Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Das risikolose Zinseinkommen existiert nicht mehr. Anleger, die ein regelmässiges Einkommen suchen, sind auf Dividendenaktien angewiesen. Es gibt einige interessante Schweizer Dividendenperlen.

Chart der Woche

Keine Dividendenkürzung seit 60 Jahren

Dividendenzahlung Nestlé seit 1959, in CHF

Keine Dividendenkürzung seit 60 Jahren

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist ein zuverlässiger Dividendenzahler. Seit Schaffung der Namenaktie 1959 hat das Unternehmen seine Ausschüttung nie reduziert, in den vergangenen 25 Jahren sogar jedes Jahr erhöht. Die Dividendenrendite betrug in dieser Zeit zwischen 1 % und 5.2 %, je nach Aktienkurs. Es ist davon auszugehen, dass Nestlé alles daran setzen wird, die Dividendenpolitik so fortzusetzen.

Aufgefallen

Der Staat zahlt Restaurantrechnung

Um die Bevölkerung zu motivieren, wieder auswärts zu essen, hat sich Grossbritannien etwas Besonderes einfallen lassen. Von Montag bis Mittwoch zahlt der Staat die Hälfte der Rechnung. Trotz Einschränkungen hat das Programm Erfolg. Die Lokale können sich vor Reservationen kaum retten, zumindest in der ersten Wochenhälfte.

 

Auf der Agenda

Schweizer Uhrenexporte

Am 20. August präsentiert der Verband der Schweizer Uhrenindustrie die neusten Exportzahlen. Nach einem massiven Einbruch während der Lockdown-Phase hatte sich im Juni eine leichte Entspannung abgezeichnet.

Dividenden sind die neuen Zinsen

Früher war nicht alles besser. Sicher ist aber: Die Zinsen waren höher. Auch risikoscheue Anleger konnten ihr Geld anlegen und erhielten dafür eine Rendite. Wer sein Vermögen in Staatsanleihen der Eidgenossenschaft parkierte, konnte auf den risikolosen Zinssatz zählen. Denn Schweizer Staatsanleihen stehen seit jeher für Qualität. Heute sieht das anders aus. Die Rendite von Staatspapieren mit einer Laufzeit von 12 Monaten steht bei rund -1 %. Mehr noch: Die Zinsen sind für Schweizer Staatsanleihen über alle Laufzeiten negativ. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, denn die Zinsen scheinen vielerorts im negativen Bereich zementiert. Die niedrigen Zinsen helfen den Unternehmen, sich günstig zu verschulden und nicht unter der Zinslast zu ersticken. In der Schweiz schwächen sie zudem den Franken und verhindern so eine weitere Aufwertung. Sie belasten aber den Sparer und Anleger. Wer eine regelmässige Ausschüttung sucht, kommt daher nicht an Dividenden und somit an Aktien vorbei. Die aktuell erwartete Dividendenrendite des Swiss Performance Index (SPI) beträgt 2.8 %. Sie ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Aufgrund der Corona-Krise sind die Gewinne bei vielen Unternehmen eingebrochen. Ob sie für 2020 überhaupt etwas an die Aktionäre ausschütten, ist ungewiss.

Zu den attraktiven Dividendenzahlern gehören Versicherungen. Spitzenreiter ist im Moment der Rückversicherer Swiss Re mit einer erwarteten Dividendenrendite von gut 8 %. Die Rendite ist derart hoch, weil die Aktien seit Anfang Jahr einen Drittel ihres Wertes eingebüsst haben. Das Problem des Rückversicherers: Im ersten Halbjahr verbuchte Swiss Re, Coronabedingt, einen Milliardenverlust. Der Markt rechnet für das laufende Jahr mit einem Gewinn pro Aktie von CHF 0.25. Dem steht eine geschätzte Dividendenerwartung von CHF 5.80 gegenüber. 2019 schüttete Swiss Re CHF 5.90 an seine Aktionäre aus. Da Swiss Re über ein ausgeprägtes Kapitalpolster verfügt, werden die Anleger auch trotz Corona-Krise wohl nicht leer ausgehen. Dennoch sollte eine Dividende in der Regel aus dem Gewinn bezahlt werden. Zu den attraktiven Ausschüttern zählt auch der Versicherungskonzern Zurich mit einer erwarteten Rendite von 5.7 %. Aus Dividendenoptik ist auch der Telekomsektor attraktiv. Bei Swisscom liegt die Dividendenrendite derzeit bei 4.5 %. Der Grund für die höheren Ausschüttungen im Versicherungs- und Telekomsektor sind die relativ konstanten Erträge und die begrenzten Wachstumsaussichten. Dadurch fehlen den Gesellschaften die Anlagealternativen und sie schütten Geld an die Anleger aus. Tatsächlich sind Dividendenperlen oft in etablierten Industrien tätig und weniger zyklisch.

Hat sich ein Unternehmen den Ruf eines Dividendenzahlers erarbeitet, wird sie nach Möglichkeit an der Ausschüttung festhalten, schliesslich geht es um Anlegervertrauen. Paradebeispiel ist der Nahrungsmittelkonzern Nestlé (siehe Chart der Woche). Das Unternehmen verfügt aktuell mit 2.6 % zwar nicht über die höchste Ausschüttungsrendite, wird aber viel daran setzen, dass die Dividendenpolitik nicht abreisst. Auch die Pharmaindustrie hat mit Novartis und Roche zwei attraktive Dividendenzahler, deren Ausschüttungspolitik Anleger begeistert. Novartis hat die Ausschüttung seit 1996 jährlich von 0.50 CHF auf aktuell 2.95 CHF erhöht. Die Rendite beträgt damit 3.9 %. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Pharmakonzern Roche. Aufgrund der stärkeren Entwicklung des Aktienkurses errechnet sich daraus eine aktuelle Rendite von knapp 3 %. So vielversprechend die Ausschüttungen auch bei etablierten Schweizer Unternehmen sind, sie haben ihren Preis: Aktienkurse schwanken. Investoren, die sich eine Dividende sichern wollen, sollten langfristig orientiert sein, dann liegt oft sogar noch ein Kursgewinn drin.