Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Auf einen versöhnlichen November folgen ermutigende Aussagen der US-Notenbank Fed. Aber obwohl die Zinsen in den kommenden Monaten wohl weniger rasch ansteigen, bleibt die Geldpolitik restriktiv. Die Rezessionsgefahr besteht weiter.

Chart der Woche

Ein starker Dezember

Durchschnittliche Performance des SPI seit 1988

Ein starker Dezember

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

An der Börse ist der Dezember ein starker Monat, nach April der zweitbeste. Seit 1988 stieg der breite Schweizer Markt, gemessen am Swiss Performance Index (SPI), jeweils im letzten Monat des Jahres im Schnitt um 1.5 %. Auch die Verteilung ist vielversprechend: 26-mal resultierte im Dezember eine positive Rendite, lediglich 8-mal eine negative. Das aktuelle Umfeld bleibt allerdings anspruchsvoll. Hohe Inflation, steigende Zinsen und die sich abschwächende Wirtschaftsdynamik drücken auf die Stimmung der Investoren. Zudem haben die Aktienmärkte nach zwei starken Monaten erstmal eine Verschnaufpause eingelegt. 

Aufgefallen

Konsumfreudige Schweizer

Noch nie haben Herr und Frau Schweizer am Black Friday so viel Geld ausgegeben wie dieses Jahr. Mit dem darauffolgenden Cyber Monday ist das Weihnachtsgeschäft vollends lanciert.

Auf der Agenda

Arbeitsmarkt Schweiz

Am 7. Dezember veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die November-Daten zum Schweizer Arbeitsmarkt.

Fed beflügelt die Börse

Die Aussagen von US-Notenbank-Chef Jerome Powell, dass die Zeit der ausserordentlich grossen Zinsschritte vorbei sei, hat die Aktienmärkte beflügelt. Nachdem die Fed die Zinsen viermal hintereinander um 75 Basispunkte (Bp) erhöhte, rechnet der Markt nun im Dezember mit einem Schritt von 50 Bp. Die positive Marktreaktion und der Umstand, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) in den USA im dritten Quartal um 2.6 % angestiegen ist, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konsumentenstimmung weiter rückläufig ist. Aufgrund der gestiegenen Preise können sich die Amerikaner immer weniger leisten. An der Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft in eine Rezession abgleitet, hat sich vorerst nichts geändert.

 

Starker November

Die Jahresendrally scheint heuer bereits im November stattgefunden zu haben. Mit einem Plus von 2.9 % hat der Swiss Performance Index (SPI) nach einem starken Oktober die Jahresverluste noch einmal deutlich reduziert. Dennoch handelt der breite Schweizer Markt immer noch 13.7 % tiefer als Anfang des Jahres. Zu den Gewinnern im November gehörten der Maschinenbauer Klingelnberg und der Technologiekonzern AMS Osram, die 37.5 % bzw. 35.4 % zulegten. Unter den grösser kapitalisierten Werten im Swiss Market Index (SMI) zählten der Luxusgüterkonzern Richemont (+26.7 %) und der Rückversicherer Swiss Re (+13.2 %) zu den Gewinnern. Positive Nachrichten verbreitete der Nahrungsmittelmulti Nestlé, der anlässlich seines Investorentags seine neuen Ziele veröffentlichte. Aufgrund von Preissteigerungen soll das organische Wachstum dieses Jahr zwischen 8 % und 8.5 % liegen. Bislang war der Konzern von rund 8 % ausgegangen. Enttäuschende Nachrichten musste Swisscom verarbeiten. Der Telekomkonzern erhielt vom Bundesverwaltungsgericht die Auflage, für den weiteren Netzwerkausbau auf einen teureren Standard zu wechseln, um so den Wettbewerb nicht zu verzerren. Allerdings ist das Urteil nicht abschliessend. In einer weiteren Verhandlung geht es darum, ob Swisscom in gewissen Regionen nicht doch auf den günstigeren Standard setzen darf. Der Pharmazulieferer Dottikon hat im ersten Halbjahr (per 30. September) fast einen Drittel mehr umgesetzt. Dass der Gewinn gar um über 60 % zugelegt hat, ist steuerbedingt.

 

Schweizer Wirtschaftswachstum schwächt sich ab

Das BIP ist in der Schweiz im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0.2 % angestiegen. Damit liegt die Entwicklung am unteren Ende der Erwartungen von 0.2 % bis 0.5 %. Verglichen mit dem Vorjahr erhöhte sich das BIP um 0.5 %. Damit hat sich die Wirtschaftsdynamik in der Schweiz merklich abgeschwächt. Lichtblick ist gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) der private Konsum. Dieser profitiert immer noch von einem Corona-Nachholeffekt. Die Frage bleibt: Wie lange noch? Positiv ist indes auch, dass die Inflation hierzulande bei vergleichsweise niedrigen 3 % stagniert. Ein trübes Zukunftsbild malt das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF): Auch im November war die Entwicklung rückläufig. Damit liegt der Indikator zum siebten Mal in Folge unter dem langfristigen Schnitt von 100.

 

Abschwächung auf höchstem Niveau

Die Teuerungsrate in Deutschland hat sich im November auf 10 % abgeschwächt, nachdem sie im Oktober mit 10.4 % auf den höchsten Stand seit 1951 geklettert war. Obwohl die Gehälter im dritten Quartal nominal um 2.3 % zugelegt haben, resultierte aufgrund der gestiegenen Preise ein Kaufkraftverlust von 5.7 %. Eine ähnliche Entwicklung spielt sich in der gesamten Eurozone ab, wo sich die Inflation im November von 10.6 % auf ebenfalls 10 % reduzierte. Um von Entspannung zu sprechen, ist es bei diesen Teuerungsniveaus allerdings noch zu früh. Zu weit ist das langfristige Ziel von 2 % von den aktuellen Werten entfernt. Vorerst wird die Europäische Zentralbank (EZB) deshalb an ihrer restriktiven Geldpolitik festhalten und die Zinsen weiter erhöhen. Die EZB befindet sich wohl noch länger auf einer Gratwanderung zwischen der Eindämmung der Inflation und einem Abwürgen des Wirtschaftswachstums. Am 15. Dezember verkündet die EZB ihren nächsten Zinsschritt.