Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Berichtssaison zum dritten Quartal ist angelaufen. Obwohl die Ergebnisse in den meisten Fällen gut ausfallen und die Börsen um ihre Allzeithochs handeln, scheint die Dynamik nachzulassen.

Chart der Woche

Corona-Impfstoffhersteller unter Druck

Kursentwicklung BioNTech und Moderna, indexiert

Corona-Impfstoffhersteller unter Druck

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Aktien der Corona-Impfstoffhersteller gehören dieses Jahr zu den Gewinnern. Seit Anfang Jahr haben sich die Kurse von Moderna und BioNtech verdreifacht. Ein Garant zum Geld verdienen sind die Titel aber nicht. Seit dem Hoch im Sommer haben sie einen Drittel bzw. gut 40 % eingebüsst - einen Grossteil davon, als der Pharmakonzern Merck ein Medikament vorgestellt hat, mit dem das Hospitalisierungs- und Sterberisiko von Corona-Patienten um rund 50 % gesenkt werden kann. Anlegern sollte dies in Erinnerung rufen, dass ein übermässiger Kursanstieg immer auch Gefahren birgt.

Aufgefallen

Volatilität nahe dem Jahrestief

Der Volatilitätsbarometer des Swiss Market Index (VSMI) entwickelte sich seit Anfang des Monats von 19 auf 13 klar rückläufig. Anleger sind in Kauflaune.

 

Auf der Agenda

Quartalsergebnisse im Fokus

Kommende Woche rapportieren neben den SMI-Werten Novartis, UBS, Swisscom, Holcim und Swiss Re auch eine Reihe kleiner kapitalisierter Unternehmen ihre Drittquartalszahlen.

Roche, Nestlé und ABB lancieren Berichtssaison

Das SMI-Schwergewicht Nestlé drückt dem Schweizer Leitindex diese Woche seinen Stempel auf. Nach einem starken dritten Quartal hebt der Nahrungsmittelmulti seinen Jahresausblick für das Gesamtjahr an und hilft so dem Swiss Market Index erstmals seit gut einem Monat wieder über die psychologisch wichtige Marke von 12'000 Punkten. Der Pharmakonzern Roche glänzt zwar ebenfalls mit positiven Aussichten, die Titel vermögen jedoch nicht zuzulegen. Ein gemischtes Bild publizierte der Industriekonzern ABB. Die hohe Nachfrage führte zwar zu einem starken Auftragseingang. Das Umsatzwachstum erfuhr wegen Lieferengpässen jedoch einen Dämpfer und veranlasste ABB gar, die Prognose für 2021 leicht zu senken, was Investoren mit Verkäufen quittierten. Langsamer wächst auch der Liftbauer Schindler, hat aber mit seinem Zahlenkranz das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Das gilt auch für den Komponentenhersteller Huber + Suhner. Dieser vermochte allerdings das Wachstumstempo im dritten Quartal gar zu erhöhen. Die Analystenerwartungen ebenfalls übertroffen hat der Logistikkonzern Kühne + Nagel. Aufgrund der weltweit hohen Nachfrage nach Transportdienstleistungen klettert der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um fast 50 %. Mit einem Plus von 50 % seit Anfang Jahr nimmt der Kurs allerdings einiges vorweg.

 

Credit Suisse hängt in den Seilen

Die Grossbank Credit Suisse kommt nicht vom Fleck. So spricht die Finanzmarktaufsicht Finma in Sachen Beschattungsaffäre um den früheren Manager Iqbal Khan Klartext: Die Rede ist von gravierenden organisatorischen Mängeln und Aufsichtsrechtsverletzungen. Damit nicht genug. Mangelnde Sorgfalt und Risikokontrolle brocken der Grossbank auch in der Korruptionsaffäre um Kredite an Mosambik hohe Strafen ein: insgesamt 475 Mio. US-Dollar. Zudem wurde vereinbart, dass Credit Suisse Schulden in Höhe von 200 Mio. Dollar erlässt. Kein Wunder, dass die Aktien der Schweizer Grossbank nicht auf Touren kommen. Mit einem Minus von 16 % seit Jahresbeginn liegen sie abgeschlagen am Ende des Swiss Market Index.

 

US-Börsen flirten mit Allzeithoch

Die Sorgen um Inflation, Lieferengpässe, eine Straffung der Geldpolitik oder der erneute Anstieg der Corona-Erkrankungen scheinen wie weggeblasen. Der Dow Jones Industrial Index ist im Wochenverlauf auf einen neuen Rekordstand geklettert, vermochte diesen jedoch nicht zu halten. Getrieben werden die US-Aktienmärkte von guten Quartalsergebnissen, die in über 80 % der Fälle über den Erwartungen liegen.

 

Alibaba legt zu

Die Aktien des chinesischen Online-Händlers Alibaba legen diese Woche – seit langem wieder einmal – zu. Die Gründe sind einerseits, dass der Gründer, Jack Ma, erstmals nach seinen regierungskritischen Äusserungen vor rund einem Jahr wieder ins Ausland reist. In den vergangenen Monaten hatten die Titel trotz eines erfolgreichen Geschäftsgangs deutlich schwächer abgeschnitten als diejenigen des US-Konkurrenten Amazon. Zudem hat Alibaba diese Woche einen neuen Chip vorgestellt, mit dem das Cloudgeschäft forciert werden soll.

 

Bitcoin klettert auf Rekordhoch

Die Kryptowährung Bitcoin war diese Woche ebenfalls gefragt. Die Zulassung eines börsengehandelten Bitcoin Fonds in den USA befeuerte die Fantasie – und die Gier – der Anleger. Erstmals in der Geschichte der digitalen Währung kletterte diese im Wochenverlauf über 66'000 US-Dollar. Damit hat sie sich seit dem Tief im Juli mehr als verdoppelt und zeigt sich, einmal mehr als äusserst volatil. Wer in Bitcoin investiert, braucht starke Nerven.