Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Trotz guter Unternehmenszahlen harzt die Börsenentwicklung. Inflations- und Zinsängste drücken die Stimmung der Investoren und ermuntern zu Gewinnmitnahmen. Für Optimismus sorgt derweil die Gaming-Industrie.

Chart der Woche

Verflogene Hoffnung

Aktienkurse Credit Suisse und UBS, indexiert

Verflogene Hoffnung

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Wer auf eine Erleichterungsrally gehofft hatte, wurde enttäuscht. Der Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten (VRP) António Horta-Osório anfangs Woche brachte den Aktienkurs der Grossbank Credit Suisse nicht auf Touren. Zu gross sind die Probleme, als dass sie über Nacht mit einem VRP-Wechsel beseitigt werden könnten. Das spiegelt auch der Aktienkurs. Seit Anfang 2020 hat er 25 % eingebüsst. Der Konkurrentin UBS hinkt er damit 85 % hinterher, und das, obwohl Banken als Corona-Profiteure gelten. Um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, muss die Bank nun zuerst Resultate liefern – und zwar nachhaltig.

Aufgefallen

Gefragter Champagner

320 Millionen Flaschen Champagner wurden laut dem Branchenverband vergangenes Jahr abgesetzt. Trotz Pandemie liessen es sich die Leute gut gehen.

 

Auf der Agenda

Berichtssaison nimmt Fahrt auf

Die Quartals- und Jahresergebnisse der SMI-Unternehmen Logitech, Lonza und Givaudan prägen die kommende Börsenwoche.

Kein Start nach Mass

Die Börsen kommen dieses Jahr bislang nicht recht auf Touren. Gewinnmitnahmen dominieren. Der Swiss Market Index (SMI) kämpfte auch diese Woche mit Abgaben, genauso wie die meisten Aktienmärkte weltweit. Und das, obwohl die Berichtsaison durchaus positiv ausfällt. Ein gutes Ergebnis erwirtschaftete etwa das Technologieunternehmen Comet. Es übertraf die eigenen Umsatzerwartungen und vermochte die Marge gegenüber Vorjahr deutlich zu steigern. Ebenfalls über den Schätzungen der Analysten lag der Umsatz beim Medikamentenhändler Galenica. Geradezu brilliert hat der Luxusgüterkonzern Richemont. Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Quartal 35 % und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktien quittierten das starke Ergebnis in einem schwachen Börsenumfeld mit Kurssprüngen von bis zu 9 %.

Keine Überraschung gab es bei der Versandapotheke Zur Rose. Das Unternehmen hatte im Oktober seine Umsatzprognose reduziert und nun lediglich die Erwartungen erfüllt. Der Aktienkurs reagierte zwar positiv auf das Ergebnis, liegt allerdings rund 60 % unter dem Höchst des vergangenen Jahres. Beim Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli reagierten die Anleger trotz einem erfolgreichen Jahr zurückhaltend auf die Umsatzzahlen. Zum einen lagen diese lediglich im Rahmen der Erwartungen, zum anderen verbuchte das Unternehmen im US-Markt eine Wachstumsverlangsamung. Allerdings scheinen Investoren dies bereits vorweg genommen zu haben, der Partizipationsschein hat allein dieses Jahr gut 17 % eingebüsst.

 

Öl treibt und Gold schützt vor Inflation

Der Ölpreis ist im Wochenverlauf auf den höchsten Stand seit 2014 geklettert. Davon profitieren vor allem Energieaktien. Diese zählen seit Anfang Jahr zu den klaren Outperformern im breiten US-Markt. Mit den höheren Öl-Notierungen steigt aber auch die Gefahr, dass sich die Inflation doch hartnäckiger halten wird als bislang prognostiziert. Raiffeisen hat seine ÖlpreisPrognose auf Sicht von drei Monaten auf 88 US-Dollar angehoben. In 12 Monaten dürfte das schwarze Gold nur unwesentlich niedriger, bei 83 Dollar handeln. Zudem erhalten Zinsängste dadurch einen neuen Schub. So machten erste Spekulationen die Runde, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins im März in einem ersten Schritt gleich um 50 Basispunkte anheben könnte. Raiffeisen rechnet im laufenden Jahr mit drei Zinsschritten à 0,25 %. Dass in diesem Umfeld Gold als Inflationsschutz gefragt ist, verwundert nicht. Das gelbe Edelmetall hat seit Weihnachten pro Unze rund 40 US-Dollar auf 1'842 Dollar zugelegt. Auf Jahressicht gehen wir von einem weiteren Anstieg auf 1'950 US-Dollar aus.

 

Microsoft kauft im Gaming-Sektor dazu

Der Softwaregigant Microsoft will für fast 70 Milliarden US-Dollar den Videospieleanbieter Activision Blizzard schlucken. Damit würde das Unternehmen aus Redmond zum drittgrössten Game-Anbieter weltweit und ist auch für das Metaversum, das begehbare Internet, gut positioniert. Das Unternehmen kann die grösste Übernahme der Firmengeschichte locker verdauen. Mit rund 2'300 Milliarden ist der Softwarekonzern mehr als 30-mal grösser. Damit die Übernahme tatsächlich zustande kommt muss die Wettbewerbsbehörde noch zustimmen. Am Markt herrscht darüber eine gewisse Skepsis: Denn obwohl Microsoft 95 US-Dollar pro Aktie offeriert, handeln die Valoren des Spieleanbieters nur bei 82 US-Dollar.

 

Impfstoffhersteller leiden

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie steigt, denn die Virus-Variante Omikron scheint weniger gefährlich. Was die Menschen freut drückt die Stimmung bei den Impfstoffherstellern. So verloren die Aktien von BioNTech, CureVac, Moderna und Novavax in den vergangenen Tagen zwischen 8 und 18 %. Seit ihren Höchstständen im 2021 haben sie zwischen 60 und 80 % eingebüsst. Die fetten Pandemiegewinne dürften vorerst der Vergangenheit angehören.