Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Schweizer Börse hat die Corona-Pandemie bereits seit längerem abgehakt. Dank der schrittweisen Rückkehr zur Normalität nimmt nun auch die konjunkturelle Erholung hierzulande deutlich Fahrt auf.

Chart der Woche

US-Anleger trauen dem «Frieden» nicht

CSFB und VIX Index, in Punkten

US-Anleger trauen dem «Frieden» nicht

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das Credit Suisse Fear Barometer (CSFB) misst die Bereitschaft der Anleger, sich mittels Optionsstrategien gegen eine Kurskorrektur des S&P 500 Index abzusichern. Während der Volatilitätsindex VIX zuletzt rückläufig war, notiert das CSFB mit aktuell 32 Punkten höher als vor dem Corona-Crash im Frühjahr 2020. Dies deutet darauf hin, dass viele Börsianer aktuell ein erhöhtes Rückschlagrisiko sehen. 

Aufgefallen

Erste deutsche «Meme-Aktie»

Gamestop, AMC und jetzt windeln.de. Der Onlineversandhändler für Babyprodukte ist der erste deutsche Börsenwert, dessen Kurs durch Spekulationen auf Social-Media-Plattformen wie Reddit künstlich in die Höhe getrieben wurde. Die Aktie verzeichnete zeitweise ein Plus von über 600 %.

 

Auf der Agenda

Konjunkturprognosen des Bundes

Am 15. Juni veröffentlicht die Expertengruppe des Bundes ihre Sommerkonjunkturprognose.

Die Luft wird langsam dünn

Die gute Stimmung am heimischen Aktienmarkt hält (vorerst) an. Der Swiss Market Index (SMI) schraubte bis Donnerstag sein Allzeithoch auf 11'832 Punkte. Haupttreiber waren die Pharmawerte Lonza und Roche. Stark präsentierten sich zudem der Aroma- und Dufthersteller Givaudan sowie der Baustoffspezialist Holcim. Deutlich geschwächelt haben hingegen die Finanztitel. Am Freitagmorgen resultierte für den SMI schliesslich ein Wochenplus von rund 2 %. Charttechnisch notiert er damit gut 10 % über seinem 200-Tagesschnitt. Zudem ist er klar überkauft. Die Volatilität ist indes niedrig. Der VSMI, das Schweizer Pendant zum Angstbarometer VIX, bewegt sich um die Marke von 13 Punkten. Er liegt damit nur knapp über seinem Vor-Krisen-Niveau. Anleger sollten vorsichtig sein: Die Luft nach oben wird in Ermangelung frischer Kursimpulse langsam dünn. Die Gefahr von Kursrücksetzern nimmt zu.

 

Schweizer Wirtschaft auf Erholungskurs

Die Zahl der Corona-Fälle sinkt von Woche zu Woche. Die damit einhergehenden Lockerungsschritte sind nicht nur für die Menschen ein positives Signal, sondern auch für die heimische Wirtschaft. Diese nimmt spürbar Fahrt auf. Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) befinden sich auf Rekordständen – die Unternehmen schauen also so positiv wie noch nie in die Zukunft. Und auch die Arbeitsmarktdaten sind verheissungsvoll. So ist die um saisonale Effekte bereinigte Arbeitslosenquote im Mai gemäss Daten des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) gegenüber dem Vormonat von 3,2 % auf 3,0 % gesunken. Sie liegt damit nur knapp über ihrem 5-Jahresschnitt (2,9 %). Der Wirtschaftsverband Economiesuisse zeigt sich mit Blick auf das laufende Jahr optimistisch. In seinem jüngsten Konjunkturausblick rechnet er mit einem Wirtschaftswachstum von 3,4 %.

Kehrseite des Aufschwungs ist die anziehende Inflation. So lag die Jahresteuerung hierzulande im Mai bei 0,6 %. Dies ist der höchste Stand seit knapp 2 Jahren. Das Plus von 0,3 % im Vergleich zum Vormonat ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: unter anderem auf die höheren Preise für Pauschalreisen ins Ausland sowie die nach einer Stagnationsphase zuletzt wieder gestiegenen Wohnungsmieten. Letztere machen rund 20 % des Warenkorbs zur Berechnung der Inflationsrate aus. Im internationalen Vergleich ist die Teuerung allerdings bescheiden, da der Energieanteil im Schweizer Warenkorb deutlich geringer gewichtet ist.

Der Erholungsprozess der Schweizer Wirtschaft wird aus unserer Sicht weniger dynamisch als in den meisten Nachbarländern verlaufen. Denn diese starten wegen der härteren und längeren Einschränkungen von tieferen Ausgangsniveaus. Wir prognostizieren für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,8 %.

 

Kryptosensation in El Salvador

Den Anlegern zeigte der Bitcoin diese Woche einmal mehr sein volatiles Gesicht. Nachdem China bekannt gab, seinen politischen Kurs in Sachen Kryptowährungen zu verschärfen, fiel er zeitweise bis auf 31'200 US-Dollar – so günstig wurde der Bitcoin zuletzt Ende Januar gehandelt. Für eine kleine Sensation sorgte er indes in El Salvador. Der zentralamerikanische Staat führt als erstes Land weltweit den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel ein. Das Parlament hat in der Nacht auf Mittwoch einer entsprechenden Gesetzesinitiative von Präsident Nayib Bukele zugestimmt.