Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Stimmung an der Börse ist gut. Die meisten Unternehmen überzeugen mit ihren Quartalsergebnissen und sorgen so für Optimismus. Allerdings nehmen die Bewertungen bereits vieles vorweg.

Chart der Woche

Quartalsergebnisse stützen US-Banken

US- und europäische Banken im Vergleich, indexiert

Quartalsergebnisse stützen US-Banken

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Bei den US-Banken sprudeln die Gewinne. Branchenprimus JP Morgan hat im ersten Quartal 14 Mrd. US-Dollar verdient. Bei Goldman Sachs, Bank of America und Citigroup verblieben unter dem Strich zwischen 6.7 bis knapp 8 Mrd. US-Dollar. Dank höheren Margen schaffen US-Institute mehr Aktionärswert als ihre europäischen Konkurrenten. Das zeigt sich in den Aktienkursen: Die Performanceschere der beiden Regionen ist in den vergangenen zehn Jahren immer weiter aufgegangen. 

Aufgefallen

Chipmangel belastet Autobauer

Aufgrund der hohen Nachfrage aus der Unterhaltungselektronik fehlen den Autobauern weltweit elektronische Bauteile. Daimler schickt deshalb ab Freitag tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit.

 

Auf der Agenda

Generalversammlung Credit Suisse

Am Freitag, 30.April 2021, leitet Urs Rohner letztmals die GV der Grossbank. Während seiner Amtszeit hat die CS-Aktie rund 70 % an Wert eingebüsst.

Positive Ergebnisse zum ersten Quartal

Die Berichtssaison zum ersten Quartal ist in vollem Gang. Die bisher publizierten Zahlen sind vielversprechend. So ist etwa das SMI- Schwergewicht Nestlé fulminant ins Jahr gestartet. In den ersten drei Monaten verhalfen Tierfutter- und Kaffeegeschäft dem Nahrungsmittelkonzern zu einem Umsatzanstieg von 7.7 %, womit sämtliche Analystenerwartungen übertroffen wurden. Ebenfalls besser als erwartet fiel das Umsatzwachstum beim Pharmagiganten Roche aus, allerdings wurden die Schätzungen nur leicht geschlagen. Vom reissenden Absatz an Corona-Tests profitierte vor allem die Diagnostiksparte, die 50 % mehr umsetzte als im Vorjahr. Dagegen verzeichnete das ansonsten wachstumsstarke Pharmageschäft Einbussen. Sowohl Roche als auch Nestlé halten an ihrem Jahresausblick fest.

Der Schokoladenproduzent Barry Callebaut wartet im per Ende Februar endenden Halbjahr ebenfalls mit guten Zahlen auf. Der Rücktritt des CEO im aktuellen Marktumfeld hat Anleger nicht verunsichert. Gar mit einer Aufwärtsrevision der eigenen Prognose für das laufende Jahr reagierte der Bauzulieferer Sika auf den guten Start ins Jahr. Erfüllt hat die Markterwartungen auch der Bankensoftwarespezialist Temenos. Zudem stellt das Unternehmen für den Jahresverlauf eine weitere Erholung in Aussicht. Die Versandapotheke Zur Rose hat den Umsatz im ersten Quartal um 18 % gesteigert. Das liegt leicht unter dem für das Gesamtjahr angepeilten Plus von 20 %. Obwohl sich der Markt dadurch nicht beunruhigen liess, kam es sowohl bei Temenos, als auch bei Zur Rose zu Gewinnmitnahmen. 

Die Stimmung an den Aktienmärkten ist damit weiterhin optimistisch und wird auch von den Quartalsberichten nur in Einzelfällen getrübt. Wermutstropfen ist allerdings die Bewertung. Viele Aktien sind teuer und nehmen die guten Ergebnisse vorweg.  

 

Credit Suisse steckt weiter im Hedge Fund Schlamassel

Das Hedge Fund Debakel um Archegos wird die Credit Suisse auch im zweiten Quartal belasten. Die Grossbank rechnet mit Verlusten um 600 Mio. Franken, die zu den bisherigen im Umfang von 4.4 Mrd. Franken dazukommen. Die Aktien der Credit Suisse spiegeln diese Enttäuschung. Mit einer Performance von -21 % seit Anfang des Jahres haben sich die Titel am Ende des Swiss Market Index eingereiht. Damit hat die Marktkapitalisierung im laufenden Jahr um rund 6 Mrd. Franken abgenommen. 

Dass der Vorsteuerverlust mit 757 Mio. Franken etwas geringer ausfällt als die in Aussicht gestellten 900 Mio. ist nur ein schwacher Trost. Viel schwerer wiegt, dass Credit Suisse ihre Eigentümer um Geld bitten muss, um die Kapitalisierung zu verbessern. Aber der Fall Archegos scheint auch aus anderen Gründen noch nicht vorbei zu sein. Diese Woche wurde bekannt, dass weitere involvierte Personen von ihren Stellen zurücktraten. Zudem hat eine US-Pensionskasse wegen Mängeln in den Risikorichtlinien und Überwachungsfunktionen gegen Credit Suisse geklagt und die Finanzmarktaufsicht Finma hat ebenfalls ein Verfahren eingeleitet. 

 

Bitcoin unter Druck

Der Hype um die Kryptowährung Bitcoin hat vorerst ein Ende genommen. Gründe dafür sind Gerüchte, dass das US-Finanzministerium verstärkt gegen Geldwäscherei mit Hilfe von Kryptowährungen vorgehen will und dass die Türkei Zahlungen mit digitalen Währungen ab dem 30. April verbieten will. Aufgrund der schwachen türkischen Lira waren in der Türkei jüngst immer mehr Unternehmen dazu übergegangen, Kryptowährungen als Zahlungsmittel zu akzeptieren.