Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

In den USA sank die Teuerung im Juli auf 8.5 %. Die US-Notenbank Fed wird trotzdem weiter an der Zinsschraube drehen. Dass die globale Konjunktur zunehmend an Schwung verliert, zeigte sich diese Woche an ernüchternden Zahlen aus der Halbleiterindustrie.

Chart der Woche

Flügellahmer Kranich

Performance Lufthansa und DAX Index, indexiert

Flügellahmer Kranich

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Urlauber mussten sich diesen Sommer in Geduld üben. Die Fluggesellschaften strichen Tausende von Flügen. Verspätungen waren an der Tagesordnung. Für Anleger waren Aktien von Fluggesellschaften in den letzten Jahren kein gutes Investment. Die Valoren der deutschen Lufthansa beispielsweise notieren aktuell einen Viertel unter dem Niveau von Anfang 2000. Der deutsche Aktienindex (DAX) hat sich in dieser Zeitspanne immerhin verdoppelt. Da Airlines über längere Zyklen hinweg ihre Kapitalkosten kaum verdienen, sind sie für langfristig orientierte Anleger auch künftig uninteressant.

Aufgefallen

Elon Musk verkauft Tesla-Aktien

Seit dem Jahrestief am 24. Mai hat sich die Aktie des Automobilherstellers um gut 40 % nach oben bewegt. CEO Musk nutzte die Gelegenheit und hat Anteile im Umfang von 6.9 Milliarden US-Dollar verkauft.

Auf der Agenda

BIP-Zweitquartalszahlen für die Eurozone

Am 17. August werden die Zahlen zum Wirtschaftswachstum in Europa publiziert. Im Gegensatz zu den USA dürfte (noch) ein Plus vor dem Komma stehen.

Ist der Höhepunkt erreicht?

In den USA bleibt die Inflation auch im Juli sehr hoch. Gegenüber dem Vorjahr verteuerten sich die Konsumentenpreise um 8.5 %. Der Preisanstieg lag damit im Vergleich zum Juni (+9.1 %) ein Quäntchen tiefer und unter den Erwartungen der Ökonomen. Der US-Aktienmarkt reagierte auf die Zahlen mit einem Kurssprung. Offenbar hofft der Markt, dass die US-Notenbank Fed nun die Zinsen nicht mehr gross anheben wird. Aus unserer Sicht ist dies aber ein Trugschluss, denn die Teuerung ist weiterhin viermal so hoch wie von der US-Notenbank angestrebt. Auch wenn das Plateau möglicherweise erreicht ist, dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Inflationsraten wieder in den Zielbereich von 2 % sinken. Die Risiken von Zweitrundeneffekten und einer Lohn-Preis-Spirale sind weiterhin nicht zu unterschätzen. Für uns ist somit klar, dass im September eine weitere deutliche Zinserhöhung ansteht. Wir rechnen mit einem Zinsschritt von 0.50 %, womit der Leitzins auf 3.00 % ansteigen dürfte. Die restriktivere Geldpolitik stellt also weiterhin einen Gegenwind für die Finanzmärkte dar.

  

Vom Mangel zum Überfluss

Noch vor kurzem klagten Automobilhersteller sowie Elektronik- und Computerproduzenten über einen Mangel an Halbleitern. Nun hat sich das Blatt gewendet. Die Zweitquartalszahlen der Chiphersteller Intel, AMD und Nvidia hatten bereits auf eine Abschwächung der Nachfrage hingedeutet. Diese Woche warnte nun der Halbleiterkonzern Micron vor einem deutlichen Absatzrückgang. Die Entwicklung im Halbleiterbereich ist in der Regel ein zuverlässiger Vorlaufindikator für die Konjunktur. Dass sich diese momentan stark abkühlt, ist auch aus anderen Wirtschaftsdaten klar ersichtlich. Ob vor diesem Hintergrund die massiven Subventionspakete in den USA und Europa zum Aufbau einer «heimischen» Chip-Produktion sinnvoll sind, ist deshalb mehr als fraglich. Die zusätzlichen Kapazitäten dürften mittelfristig das Angebot deutlich erhöhen und einen klassischen «Schweinezyklus» auslösen.

 

Trockenheit wird zum Problem

Des einen Freud, des anderen Leid. Das sonnige Sommerwetter erfreut die Urlauber genauso wie die Bier- und Fleischproduzenten. Bell konnte im ersten Halbjahr den Umsatz um 4.3 % auf 2.1 Milliarden Franken steigern und der Bierkonzern Carlsberg erhöhte diese Woche die Absatzprognosen für das laufende Jahr deutlich. Weniger Freude haben zurzeit die Reedereien. Vor allem diejenigen, welche Güter auf dem Rhein transportieren. Der Wasserpegel hat kritische Levels erreicht. In Kaub bei Koblenz sank der Rheinpegel diese Woche beispielsweise auf unter 50 Zentimeter. Frachtschiffe können deshalb teilweise nur noch zu einem Viertel beladen werden. Dies verteuert den Transport. Die Preise für den Schiffstransport von Rotterdam nach Basel stiegen am Mittwoch auf über 250 Euro pro Tonne. Normalerweise werden 20 bis 40 Euro pro Tonne bezahlt. Der Rhein ist ein bedeutender Transportweg für Kohle, Diesel und Heizöl. Rohstoffengpässe dürften damit in Europa weiter zunehmen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Sanktionen gegenüber Russland und der Drosselung der Erdgaslieferungen kommt die Trockenheit zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

 

Weniger Aktienhandel

Die hohe Volatilität und die starke Korrektur an den Börsen hinterlassen Spuren. Anlegerinnen und Anleger haben ihre Handelsaktivitäten deutlich reduziert. Dies spürte insbesondere auch die Online-Bank Swissquote. Der Nettoertrag sank im ersten Halbjahr um 24.4 % auf 200 Millionen Schweizer Franken. 2021 konnte Swissquote noch einen Rekordgewinn verbuchen. Geholfen hatte der Bank der Handel mit Kryptowährungen. Dieser ist nun allerdings regelrecht eingebrochen. Ganz nach dem Motto: Wie gewonnen, so zerronnen. Die Aktie büsste unmittelbar nach der Zahlenpublikation mehr als 5 % an Wert ein, konnte sich zum Börsenschluss aber wieder erholen.