Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Ab jetzt kann wieder investiert werden, sagt die wohl bekannteste Börsenweisheit. Aufgrund der starken Erholung an den Börsen neigen Anleger allerdings zu Gewinnmitnahmen, was den Markt belastet.

Chart der Woche

Gegenläufige Entwicklung

Swiss Market Index (SMI) und Einkaufsmanagerindex (PMI), indexiert

Gegenläufige Entwicklung

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

In der Schweiz gehen Aktienmarkt (SMI) und Einkaufsmanagerindex (PMI) seit Mitte 2018 getrennte Wege. Der Optimismus der Investoren deckt sich somit schon länger nicht mehr mit der Einschätzung der Unternehmen. Die Diskrepanz hat sich während der Corona-Krise zunächst verschärft, in den letzten Wochen aber etwas entspannt.

Aufgefallen

Volatile Tesla-Aktien

Weil die Aktien des Elektroautobauers Tesla nicht in den S&P 500 Index aufgenommen wurden, haben sie am Dienstag 21 % eingebüsst. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 80 Mrd. USD. Soviel wie Ford und General Motors zusammen wert sind.

 

Auf der Agenda

Konsumentenstimmung USA

Am 18. September publiziert die Universität Michigan die Ergebnisse ihres Konsumentenstimmungsindex. Seit dem Einbruch im April hat sich die Stimmung noch nicht massgeblich aufgehellt. Spendierfreudige Konsumenten sind aber nötig, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Auf das richtige Pferd setzen

Darum geht es vom 9. bis 12. September an den Pferderennen am St. Leger Festival in Doncaster. Das älteste britische Pferderennen wird seit 1776 jeweils im September durchgeführt. Investoren ist der Anlass aber aus einem anderen Grund bekannt: Es ist der zweite Teil der wohl bekanntesten Börsenweisheit «Sell in May and go away». Er lautet: «Come back on Saint Leger Day.» Damit endet die Sommerpause, während derer sich Investoren von der Börse fernhalten sollen, weil in dieser Zeit nicht viel läuft. Allerdings ist dieses Jahr alles anders. Von Mitte Mai bis Anfang September gewann der Schweizer Markt, gemessen am Swiss Market Index (SMI), in flottem Schritt rund 10 %. Der breite europäische Markt, gemessen am Stoxx 600 Europe, trabte 13 % ins Plus. Förmlich davon galoppiert ist der US-amerikanische S&P500, der sich um ein Viertel verteuerte, getrieben von den Aktien der grossen Technologiefirmen. Diese sind allerdings seither unter Druck und belasten auch andere Börsen. Ob also die Zeit nach den Sommerferien den Investoren auch dieses Jahr einen Gewinn beschert, ist ungewiss. Obwohl es für Anleger ebenfalls darum geht, auf das richtige Pferd – also die richtigen Investitionen – zu setzen, ist es noch wichtiger, nicht auf das falsche Pferd zu wetten, also Risiken zu meiden. Weil die Realwirtschaft und die Aktienmärkte zunehmend auseinander driften, halten wir an unserem Untergewicht in Aktien fest, um so die Risiken niedrig zu halten.

 

Der britische Markt hinkt hinterher

Deal or no Deal? Noch sind die Verhandlungen um einen geregelten Ausstieg Grossbritanniens aus der EU nicht beendet. Der britische Premierminister, Boris Johnson, will die EU nun aber unter Druck setzen. Wenn bis Mitte Oktober keine Einigung gefunden sei, dann solle der Ausstieg Grossbritanniens aus der EU ohne Handelsabkommen umgesetzt werden. Trotz vollzogenem Brexit gehört das Vereinigte Königreich noch bis Ende des Jahres zum EU-Binnenmarkt, weshalb sich für das Land noch fast nichts geändert hat. Ein Ausscheiden ohne Abkommen könnte den britischen Aktienmarkt belasten. Im europäischen Vergleich enttäuscht der britische Markt schon dieses Jahr und vermag seine eigentlich defensiven Qualitäten nicht auszuspielen. So hat der britische Aktienmarkt, gemessen am FTSE 100 seit Jahresbeginn gut ein Fünftel seines Wertes eingebüsst. Massgeblich dazu beigetragen haben die Energiewerte BP und Royal Dutch Shell, die den britischen Index aufgrund des niedrigen Ölpreises belasten.

 

Ist der Zeitpunkt für einen Ausstieg gekommen?

Die vergangenen Tage haben es gezeigt: Die Börse ist anfällig für Gewinnmitnahmen geworden. Das liegt gerade am Beispiel des US-Marktes daran, dass er in den letzten Wochen von Rekord zu Rekord hüpfte. Das heisst nichts anderes, als dass jeder Investor auf einem Gewinn sitzt. Einige Anleger wollten diesen nun realisieren. Solche Gewinnmitnahmen schickten die US-Börsen auf Talfahrt. Das hat aber nichts mit der Qualität oder den Aussichten eines Unternehmens zu tun, sondern vielmehr mit den Bewertungen, also was Anleger bereit sind, für künftige Gewinne zu bezahlen. Mangels Anlagealternativen und dank massiven Zentralbankgeldern dürfte aber nach wie vor Geld in die Aktienmärkte fliessen. Dennoch ist auch der Schweizer Leitindex SMI vor Gewinnmitnahmen nicht gefeit. Die Tatsache, dass er sich nur rund 4 % unter dem Stand von Anfang Jahr befindet, macht den Markt anfällig. Seine defensiven Eigenschaften, eine im internationalen Vergleich moderate Bewertung und die erwartete Dividendenrendite von knapp 3 %, sprechen hingegen weiterhin für ein Übergewicht.