Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Der Technologiekonzern Apple hat seine neuen iPhone Modelle vorgestellt und sich damit fürs Weihnachtsgeschäft positioniert. Die Aktien sind indes nicht mehr günstig und nehmen einiges vorweg.

Chart der Woche

Goldminen- und Technologieaktien …

… liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Goldminen- und Technologieaktien …

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Unternehmen könnten kaum unterschiedlicher sein: Goldminen und Technologiekonzerne. Identisch ist hingegen ihre Kursentwicklung während der vergangenen fünf Jahre. Rund 180 % haben der FTSE Goldminen Index und der technologielastige Nasdaq 100 in dieser Zeit zugelegt und den breiten Markt damit deutlich geschlagen. Verschieden ist aber der Kursverlauf. Technologieaktien legten fast gleichmässig zu, Goldminen schwankten stärker.

Aufgefallen

Fluggesellschaft auf Abwegen

Not macht erfinderisch: Singapur Airlines funktioniert zwei Maschinen vom Typ A380 für zwei Tage in ein Restaurant um. Interesse ist vorhanden. Innert 30 Minuten waren alle Tickets ausverkauft.

 

Auf der Agenda

UBS Quartalsabschluss

Am 20. Oktober präsentiert UBS CEO Sergio Ermotti zum letzten Mal das Quartals-Ergebnis der Grossbank. Ende Monat übergibt er den Chefposten an seinen Nachfolger Ralph Hamers.

Apple bleibt auf der Überholspur

Das Timing stimmt. Diese Woche hat der Technologiekonzern Apple seine neuen iPhone Modelle vorgestellt. Mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft steigen damit die Erwartungen der Anleger. Dank der neuen 5G-Technologie, die im kommenden Smartphone verbaut ist, sprechen gewisse Marktteilnehmer von einem neuen Superzyklus. Sie gehen davon aus, dass die Umsätze überdurchschnittlich zulegen könnten, weil sich aufgrund des Technologiesprungs mehr Käufer ein neues iPhone zulegen. 

Mit dieser Erwartung hatten die Aktien allein am Montag gut 6 % zugelegt, im Nachgang an die Produkteshow vom Dienstag aber leicht tiefer geschlossen. Seit Anfang des Jahres haben die Valoren 55 % zugelegt. Die hohen Erwartungen spiegeln sich damit im Aktienkurs und in der Bewertung. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 für das kommende Jahr sind die Titel teuer. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel der Analysten liegt mit 121 Dollar unter dem aktuellen Kurs.

 

US-Banken legen vor

Sie gehören an den Börsen zu den Verlierern, die Bankaktien. Margendruck, niedrige Zinsen und regulatorische Hürden belasten den Sektor. Diese Woche haben die US-Institute JPMorgan, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Wells Fargo ihren Zahlenkranz zum dritten Quartal vorgelegt. Grundsätzlich überzeugt hat bei all diesen Banken das Handelsgeschäft. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung profitieren aber nicht alle Institute im selben Ausmass davon. Goldman Sachs hat seinen Gewinn fast verdoppelt und scheint die Krise relativ gut zu meistern.

Weniger rund lief es für Citigroup. Sonderbelastungen und ein maues Kreditkartengeschäft belasteten das Ergebnis. Auch Bank of America surft nicht auf der Erfolgswelle. Die Bank ist stärker im Privatkundengeschäft, spürt die niedrigen Zinsen und muss höhere Beträge für das Kreditgeschäft zurückstellen. Die Börse reagierte mit Kursabgaben. Auch bei den Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS ist für das dritte Quartal nicht mit einer Überraschung zu rechnen. Sie dürften zwar von der gestiegenen Handelsaktivität profitiert haben, allerdings in einem geringeren Ausmass, da ihre Investmentbanking Aktivitäten deutlich kleiner sind als bei den US-Geldhäusern. In den Aktienkursen sollte das enthalten sein: Die Aktien haben dieses Jahr deutlich schwächer abgeschnitten als der Index.

 

«Glimpflicher» Konjunktureinbruch

Doch nicht so schlimm: Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO rechnet für 2020 mit einem Wirtschaftseinbruch von 3,8 % und beurteilt das Abschneiden im ersten Halbjahr als verhältnismässig «glimpflich». Noch im Juni war das Staatssekretariat von einem Rückgang des BIP von 6,2 % ausgegangen. Stützend wirkten dabei die Kurzarbeitsentschädigung und die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Lage entspannt sich, so ist etwa die abgerechnete Kurzarbeit deutlich zurückgegangen. Die Aufholbewegung dürfte sich im dritten Quartal fortgesetzt haben. Dennoch erwarten die Konjunkturforscher, dass die Dynamik der Wirtschaftserholung nachlässt. Das spiegelt sich denn auch in den Aussichten für 2021, in denen das SECO von einem BIP-Wachstum von 4,2 % ausgeht. Zur Jahresmitte war noch ein Wachstum von 5,3 % erwartet worden. Raiffeisen bleibt etwas vorsichtiger und hält an ihrer Prognose fest. Für 2020 wird ein Minus von 5 % und für das kommende Jahr ein Wachstum von 4,3 % erwartet. Das reflektiert sich auch in der Positionierung der Portfolios: Aktien bleiben leicht untergewichtet, Gold und Immobilien übergewichtet.