Raiffeisen KMU PMI (Konjunkturindikator)

Hohe Inflation drückt auf die Geschäftslage der KMU

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Der Raiffeisen KMU PMI sank im Juni deutlich und spiegelt damit die gestiegenen Konjunkturrisiken wider. Die hohen Beschaffungskosten sorgen seit längerem für Margendruck. Nun kommt wegen der massiven Inflation in den Nachbarländern aber auch das Neugeschäft unter Druck.

 

Schweizer Mittelstandsunternehmen aus der Industrie spüren vermehrt Gegenwind. Das zeigt der Raiffeisen KMU PMI, der im Juni von 59,1 auf 52,3 Punkte, und damit den tiefsten Stand seit der Omikron-Welle im Januar, fiel. Der einzige Schweizer Einkaufsmanagerindex, der ausschliesslich auf KMU basiert, reiht sich damit nahtlos in die Serie der zuletzt veröffentlichten Stimmungsindikatoren für die Eurozone ein, die ebenfalls nur noch eine moderate Konjunkturdynamik anzeigen. Viele der von Raiffeisen befragten Betriebe nennen die galoppierenden Konsumenten- und Produzentenpreise in der Eurozone als Hauptgrund für die Abkühlung. Die hohe Inflation in der Eurozone belastet die Nachfrage der Konsumenten und Unternehmen und damit auch das Neugeschäft von Schweizer KMU. Im Juni nahmen die Auftragsbestände und das Produktionsvolumen nach der hohen Dynamik der Vormonate nur noch leicht zu, wie die entsprechenden Subkomponenten des Raiffeisen KMU PMI zeigen. Für die exportorientierten KMU ist die Tatsache, dass die Inflation in der Schweiz deutlich geringer ausfällt als im Ausland, deshalb nur ein schwacher Trost.

Angesichts der gestiegenen Wachstumsrisiken sind die KMU nicht gewillt, die Beschäftigung weiter auszubauen. Der entsprechende Subindex verringerte sich im Juni von 57,4 auf 49,5 Punkte und fiel damit erstmals seit Januar wieder unter die Wachstumsschwelle. Auch die Subkomponente zu den Einkaufslagern notiert neu unter der 50er-Marke. Die Einkaufslager wurden in den letzten Monaten kräftig aufgestockt, um die Produktions- und Lieferschwierigkeiten in den Griff zu kriegen. Mittlerweile entspannen sich die Lieferengpässe ein wenig, was nicht zuletzt auf die nachlassende globale Güternachfrage zurückzuführen ist. Noch notiert der Subindex zu den Lieferfristen mit 60,4 Punkten aber auf einem erhöhten Niveau. Normalerweise deuten längere Lieferfristen auf eine höhere Kapazitätsauslastung hin, weshalb ein Anstieg der Komponente positiv in den Gesamtindex einfliesst. Derzeit ist der hohe Wert aber vielmehr Ausdruck der weiter anhaltenden Lieferprobleme. Korrigiert um diese Verzerrung stünde der Raiffeisen KMU PMI noch näher an der oder sogar unter der Wachstumsschwelle von 50.

Ein Ende der Konjunkturabkühlung ist derweil noch nicht absehbar. Bei der Inflation in der Eurozone ist angesichts der weiter kräftig steigenden Kernpreise und der nach wie vor nach oben zeigenden Energie- und Lebensmittelpreise keine baldige Beruhigung in Sicht. Damit bleibt der Druck auf die Europäische Zentralbank hoch, die Zinsen schnell zu erhöhen, was wiederum auch konjunkturelle Risiken birgt.

links: Raiffeisen KMU PMI Juni 2022 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI Juni 2022 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

 

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

 

Feb 22 Mär 22 Apr 22 Mai 22 Juni 22

Gesamtindex

56.7

58.0

59.1

59.1 52.3

Auftragsbestand

57.7

55.9

60.9

56.8 51.3

Produktion

53.9

59.1

56.7

61.5 52.6

Beschäftigung

50.8

52.9

55.1

57.4 49.4

Lieferfristen

68.0

67.9

68.1

63.3 60.4

Einkaufslager

55.5

57.4

54.4

56.7 48.7


50 = Wachstumsschwelle

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Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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