Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Aktienmärkte tun sich weiterhin schwer damit, eine klare Richtung einzuschlagen. Schuld sind die abflauende Konjunkturdynamik sowie die restriktive Geldpolitik der Notenbanken. Insbesondere an Letzterer dürfte sich so schnell nichts ändern.

Chart der Woche

Ein neuer Rekord?

Online-Umsätze in den USA am Black Friday, in Milliarden US-Dollar

Ein neuer Rekord?

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Für Schnäppchenjäger ist der Black Friday wohl der wichtigste Tag im Jahr. Für den Handel läutet er das Weihnachtsgeschäft ein. Zwischen 2012 und 2020 haben sich in den USA die Online-Umsätze an diesem Tag fast verzehnfacht. Im vergangenen Jahr waren sie allerdings mit 8.9 Milliarden US-Dollar erstmals rückläufig (2020: 9 Milliarden US-Dollar). Schuld waren mitunter vorgezogene Rabattaktionen. Ob es heuer für einen neuen Umsatzrekord reicht, ist angesichts hoher Inflation und anhaltender Lieferengpässe abermals fraglich.

Aufgefallen

Invers, inverser, US-Zinskurve

Die Renditedifferenz zwischen 10- und 2-jährigen US-Staatsanleihen ist aktuell so gross wie zuletzt Anfang der 1980er-Jahre. Der Anleihemarkt sendet damit immer deutlichere Rezessionssignale.

Auf der Agenda

Wirtschaftswachstum Schweiz

Am 29. November veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die Drittquartalszahlen zum Schweizer Wirtschaftswachstum – im Vorquartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0.3 % gestiegen.

SMI ohne klare Richtung

Der Swiss Market Index (SMI) bewegte sich diese Woche über weite Strecken seitwärts. Unternehmensseitig sorgten die Grossbank Credit Suisse (CS) und der Chemiekonzern Ems für unerfreuliche Schlagzeilen. Beide Unternehmen gaben eine Gewinnwarnung heraus. Im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung bewilligten die CS-Aktionäre zudem eine rund 4 Milliarden Schweizer Franken schwere Kapitalerhöhung zur Restrukturierung des angeschlage-nen Finanzinstituts. Es gab aber auch positive Nachrichten. So sind die Auftragsbücher von U-Blox voll wie noch nie. Der Halbleiterspezialist bestätigte seine Finanzziele. Die Privatbank Julius Bär und der IT-Dienstleister SoftwareOne halten ebenfalls an ihrem jeweiligen Ziel fest. Eine Solaroffensive plant derweil die Axpo. Der grösste Schweizer Stromversorger will bis zum Jahr 2030 rund 1.5 Milliarden Franken in den Bau neuer Photovoltaikanlagen investieren.

 

Zurich startet Aktienrückkaufprogramm

Am Montag hat der Versicherungskonzern Zurich sein im August angekündigtes Aktienrückkaufprogramm gestartet. Bis Ende 2023 will das Unternehmen eigene Wertpapiere im Wert von bis zu 1.8 Milliarden Franken erwerben. Für Anleger sind dies gute Neuigkeiten. Denn eine Kapitalherabsetzung lässt für gewöhnlich nicht nur den Aktienkurs, sondern auch die Dividende pro Aktie steigen. Neben Zurich setzen derzeit mitunter auch Holcim, Julius Bär und Nestlé auf solche «Buybacks».

 

US-Fed erwägt langsamere Gangart

Gemäss den jüngsten FOMC-Protokollen denkt die Notenbank Fed über eine Drosselung des Zinserhöhungstempos nach. Sie begründet dies mit der Wirkungsverzögerung der bisherigen Zinsschritte. Die Börse reagierte auf die Nachricht zwar positiv, ein baldiges Ende des geldpolitischen Gegenwindes ist aber weiterhin nicht in Sicht. Die Anleger gehen davon aus, dass die US-Zinsen 2023 bis auf knapp 5 % steigen werden. Zudem reduziert die Fed stetig ihre Bilanzsumme und entzieht dem Markt so Liquidität.

 

OECD gibt sich pessimistisch

Angesichts der Folgen des Ukraine-Kriegs hat die OECD ihre Wachstumsprognosen für die Schweizer Wirtschaft erneut nach unten revidiert. Als grösste Konjunkturrisiken benennt sie mögliche Störungen der Industrieproduktion infolge von Energieengpässen. Im laufenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) neu nur noch um 2.1 % (statt 2.5 %) wachsen. Für nächstes Jahr rechnet die Industriestaatenorganisation mit einem Plus von 0.6 %, nach bisher 1.4 %. Immerhin soll es 2024 eine leichte Erholung geben.

 

Ölpreis auf 10-Monatstief

Ein Fass der Nordseemarke Brent kostete zuletzt zeitweise nur noch 82 US-Dollar, so viel wie Mitte Januar. Der starke Dollar, die schwächelnde Konjunktur sowie die angespannte Corona-Lage in China drücken den Preis des schwarzen Goldes. Die Gerüchte, dass die Ölallianz OPEC+ die seit Monatsbeginn gekürzten Fördermengen wieder anheben wolle, verstärkten den Abwärtstrend.

 

Jahresendrally – ja oder nein?

Historisch betrachtet neigen die Aktienmärkte im Dezember zu einer positiven Entwicklung. Grund ist mitunter das «Window Dressing», bei dem viele Anleger ihre Verlustbringer im Portfolio verkaufen und erfolgreiche Positionen aufstocken. Auch der SMI kennt das Phänomen der Jahresendrally. Seit seiner Einführung im Jahr 1989 hat er im Dezember nur neunmal einen Kursrückgang verzeichnet. Ob es heuer für einen versöhnlichen Jahresabschluss reicht, ist fraglich. Zum einen ging in der Vergangenheit einem starken Dezember meist ein positives Gesamtjahr voraus. Zum anderen spricht aus fundamentaler Sicht wenig für eine Rally. Dennoch: Wenn nur genügend Börsianer an eine Jahresendrally glauben, so besteht zumindest die Möglichkeit einer «selbsterfüllenden Prophezeiung».