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Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Der Raiffeisen KMU‑PMI ist im Mai deutlich auf 48.4 Punkte gefallen und liegt damit erstmals in diesem Jahr wieder unter der Wachstumsschwelle. Besonders exportorientierte KMU melden eine deutliche Eintrübung ihrer Geschäftslage. Die Erwartungen sind gedämpft: Nur 15% der Exportbetriebe rechnen im zweiten Halbjahr mit einer nachhaltigen Erholung der Auftragslage.

01.06.2026

Der Raiffeisen KMU‑PMI ist im Mai von 52.1 auf 48.4 Punkte gesunken und damit erstmals in diesem Jahr wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 gefallen. Der Rückgang ist vor allem auf die schlechtere Geschäftslage bei den exportorientierten KMU zurückzuführen. Besonders stark fiel die Abschwächung beim Auftragsbestand (von 54.5 auf 48.6) und bei der Produktion (von 52.9 auf 47.8) aus. Damit fielen beide Komponenten wieder klar unter die Wachstumsschwelle von 50. Auch die Lieferfristen signalisierten erstmals in diesem Jahr wieder eine Verschlechterung. Einzig die Beschäftigungskomponente stieg leicht an, sie blieb aber knapp unter 50 Punkten.

Die positive Entwicklung der Vormonate erweist sich damit als nicht nachhaltig. Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar kam es zu Vorzieheffekten: Unternehmen zogen aus Sorge vor steigenden Preisen und möglichen Lieferengpässen einige Bestellungen vor. Rund die Hälfte der von Raiffeisen befragten exportierenden KMU berichtet von entsprechenden Effekten. Dies hat die Auftragslage im März und April kurzzeitig verbessert.

Beobachten Sie seit Beginn des Iran Konflikts, dass Bestellungen vorsorglich früher als üblich erfolgen – etwa aus Sorge vor steigenden Preisen oder Lieferengpässen?

Beobachten Sie seit Beginn des Iran Konflikts, dass Bestellungen vorsorglich früher als üblich erfolgen – etwa aus Sorge vor steigenden Preisen oder Lieferengpässen?

Der Anstieg des KMU-PMI setzte bereits vor dem Iran-Krieg ein, was darauf hindeutet, dass neben Vorzieheffekten auch eine gewisse konjunkturelle Belebung eine Rolle gespielt hat. Nun verzögert sich die Erholung im Industriesektor aber erneut. Nur 15% der von Raiffeisen befragten Exportunternehmen rechnen im zweiten Halbjahr mit einer nachhaltigen Erholung der Auftragslage. Mehr als die Hälfte erwartet frühestens nächstes Jahr einen Ausweg aus der Krise. Die weitere geopolitische Entwicklung bleibt ein wichtiger Unsicherheitsfaktor für die globale Industriekonjunktur. Es ist nach wie vor unklar, wann eine nachhaltige Verhandlungslösung mit einer Öffnung der Strasse von Hormuz erreicht werden kann. Angesichts der verhärteten Fronten könnte dies noch Monate dauern. Fast 30% der von Raiffeisen befragten KMU wagt deshalb keine Einschätzung, wann der Ausweg aus der Industriekrise gelingen könnte. Die Planungsunsicherheit ist demnach hoch, was die Unternehmen wiederum zu einer vorsichtigen Investitions- und Personalpolitik veranlassen dürfte. Immerhin zeigen sich die inlandorientierten Betriebe nach wie vor deutlich optimistischer als die exportierenden KMU. 

Wann erwarten Sie eine nachhaltige Erholung der Auftragslage in Ihrem Unternehmen?

Wann erwarten Sie eine nachhaltige Erholung der Auftragslage in Ihrem Unternehmen?

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

 

Mai 26Apr 26Mär 26Feb 26Jan 26
Gesamtindex48,4

52,1

55,0

53,5

50,2

Auftragsbestand48,6

54,5

59,4

55,6

50,8

Produktion47,8

52,9

55,0

55,0

52,3

Beschäftigung49,4

48,8

50,2

51,0

46,5

Lieferfristen49,2

54,6

55,4

50,2

50,1

Einkaufslager46,1

46,4

50,4

53,0

50,9

50 = Wachstumsschwelle

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Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic

Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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