Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2021 nimmt Fahrt auf. Zu neuen Höhenflügen vermögen die bis dato soliden Zahlen dem SMI aber nicht zu verhelfen. Vieles ist in den aktuellen Kursen bereits vorweggenommen.

Chart der Woche

Erstmals wieder positiv

Rendite 10-jährige Eidgenossen

Erstmals wieder positiv

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Aussicht auf nahende Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed – wir rechnen derzeit für 2022 mit deren zwei – sorgt für Verkaufsdruck bei Staatsanleihen. Infolgedessen rentieren 10-jährige Obligationen der Eidgenossenschaft mit 0,026 % erstmals seit November 2018 wieder positiv. Das Aufwärtspotenzial ist aber limitiert, da die Schweizerische Nationalbank (SNB) (vorerst) an ihrer lockeren Geldpolitik festhält. Wir sehen die Renditen von Eidgenossen mit einer Laufzeit von 10 Jahren daher auf Jahressicht bei 0,10 %.

Aufgefallen

BMW und Porsche auf der Überholspur

Trotz Halbleitermangel haben BMW und Porsche 2021 so viele Autos wie noch nie verkauft. Hauptabsatztreiber war der US-Markt. Insbesondere Elektromodelle erfreuten sich grosser Beliebtheit: So löste bei den Stuttgartern die E-Linie Taycan den 911er als Topseller ab.

 

Auf der Agenda

Produzentenpreise Schweiz

Am 18. Januar veröffentlicht das Bundesamt für Statistik die Zahlen zur Entwicklung der Produzentenpreise im Dezember. Wir gehen davon aus, dass diese, nach einem Jahresplus von 5,8 % im Vormonat, nochmals etwas höher liegen dürften.

Schweizer Börse fehlt es an Kursimpulsen

Nach neuerlichen Höhenflügen war dem Schweizer Aktienmarkt in der zweiten Januarwoche nicht zu Mute. Der Swiss Market Index (SMI) zeigte sich volatil. Er bewegte sich über weite Strecken zwischen 12'600 und 12'700 Punkten. Am Freitagmorgen resultierte ein Wochenminus von 1,4 %. Unter Abgabedruck standen insbesondere die Valoren des Sanitärtechnikers Geberit sowie des Pharmaauftragsfertigers Lonza. Gefragt waren hingegen der Baustoffspezialist Holcim sowie einmal mehr Banken und Versicherer.

Die soeben begonnene Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2021 vermochte auf Indexebene bis dato noch kaum Kursimpulse zu setzen. Nach den vielversprechenden Quartalsergebnissen im vergangenen Jahr hatte der Markt die Rekordzahlen des Bauchemiekonzerns Sika, des Vakuumventilherstellers VAT sowie des Industriezulieferers Bosshard grösstenteils bereits eingepreist. Auch die starke Entwicklung des Sanitärtechnikers Geberit und des Finanzdienstleisters Partners Group kam nicht überraschend. Nächste Woche werden dann unter anderem der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli, der Pharmagrosshändler Galenica sowie der Industriekonzern Huber + Suhner Einblick in ihren Geschäftslauf gewähren.

Spannender als der Blick in den Rückspiegel ist der Blick nach vorne. Nach der starken Konjunkturerholung 2021 nimmt die wirtschaftliche Dynamik in den kommenden Quartalen ab. Gleichzeitig drücken die hohen Inputpreise auf die Margen der Unternehmen. Infolgedessen dürfte das Gewinnwachstum 2022 geringer ausfallen. Die steigenden Zinsen werden insbesondere wachstumsorientierten Unternehmen Gegenwind bescheren. Klar im Vorteil dürften daher Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und Preissetzungsmacht sein. Anlagetaktisch raten wir daher den Fokus auf Substanzwerte zu legen.

 

Euro bricht Erholungsversuch ab

Neues Jahr, neues Glück? Dies hätte man zuletzt beim Blick auf den EUR/CHF-Wechselkurs denken können. Nachdem der Euro im vergangenen Dezember bis auf 1.0333 Franken abgerutscht ist, ging es für ihn im neuen Jahr, dank abnehmender Omikron-Sorgen der Anleger, aufwärts. Diese Woche schaffte die europäische Einheitswährung zeitweise gar den Sprung über die Marke von 1.05 Franken. Doch dort war für den Euro erstmal Schluss. Zu schwer lastet die Inflationsdifferenz zwischen der Eurozone und der Schweiz auf ihm. Unserer Meinung nach ist und bleibt die Euro-Parität nur eine Frage der Zeit. Auf Jahressicht sehen wir den EUR/CHF-Kurs bei 1.01.

 

Airbus im Aufwind

Der Ausbruch der Corona-Pandemie kam für die internationale Luftfahrt einem Grounding gleich. Dank der im letzten Jahr anziehenden Nachfrage geht es für die Branche aber wieder aufwärts. Davon profitierte der europäische Flugzeugbauer Airbus. Dieser lieferte 2021 über 600 Verkehrsjets (+8 % gegenüber 2020) aus und hat damit die selbst gesteckten Ziele übertroffen. Aller Voraussicht nach dürfte das Unternehmen das dritte Jahr in Folge, vor seinem US-Konkurrenten Boeing, Weltmarktführer sein.

 

Teuerungsdruck in den USA hält an

Die Inflation in den USA ist im Dezember von 6,8 % auf 7,0 %, den höchsten Stand seit 1982, gestiegen. Die Märkte hatten dies bereits weitgehend eingepreist und zeigten sich daher unbeeindruckt. Der Druck auf die US-Notenbank Fed, ihre Geldpolitik zu straffen, nimmt aber weiter zu. Diese erwägt neben mehreren Zinserhöhungen auch eine Reduktion der Bilanzsumme. Unserer Meinung nach werden die Corona-bedingten Basiseffekte in den kommenden Monaten nachlassen. Zusammen mit einer restriktiveren Geldpolitik des Fed sollte dann der Teuerungsdruck in den USA etwas abflachen. Wir erwarten daher für 2022 eine Jahresinflation von 4,5 %.