Der Margendruck steigt wieder
Die Industrie-KMU melden im April eine nachlassende Wachstumsdynamik. Gleichzeitig steigen die Einkaufspreise für Roh- und Vorprodukte. Das erhöht den Margendruck: Laut Sonderumfrage können die meisten KMU steigende Kosten nur sehr begrenzt über höhere Verkaufspreise weitergeben.
04.05.2026
Nachdem der Raiffeisen KMU‑PMI drei Monate in Folge zulegen konnte, ist er im April von 55.0 auf 52.1 Punkte gesunken. Damit signalisiert der PMI zwar weiterhin eine Belebung der Geschäftsaktivität. Gegenüber dem Vormonat ist jedoch der Anteil der KMU gesunken, der eine Verbesserung meldet. Besonders bei den exportorientierten Unternehmen zeigt sich eine Abschwächung, wobei auch bei ihnen die positiven Rückmeldungen noch überwiegen. Am stärksten sank der Teilindex zum Auftragsbestand (von 59.4 auf 54.5 Punkte). Auch die Produktion expandierte weniger dynamisch als in den Vormonaten. Die Beschäftigungskomponente fiel unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten und notiert bei 48.8. Die Verschlechterung ist dabei in erster Linie auf die exportorientierten KMU zurückzuführen.
Die Komponente zu den Lieferfristen fiel am wenigsten stark und notiert mit 54.6 Punkten weiterhin auf einem im Vergleich zu den letzten Jahren hohen Niveau. Normalerweise deuten längere Lieferfristen auf eine höhere Kapazitätsauslastung hin, weshalb ein Anstieg der Komponente positiv in den Gesamtindex einfliesst. Im aktuellen Umfeld dürften längere Lieferfristen jedoch eher Lieferkettenstörungen widerspiegeln. Die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten führt teilweise zu Verzögerungen bei einzelnen Roh‑ und Vorprodukten wie z. B. petrochemischen Erzeugnissen, Aluminium oder Helium. Einzelne KMU berichten zwar von der Absicht, mehr Vorprodukte auf Vorrat zu beschaffen, insgesamt ist die Einkaufslager‑Komponente im April jedoch deutlich zurückgegangen (von 50.4 auf 46.4 Punkte).
Mehr als zwei Drittel der befragten KMU melden in den letzten zwei Monaten steigende Einkaufspreise für Roh‑ und Vorprodukte (ohne Energie). Bei den Exportunternehmen verzeichnet rund ein Fünftel sogar stark steigende Einkaufspreise.
Wie haben sich die Einkaufspreise Ihrer wichtigsten Rohstoffe und Vorprodukte seit Beginn des Iran‑Konflikts (28.02.2026) entwickelt?
Nur ein kleiner Teil der befragten KMU erwartet, steigende Einkaufskosten in den kommenden 3-6 Monaten vollständig über höhere Verkaufspreise weitergeben zu können, ohne dass die Nachfrage deutlich zurückgeht. Besonders bei exportorientierten KMU ist die Preissetzungsmacht begrenzt: 30% sehen gar keinen Spielraum für Preiserhöhungen ohne spürbaren Nachfragerückgang. Bei inlandsorientierten Unternehmen erwarten 42% Preiserhöhungen in moderatem (vereinzelt grossem) Umfang; bei exportorientierten KMU liegt dieser Anteil bei rund einem Drittel.
In welchem Ausmass können Sie Kostensteigerungen im Einkauf in den kommenden 3 bis 6 Monaten an Ihre Kunden weitergeben, ohne dass die Nachfrage deutlich zurückgeht?
Zu Beginn des Jahres hatten sich die Margen in der Industrie gemäss der Schweizerischen Nationalbank noch etwas verbessert. Die Unternehmen führten dies auf ihre Anstrengungen zurück, die Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Seit der Eskalation des Iran-Konflikts Ende Februar 2026 ist der Margendruck jedoch wieder gestiegen. Die Inputkosten ziehen an, während eine Erhöhung der Verkaufspreise am Markt meist nur eingeschränkt durchsetzbar ist.
Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)
| Apr 26 | Mär 26 | Feb 26 | Jan 26 | Dez 25 |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtindex | 52,1 | 55,0 | 53,5 | 50,2 | 49,4 |
| Auftragsbestand | 54,5 | 59,4 | 55,6 | 50,8 | 49,6 |
| Produktion | 52,9 | 55,0 | 55,0 | 52,3 | 49,9 |
| Beschäftigung | 48,8 | 50,2 | 51,0 | 46,5 | 49,5 |
| Lieferfristen | 54,6 | 55,4 | 50,2 | 50,1 | 49,7 |
| Einkaufslager | 46,4 | 50,4 | 53,0 | 50,9 | 46,8 |
50 = Wachstumsschwelle
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Domagoj Arapovic
Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.
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