Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Unsicherheit dominiert an den Börsen. Eine schwache Performance seit Anfang Jahr ist die Regel. Doch nicht alles ist schlecht. Auch in der Schweiz gehen gewisse Unternehmen als Gewinner aus der Corona-Krise hervor.

Chart der Woche

Des einen Freud, des anderen Leid

Aktienkurse von Adyen und Wirecard seit Januar 2020, indexiert

Des einen Freud, des anderen Leid

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Zahlungsdienstleister Wirecard ist insolvent. Ein angeblicher Bilanzskandal schickte die Aktien auf Talfahrt. In der Kasse fehlen knapp 2 Milliarden Euro. Dass der elektronische Zahlungsverkehr aber Zukunft hat, zeigt die Entwicklung der Konkurrentin Adyen, deren Aktienkurs allein seit Anfang des Jahres 78 % zugelegt hat.

Aufgefallen

Apple setzt auf eigene Chips

Der US-Technologiekonzern Apple beendet die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Partner Intel. Mac-Computer sollen künftig mit eigenen Prozessoren ausgestattet werden. Beim iPhone und iPad setzt Apple bereits auf eigene Prozessoren.

 

Auf der Agenda

KOF Konjunkturbarometer

Am 30. Juni veröffentlicht die Konjunkturforschungsstelle der ETH ihr Konjunkturbarometer. Dieses zeigt an, wie sich die Schweizer Wirtschaft in der nahen Zukunft entwickeln dürfte. Nachdem der Indikator im Mai auf ein historisches Tief gefallen ist, wird nun eine deutliche Erholung erwartet. 

 

Die Schweizer Gewinner der Corona-Krise

Corona, Lockdown und Kurzarbeit. Die ersten Erfahrungen im Homeoffice, geschlossene Restaurants und das bundesrätliche Verbot, sich mit Freunden zu treffen, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben – vieles davon nicht nur in guter. Auch Anleger haben eine schwere Zeit hinter sich. Sie haben in dieser Phase vor allem Geld verloren. Auf jeden Fall vermittelt der Blick auf die weltweiten Börsen ein solches Bild. 

Diese Periode hat aber auch in der Schweiz Gewinner hervorgebracht. Ganz prominent den Pharmakonzern Roche. Dieser profitierte direkt von Covid-19, weil Medikamente von Roche zur Behandlung einer durch Covid-19 ausgelösten Lungenentzündung eingesetzt werden. Zudem hat das Unternehmen in den USA und anderen Ländern für einen Corona-Test eine Notfallzulassung erhalten. Die Aktien des SMI-Schwergewichts handeln deshalb fast 10 % über dem Stand von Ende Jahr, während der breite Markt noch immer negativ tendiert. Gar verdoppelt haben sich die Valoren der Versandapotheke Zur Rose. Die Corona-Krise wirkte als Katalysator und dürfte dazu beitragen, dass sich der Medikamentenhandel noch rascher in den Online-Bereich verlagert. Absoluter Spitzenreiter ist allerdings Relief Therapeutics. Die Marktkapitalisierung des Biotech-Unternehmens hat sich von 2 Mio. Franken auf über 50 Mio. vervielfacht (+2'400 %), zwischenzeitlich lag der Wert gar über 100 Mio. Franken. Grund für die Höherbewertung ist die Nachricht, dass Relief Therapeutics einen Wirkstoff an Covid-19 Patienten testete. Was daraus wird ist ungewiss, ein Investment in die Aktie bleibt höchst spekulativ. 

Der Aktienkurs von Lonza liegt 2020 ebenfalls 40 % im Plus. Der Auftragsfertiger für die Pharmaindustrie soll von der Produktion eines möglichen Impfstoffs gegen das Corona-Virus profitieren. Dank Homeoffice, Homeschooling und Internetshopping hat die Digitalisierung während der Corona-Zeit einen weltweiten Schub erfahren. Das verhalf dem Hersteller von Computerzubehör Logitech zu einem guten Quartalsergebnis. Das Unternehmen will deshalb die Dividende erhöhen und hat zusätzlich ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 250 Mio. US-Dollar lanciert. Vom gleichen Trend profitierte der IT Dienstleister Also, dessen Aktien ein Plus von 41 % verzeichnen.  

Auch Givaudan-Aktionäre haben mit einem Gewinn von 13 % Grund zur Freude. Die Titel des Aroma- und Riechstoffherstellers profitieren indes nicht von einer gesteigerten Nachfrage, sondern vom defensiven Geschäftsmodell. Anders der Finanzsektor: Wer zu Hause sitzt und nur begrenzte Möglichkeiten hat, sein Geld auszugeben, sorgt sich offenbar um sein Vermögen. Davon hat die Online-Bank Swissquote profitiert, deren Aktienkurs dieses Jahr fast 70 % nach oben kletterte. Wegen der Marktverwerfungen sind die Handelsvolumen im ersten Semester so stark angestiegen, dass Swissquote in einer Vorabmeldung bekannt gegeben hat, dass sich der Vorsteuergewinn gegenüber der Vorjahresperiode mehr als verdoppelt haben soll.  

Im Zuge dieser Kursbewegungen haben sich die Bewertungen vieler dieser Aktien verteuert. Die erwähnten Unternehmen haben von Corona profitiert, oder davon, dass die Digitalisierung rascher vorangeschritten ist. Schüler sind mit Videokonferenzen und Homeschooling vertraut, ältere Menschen erledigen Online-Einkäufe unterdessen mit einer nie dagewesenen Selbstverständlichkeit. Dies ist allerdings in den Erwartungen der Aktien mehrheitlich enthalten. Normalisiert sich die Situation, dürfte die Nachfrage nach diesen Produkten sinken und die Aktienkurse drücken. Erfolgreich werden Unternehmen sein, die mit ihren Produkten eine ganze Industrie umzukrempeln.