Raiffeisen KMU PMI (Konjunkturindikator)

Dunkle Wolken über den Industrie-KMU

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Die neu beschlossenen Massnahmen zur Eindämmung der zweiten Coronawelle treffen vor allem personennahe Dienstleister hart. Weil die Erholung der Weltwirtschaft nachlässt, muss aber auch die Industrie mit weiteren Geschäftseinbussen rechnen. Die Stimmung verdüstert sich erneut, wie der der KMU PMI von Raiffeisen zeigt.

«Durch die einschneidenden Corona-Massnahmen ist meine Druckerei weiter im Kriechgang» konstatiert ein Geschäftsführer aus der Region Thun. Treffend beschreibt auch ein Metallunternehmer aus Neuenburg die aktuelle Lage: «Die Zahlungsmoral hat im Zuge der zweiten Coronawelle abgenommen, was zu Liquiditätsengpässen führt. Die Situation gleicht einem Drahtseilakt.»

Die pessimistische Stimmung spiegelt sich derweil auch im Raiffeisen KMU PMI, der im Oktober von 48.6 auf 46.3 Punkte gesunken ist, wider. Damit haben die von Raiffeisen befragten KMU im bisherigen Jahresverlauf einzig im Juni eine Zunahme der Geschäftstätigkeit gemeldet, allerdings eine enttäuschend schwache. In allen anderen Monaten schloss der Index unter 50 Punkten. Im Oktober belasteten vor allem der Rückgang der Auftragsbestände und der Produktionsvolumen die Unternehmensstimmung. Die befragten KMU meldeten aber auch eine erneute Reduktion der Beschäftigung. Damit notieren alle fünf Subkomponente des PMI unter der Expansionsschwelle von 50.

Die Eindämmungsmassnahmen treffen vor allem das Gastgewerbe und andere personenbezogene Dienstleistungen hart. Aber auch in der Industrie gibt es Unternehmen, die unmittelbar von den Corona-Massnahmen betroffen sind. Ein Käser aus Appenzell Ausserrhoden sagt beispielsweise: «Aktuell herrschen grosse Unsicherheiten im Exportgeschäft nach Deutschland und Frankreich, da viele Weihnachtsmärkte, wo traditionellerweise Schweizer Raclettekäse konsumiert wird, abgesagt werden.»

Noch schwerer wiegen für die Schweizer Industrie aber die indirekten Folgen der Eindämmungsmassnahmen. Die Erholung der Weltwirtschaft ist mit der zweiten Coronawelle ins Stocken geraten. Die Nachfrage nach Schweizer Exportprodukten bleibt somit vorerst deutlich hinter den Vorkrisenniveaus zurück. Das Risiko eines erneuten Konjunkturrückschlags hat zugenommen.

Raiffeisen KMU PMI Oktober 2020 | rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI Oktober 2020 ­ rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

 

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

  Juni Juli

August

September Oktober
Gesamtindex
53.3 49.7

44.3

48.6 46.3
Auftragsbestand
55.7 48.8

44.1

50.0 45.4
Produktion
56.4 52.4

46.4

50.0 46.5
Beschäftigung
52.9 48.2

41.2

48.3 46.5
Lieferfristen
47.1 47.6

41.7

45.4 47.7
Einkaufslager
48.3 51.2

49.4

46.5 46.0


50 = Wachstumsschwelle

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Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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