Optionen ins Verhältnis zu den Call-Optionen. Da Anleger grundsätzlich positiv gestimmt sind, gilt ein Wert von 0.7 bereits als ausgeglichen. Zurzeit liegt das Verhältnis bei 0.5. Das heisst, es werden verhältnismässig doppelt so viele Calls wie Puts gekauft – die Anleger sind also optimistisch. Dies mahnt zur Vorsicht, denn die Kennzahl gilt bei Extremwerten als guter Kontraindikator. Nach dem fulminanten Jahresstart ist das gewiss angebracht.

Aufgefallen

Positive Berichtssaison

Von etwa 200 Unternehmen, die in den USA ihren Zahlenkranz vorgelegt haben, übertrafen rund 70 % die Gewinnerwartungen. Enttäuschungen gab es hingegen beim Ausblick.

Auf der Agenda

High Noon im SMI

Am kommenden Donnerstag berichten unter anderem die SMI-Unternehmen Credit Suisse, Swisscom und Zurich über das abgelaufene Geschäftsjahr.

Hoffnung treibt den Markt

Mit einem Plus von 5.5 % verbuchte der breite Schweizer Markt, gemessen am Swiss Performance Index (SPI), im Januar den stärksten Monat seit Dezember 2021. Obwohl die Ergebnisse für das abgelaufene und auch die Prognosen für das kommende Jahr lediglich im Rahmen der Erwartungen liegen, scheinen bei den Anlegern die Gier und die Angst, etwas zu verpassen, Überhand zu nehmen. Die Grossbank UBS erzielte ihr bestes Ergebnis seit der Finanzkrise, übertraf damit die Erwartungen des Marktes, erhöht nun die Dividende und will 2023 für 5 Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurückkaufen. Dennoch litten die Titel kurz unter Abgabedruck, da der Handel mit Wertpapieren und die Aktivitäten im Investmentbanking im vierten Quartal deutlich an Dynamik einbüssten. Das schwächere Marktumfeld spürt auch die Privatbank Julius Bär, die einen Gewinnrückgang verbuchte, aber von einem beschleunigten Wachstum bei neuen Kundengeldern im Schlussquartal berichtete. Die Regionalbank Valiant profitierte 2022 von steigenden Zinsen und einem erfolgreichen Handelsgeschäft. 

Währungseinflüsse belasteten das Schlussquartal von Novartis. Dennoch übertraf der Pharmakonzern die Erwartungen des Marktes. Das führt dazu, dass die Dividende um 10 Rappen auf 3.20 Franken erhöht wird, woraus sich auf dem aktuellen Kurs eine Rendite von knapp 4 % ergibt. Auch Konkurrentin Roche erhöht die Dividende – zum 36. Mal in Folge. Das Ergebnis lag beim Umsatz im Rahmen der Erwartungen, beim Gewinn etwas tiefer. Derweil belastet der rückläufige Corona-Umsatz den Ausblick. Der Technologiekonzern ABB hat im vierten Quartal zwar profitabler gearbeitet, aber weniger Aufträge an Land gezogen, was die Aussichten etwas trübt.

 

Gemischtes aus den USA

Die Saison der Jahresabschlüsse ist auch in den USA in vollem Gange. Grosse Enttäuschungen sind bislang weitgehend ausgeblieben. Das Bild ähnelt demjenigen in der Schweiz. So überraschte der Autobauer General Motors Anleger mit positiven Zahlen, stellte gleichzeitig aber ein schwächeres 2023 in Aussicht. Die Erwartungen übertroffen hat auch der Nahrungsmittelhersteller Mondelez. In eine ähnliche Richtung zielte das Fast-Food-Unternehmen McDonald's. Das Ergebnis für das abgelaufene Jahr hat die Schätzungen des Marktes geschlagen, aber aufgrund höherer Kosten dürften die Margen 2023 zurückkommen. Den Markt mit seinem Ergebnis enttäuscht hat hingegen Caterpillar, der Hersteller von Baumaschinen.

 

Die Zinsen steigen weiter

Wie erwartet hob die US-Notenbank Fed ihren Leitzins diese Woche um weitere 25 Basispunkte auf 4.75 % an. Fed-Chef Jerome Powell unterstrich in seiner Rede, dass weiter an der Zinsschraube gedreht werden würde. Der Markt hat den Zinsschritt und Powells Aussagen wohlwollend aufgenommen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer restriktiven Geldpolitik fest und erhöhte die Leitzinsen, wie von Anlegern antizipiert, um 50 Basispunkte. Im Fokus steht der Kampf gegen die Inflation. Hier zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. Gesamteuropäisch ist die Teuerungsrate im Januar von 9.2 % auf 8.5 % gesunken, was vor allem auf die weniger stark angestiegenen Energiepreise zurückzuführen ist. Diese Entspannung ist aber mit Vorsicht zu geniessen, denn die Kerninflation (Teuerung ohne Energie- und Lebensmittel) verharrte bei 5.2 %. Das heisst, dass sich neben den Energiepreisen auch viele andere Produkt verteuert haben. Zudem verunsichert der Trend in Spanien, wo die Inflation entgegen den Erwartungen von 4.8 % im Vormonat auf 5.8 % geklettert ist.

 

Konsumentenstimmung erholt sich

Die Konsumentenstimmung in der Schweiz hellte sich laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) von -46.6 auf -30.2 Punkte auf. Gleichzeitig liegt der Wert immer noch deutlich unter dem langfristigen Schnitt von -6 Punkten.