Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt wieder, erste Länder haben bereits erneute Lockdowns verhängt. Dies hinterlässt auch an den Finanzmärkten Spuren: Die Verunsicherung unter den Anlegern nimmt zu.

Chart der Woche

Anleger misstrauen US-Tech-Aktien

Nasdaq 100 Mini-Futures (Netto-Positionen, in Tsd. Kontrakten)

Anleger misstrauen US-Tech-Aktien

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der US-Technlogieindex Nasdaq 100 hat seit Monatsanfang fast 10 % seines Wertes eingebüsst. Die nachlassende Dynamik der Konjunkturerholung sowie die Angst vor einer zweiten Corona-Welle bremsen den Markt. Gemessen an den Nasdaq 100 Mini-Futures positionieren sich derzeit spekulative Anleger mit Blick auf die US-Tech-Werte so «bearish» wie zuletzt im April 2008.

Aufgefallen

Dank UV-C-Licht gesund auf die Ski-Piste

Das Tiroler Unternehmen «Care by Light» hat mit Blick auf die kommende Ski-Saison eine Lösung für die Desinfektion von Seilbahngondeln mittels UV-C-Licht gefunden. Die «seTube» genannte Technologie verzichtet völlig auf Chemie und lässt sich kabellos transportieren sowie anwenden.

 

Auf der Agenda

Schweizer Konsumentenpreise

Am 1. Oktober veröffentlicht das Bundesamt für Statistik (BFS) die neuesten Daten zum Landesindex der Konsumentenpreise. Es ist davon auszugehen, dass die Teuerung im September auch weiterhin im negativen Bereich gelegen hat.

Die Angst vor dem «Lockdown 2.0»

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus nehmen weltweit wieder zu. Haben sich im Mai dieses Jahres etwa in der Schweiz deutlich unter 100 Personen pro Tag mit Covid-19 angesteckt, so sind es im September bisher im Schnitt rund 400. Das wahre Ausmass der Entwicklung spiegelt jedoch erst die Positivitätsrate – das Verhältnis aus positiven Testergebnissen und durchgeführten Tests – wieder: Diese hat sich in den vergangenen 14 Tagen bei knapp unter 4 % eingependelt, im Mai lag sie im Schnitt bei 1.5 %. Da sich derzeit mehrheitlich jüngere Menschen anstecken, fällt der Anstieg der Intensivpatienten (noch) moderat aus. Doch die Pandemie kann rasch aus dem Ruder laufen. Dies zeigen die Zahlen aus Israel: Das Land galt lange Zeit als Corona-Musterschüler, zuletzt verzeichnete es jedoch mehr als 6'000 Ansteckungen pro Tag – umgerechnet auf die Bevölkerung sind dies rund 15-mal so viele wie in der Schweiz. Als Ultima Ratio verhängte die israelische Regierung einen erneuten Lockdown. Auch in Teilen der spanischen Landeshauptstadt Madrid dürfen die Bewohner fortan ihre Bezirke nur noch aus wichtigen Gründen verlassen. Andere Länder, darunter Grossbritannien, denken ebenfalls über ein Herunterfahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens nach. Die Angst vor einem «Lockdown 2.0» ist somit real. Ein solcher wäre jedoch Gift für die Wirtschaft. Wir gehen für das Jahr 2020 von einem Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4.2 % aus. Ein erneuter Lock-down würde diesen negativen Trend verstärken. Die Anleger reagieren auf die drohende Gefahr mit Verunsicherung – typische «Angst-Indikatoren», wie etwa der Fear & Greed Index, deuten seit Anfang September auf einen wieder abnehmenden Optimismus an den Finanzmärkten hin. Angesichts der Dynamik des Infektionsgeschehens wird die Volatilität an den Börsen wohl weiter steigen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Angst stets ein schlechter Ratgeber in einem solchen Marktumfeld ist. Wir empfehlen deshalb an der bestehenden Vermögensallokation und definierten Anlagestrategie festzuhalten – breite Diversifikation ist und bleibt der Schlüssel zum langfristigen Erfolg. 

 

Zivile Luftfahrt – eine Branche kämpft ums Überleben

Die Corona-bedingte Krise ist existenziell. Das erneut zunehmende Infektionsgeschehen und die damit verbundenen Eindämmungsmassnahmen bescheren der zivilen Luftfahrt starken Gegenwind. So verkündete die deutsche Lufthansa Anfang dieser Woche, dass sie den eingeschlagenen Sparkurs trotz milliardenschwerer Staatshilfen weiter verschärfen müsse. Die Swiss-Mutter plant bis zum Jahr 2025 ihre Flotte um 150 Maschinen auf 650 Flugzeuge zu schrumpfen – ursprünglich war eine Reduktion um 100 Maschinen angedacht. Zudem müssen zwecks weiterer Kosteneinsparungen mehr als die bisher angekündigten 22'000 Vollzeitstellen abgebaut werden. Der deutsche Branchenprimus ist jedoch kein Einzelfall. Bei Konkurrent British Airways liegt der Flugplan derzeit bei lediglich 25 bis 30 % des normalen Geschäfts. Auch dort müssen tausende Arbeitnehmer um ihre Anstellung bangen. Wenig besser schaut es bei den Flugzeugbauern aus. Diese leiden unter dem stark eingeschränkten Luftverkehr und den Auftragsstornierungen der Airlines. So ist etwa der Umsatz von Airbus im ersten Halbjahr 2020, von rund 31 Milliarden Euro im Jahr zuvor, auf nur noch knapp 19 Milliarden Euro eingebrochen. Airbus-Chef Guillaume Faury schließt Entlassungen nun nicht mehr aus, in Fachkreisen ist von einem Abbau von 15'000 der rund 90'000 Stellen in der Verkehrsflugzeugsparte die Rede. Angesichts solcher Nachrichten bleibt es zu hoffen, dass in Bälde nennenswerte Fortschritte in der Bekämpfung der Corona-Pandemie erzielt werden.