• Märkte & Meinungen
  • Anlegen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Der Waffenstillstand im Nahostkonflikt sorgt an der Börse kurzfristig für steigende Kurse. Weil die Lage fragil bleibt, ist allerdings weiter mit hohen Schwankungen zu rechnen. In den kommenden Wochen rücken zudem die Quartalszahlen in den Fokus.

10.04.2026

Der Waffenstillstand beflügelt die Börsen

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges im Iran hat die Finanzmärkte am Mittwoch begeistert. Grund sind der niedrigere Ölpreis und die rückläufigen Zinsen. Anlegerinnen und Anleger gehen davon aus, dass mit dem günstigeren Ölpreis die Inflationsgefahr vorerst gebannt ist. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Rohöl immer noch 60% über dem Kurs von Anfang Jahr notiert. Inflationäre Tendenzen sind also nach wie vor gegeben. Der zweiwöchige Waffenstillstand unterstreicht zwar, dass beide Parteien an einer Beilegung des Krieges interessiert sind, deshalb das Ende des Konflikts zu verkünden, ist indes verfrüht. Dazu scheinen die Verhandlungspositionen der Kriegsparteien zu weit auseinander. Zudem weiss der Iran, dass er mit der Blockade der Strasse von Hormus über ein enormes Druckmittel verfügt. Die geopolitische Situation ist weiterhin als äusserst fragil einzustufen – und das spiegelt sich auch an den Börsen.

 

Die Schweizer Börse profitiert

Auch der Swiss Market Index (SMI) schwenkte mit Bekanntgabe der temporären Waffenruhe auf den Erholungspfad ein. Besonders gefragt waren Aktien zyklischer Unternehmen wie Richemont, ABB oder Holcim. Das Nachsehen hatten die Valoren von Swisscom. Allerdings hatten sich diese seit Beginn des Krieges gut gehalten und führen das Kurstableau des SMI seit Anfang des Jahres weiter an. Mit dem Beginn des zweiten Quartals rückt auch die Publikation der Quartalszahlen wieder in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Diese Woche standen vor allem Umsatzzahlen auf der Agenda. So meldete der Chemiekonzern Ems-Chemie für das erste Quartal einen Umsatzeinbruch von 6.6% gegenüber dem Vorjahr. Grund ist der starke Franken. Das Unternehmen beziffert den Währungseffekt auf -7.3%. An der Prognose für das Gesamtjahr hält das Unternehmen fest. Über einen Grossauftrag konnte sich Implenia freuen. Der Baukonzern hat einen 200-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau des neuen Polizeipräsidiums in der deutschen Stadt Münster erhalten.

 

Volatile Stimmung der Investoren

Angst und Gier treiben die Börsenkurse. Wie rasch sich die emotionale Verfassung der Investoren ändern kann, zeigt der Fear and Greed Index, der aus verschiedenen Indikatoren auf die Stimmung der Anleger schliesst. Noch Anfang dieser Woche stand der Indikator auf «Extreme Angst», hat sich mittlerweile aber auf «Angst» verbessert. Dass die Stimmung angeschlagen ist, zeigt auch der Konjunkturindex Sentix, der jüngst auf den tiefsten Stand seit April des vergangenen Jahres gefallen ist. Damals hatte US-Präsident Donald Trump hohe Strafzölle angeordnet. Grund für den Einbruch sind die hohen Energiepreise, mit denen ein deutlicher Anstieg der Inflation einhergeht. Neben der schlechten Beurteilung der aktuellen Lage haben sich auch die Aussichten markant eingetrübt. Der Rückgang ist derart ausgeprägt, weil Rezessionsängste wieder aufgeflackert sind und eine ernstzunehmende Gefahr darstellen. Ob diese Bedenken mit dem ausgerufenen Waffenstillstand vom Tisch sind, wird sich zeigen. Denn langfristige Trends schwanken deutlich weniger stark als die Stimmung der Investoren.

Inflationsbekämpfung oder Arbeitsmarktstabilität?

Das Doppelmandat der US-Notenbank Fed zwingt diese zur Flexibilität. Gemäss ihren jüngsten Sitzungsprotokollen hält sie vorerst an ihrem geldpolitischen Kurs fest, bis klar wird, von welcher Seite her das grössere Risiko kommt. Als Basisszenario gelten weiterhin Zinssenkungen.

 

Investiert sein ist wichtig

Diese Woche verdeutlichte, wie viel wichtiger es ist, im Markt investiert zu sein, als zu versuchen, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu erwischen. Wer die besten Tage verpasst, dessen Rendite schrumpft markant. Diesen Mittwoch haben die Börsen euphorisch auf die Waffenruhe im Iran reagiert. Mit einem Plus von 2.6% gehörte der Tag im Swiss Performance Index (SPI) zum besten Prozent seit der Jahrtausendwende. Oder anders ausgedrückt: An 99% der fast 7’000 Handelstage seit Anfang 2000 war die Performance schwächer als am vergangenen Mittwoch. Ein Tag, den man als Anleger lieber nicht verpasst.

Auf der Agenda

US-Banken legen vor

Mit JPMorgan, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo publizieren kommende Woche die grössten US-Banken ihre Zahlen. 

Aufgefallen

Stabiler Schweizer Arbeitsmarkt

Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) sank die Arbeitslosenquote in der Schweiz im März auf 3.1%.

Chart der Woche

Der grosse Inflationsschub kommt noch

Preisentwicklung von Erdöl der Sorte Brent und Durchschnittspreise, in USD pro Barrel

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der hohe Ölpreis wirkt inflationär. Wie stark, verdeutlicht der Vergleich des aktuellen Preises mit den Durchschnittswerten der vergangenen Quartale. Derzeit liegt der Ölpreis rund 22% über dem Schnitt des ersten Quartals. Und je länger der Ölpreis hoch bleibt, desto stärker ist der preistreibende Effekt. Aber das ist nur ein Aspekt. In Asien und Australien herrscht aufgrund der bis Mittwoch geschlossenen Strasse von Hormus bereits ein Energieengpass.

Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Marktkommentar.