• Forschungs- & Werkplatz Schweiz
  • Unternehmensführung

Erholung kommt weiter voran

Die Anzeichen für eine Belebung der Industrie verdichten sich. Die bessere Auftragslage schlägt sich angesichts des Kostendrucks bislang jedoch noch nicht in den Gewinnmargen nieder, wie eine Sonderumfrage zeigt. Die Erholung steht erst am Anfang. Damit sie auch bei den Gewinnmargen ankommt, muss die positive Auftragsdynamik andauern.

01.10.2026

Der Raiffeisen KMU PMI ist im September leicht von 54.9 auf 54.5 Punkte gesunken, liegt aber weiterhin deutlich in der Wachstumszone. Der Gesamtindex signalisiert damit eine ähnlich kräftige Expansion wie im August. Die meisten Komponenten gaben nur geringfügig nach. Dies gilt auch für die beiden am stärksten gewichteten Komponenten, den Auftragsbestand und die Produktion. Beide Teilindizes liegen mit über 56 Punkten nach wie vor deutlich in der Wachstumszone. Auch die Einschätzung der Lieferfristen hat sich kaum verändert. Die entsprechende Komponente sank von 57.4 auf 57.2 Punkte und deutet damit weiterhin auf eine Verlängerung der Lieferfristen hin. Die Beschäftigungskomponente wiederum ist leicht gestiegen und liegt erstmals seit März wieder knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Einkaufslagerkomponente fiel hingegen wieder unter diese Marke und setzte damit ihren volatilen Verlauf fort.

Der weiterhin robuste Raiffeisen KMU PMI erhärtet das Bild einer allmählichen Industrieerholung. Erste Aufwärtssignale waren bereits zu Jahresbeginn erkennbar. Der Iran-Konflikt drohte die beginnende Erholung durch höhere Energiepreise und neue Lieferengpässe auszubremsen. Bislang hält die Industrie diesen Belastungen jedoch stand. Auch international mehren sich die Hinweise auf eine zyklische Belebung der Industriekonjunktur. Zusätzliche Impulse gehen derzeit von längerfristigen Investitionstrends aus. Dazu zählen Investitionen in künstliche Intelligenz, höhere Verteidigungsausgaben sowie der Ausbau der Strominfrastruktur.

In den Gewinnmargen der KMU ist von der Erholung allerdings noch wenig zu spüren, wie eine Sonderumfrage von Raiffeisen zeigt. Lediglich 20% der befragten Exportunternehmen berichten von einer Verbesserung ihrer Gewinnmarge seit Anfang Jahr. Rund 40% melden eine unveränderte Marge, bei fast ebenso vielen hat sie sich verschlechtert. Bei den inlandsorientierten KMU zeigt sich ein stabileres, aber ebenfalls verhaltenes Bild. Bei 60% blieb die Gewinnmarge unverändert. Rund 27% berichten von einer Verschlechterung, während lediglich 13% eine Verbesserung verzeichneten.

Ein wichtiger Grund für die verhaltene Margenentwicklung dürfte der gestiegene Kostendruck sein. Infolge des Iran-Konflikts haben insbesondere die Energie- und Transportkosten zugenommen. Die Abschwächung des Frankens verbessert zwar tendenziell die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure, verteuert aber zugleich importierte Rohstoffe und Vorprodukte. Der Kostendruck fällt deutlich geringer aus als nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs, belastet die Gewinnmargen aber dennoch. Bislang gelingt es den KMU offenbar nur teilweise, die Mehrkosten durch Einsparungen aufzufangen oder über höhere Verkaufspreise an ihre Kunden weiterzugeben.

Wie hat sich die Gewinnmarge Ihres Unternehmens seit Anfang 2026 entwickelt?

Wie hat sich die Gewinnmarge Ihres Unternehmens seit Anfang 2026 entwickelt?

Eine Mehrheit der befragten KMU beurteilt ihre aktuelle Margensituation als neutral, also weder als komfortabel noch als unkomfortabel. Rund ein Viertel bezeichnet die eigene Gewinnmarge jedoch als unkomfortabel. Die Unternehmensstimmung hat sich jüngst verbessert, die Industrieerholung befindet sich aber noch in einer frühen Phase. Die steigenden Aufträge führen zunächst zu einer besseren Auslastung der vorhandenen Kapazitäten. Damit sich mit der Zeit auch die Gewinnmargen erholen, muss die positive Auftragsdynamik andauern. Auf der Kostenseite zeichnet sich bislang kaum Entlastung ab.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Gewinnmarge Ihres Unternehmens?

Wie beurteilen Sie die aktuelle Gewinnmarge Ihres Unternehmens?

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

 

Sep 26Aug 26Jul 26Jun 26Mai 26
Gesamtindex

54,5

54,9

50,7

49,4

48,4
Auftragsbestand

56,2

56,2

51,9

48,5

48,6
Produktion

56,1

56,2

49,9

49,2

47,8
Beschäftigung

50,4

49,8

49,4

49,5

49,4
Lieferfristen

57,2

57,4

55,0

51,4

49,2
Einkaufslager

49,1

52,9

45,9

49,9

46,1

50 = Wachstumsschwelle

Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic

Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

Jetzt Teil des Konjunkturindikators werden!

 

KMU PMI

Sind Sie ein kleines oder mittleres Unternehmen und in der Industrie tätig? Wir suchen weitere KMU, die monatlich eine kurze Umfrage (< 5 Min.) ausfüllen. Seien Sie jetzt Teil einer erfolgreichen Idee, denn der Konjunkturindikator ist ein wichtiger Gradmesser, um positive oder negative Impulse aus dem Markt frühzeitig zu erkennen.

Unter allen teilnehmenden Industrie-KMU verlosen wir ein Preisgeld von bis zu 3'000 Franken. Sie erhalten zudem alle Umfrageergebnisse und Analysen noch vor deren Publikation.

Keine Konjunktureinschätzung mehr verpassen.