Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Das Coronavirus dominiert wieder. Die neue Omikron-Variante hinterlässt auch diese Woche Spuren an der Börse. Die Volatilität ist deutlich angestiegen.

Chart der Woche

Kaufrausch bleibt aus

Tourismus- und Technologieaktien im Vergleich, indexiert

Kaufrausch bleibt aus

Quellen: Adobe Analytics, Raiffeisen Schweiz CIO Office

8.9 Mrd. US-Dollar haben Online-Schnäppchenjäger am Black Friday, dem traditionellen Start der Weihnachtseinkaufsaison, in den USA umgesetzt (2020: 9 Mrd. US-Dollar). Damit fand das stetige Wachstum der vergangenen Jahre ein Ende. Positiv ist indes, dass die Kundenbesuche in den Ladengeschäften auf Jahressicht um 47,5 % gestiegen sind – gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 resultiert aber immer noch ein Minus von fast 30 %. Auch am Cyber Monday bestätige sich dieser Trend.

Aufgefallen

Richemont im Stoxx Europe 50

Die Aktien von Richemont sind neu im Stoxx Europe 50. Dieser setzt sich aus fünfzig grossen Unternehmen aus ganz Europa zusammen. Der Luxusgüterhersteller ist damit das siebte Schweizer Unternehmen im europäischen Leitindex.

 

Auf der Agenda

Schweizer Arbeitsmarkt

Am 7. Dezember veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die Arbeitsmarktdaten für November.

Nervosität steigt

Obwohl über die neue Omikron-Variante des Coronavirus noch wenig bekannt ist, prägte sie das Börsengeschehen in der ersten Adventswoche. Für zusätzliche Nervosität unter den Anlegern sorgten die sich merklich abschwächende Wirtschaftserholung, die ungebremst steigenden Inflationsraten sowie die Aussicht auf ein noch schnelleres Tapering der US-Notenbank Fed. Entsprechend volatil zeigte sich die Schweizer Börse: Der «Angstbarometer» VSMI, das Pendant zum amerikanischen VIX, schwankte um die Marke von 20 Punkten – so hohe Werte wies der Indikator zuletzt Mitte September auf. Der Swiss Market Index (SMI) tendierte leicht schwächer und verbuchte am Freitagmorgen ein Wochenminus von 0,18 %. Auf den Verkaufszetteln der Börsianer standen insbesondere die Valoren des Computerzubehörherstellers Logitech und des Baustoffkonzerns Holcim.

 

Euro-Parität rückt näher

Der Euro fiel diese Woche zeitweise knapp unter die Marke von 1.04 CHF. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) stemmt sich derweil weiterhin nur verhalten gegen den Aufwertungsdrang des Frankens. Dies dürfte zwei Gründe haben: Zum einen verfolgt die SNB mit Blick auf ihre Devisenmarktinterventionen einen Währungskorbansatz. Der Euro hat zwar in den letzten Wochen deutlich an Boden verloren, zugleich wertete der US-Dollar gegenüber dem Franken auf. In Summe hielten sich beide Veränderungen etwa die Waage. Zum anderen ist ein schwächerer Euro die logische Konsequenz der wachsenden Inflationsdifferenz. Dadurch öffnet sich auch die (Real-) Zinsschere zwischen der Eurozone und der Schweiz. Aktuell sehen wir keine Impulse für eine nachhaltige Erholung des Euro. Wir haben daher unsere Prognosen angepasst und sehen das Währungspaar EUR/CHF auf 3-Monatssicht bei 1.03, auf 12-Monatssicht bei 1.01.

 

Inflation zieht weiter an

In der Eurozone hat die Inflation einen neuen, wenig erfreulichen Rekord aufgestellt: Die Preise haben im November gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,9 % angezogen. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro. In der Schweiz ist der Preisdruck bislang deutlich schwächer. Doch der Trend ist auch hierzulande eindeutig: Im vergangenen Monat ist die Inflation von 1,2 % auf 1,5 % gestiegen – den höchsten Stand seit 2008. Für das Gesamtjahr 2021 rechnen wir in der Schweiz mit einer Teuerungsrate von 0,6 %.

 

US-Fed könnte beim Tapering Gas geben

Gebetsmühlenartig erklärte die US-Noten-bank Fed den Anlegern in den letzten Monaten, dass die Inflation nur ein «temporäres» Phänomen sei. Nun die Kehrtwende: Fed-Chef Jerome Powell warnte jüngst, dass der starke Preisauftrieb länger anhalten könnte als erwartet. Er stellte daher in Aussicht, dass die Fed ihre Anleihenkäufe unter Umständen schneller zurückfahren werde als bisher geplant. Damit wäre sie bei Bedarf bereits vor kommendem Sommer in der Lage, Zinserhöhungen einzuleiten. Wir rechnen für das Jahr 2022 neu mit zwei Zinsschritten in den USA.

 

Türkischer Finanzminister muss zurücktreten

Die türkische Lira hat dieses Jahr ihren Wert gegenüber dem US-Dollar quasi halbiert. Schuld sind in erster Linie die stotternde Wirtschaft und die extrem hohe Inflation (Oktober: +19,6 %). Finanzminister Lütfi Elvan stand den regelmässigen Zinssenkungsforderungen von Präsident Erdogan stets kritisch gegenüber. Das hat nun seinen Preis, er muss nach gerade mal zwölf Monaten Amtszeit zurücktreten. Auf ihn dürfte jemand folgen, der Erdogan deutlich nähersteht. Frei nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.