Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Unternehmensergebnisse schicken die Gefühle der Anleger auf eine Achterbahnfahrt. Während die Euphorie bei Nvidia kaum Grenzen kennt, belastet das Ergebnis von Nestlé den gesamten Schweizer Markt.

Chart der Woche

Angeschlagenes Vertrauen

Kursentwicklung der Temenos-Aktie, in CHF

Angeschlagenes Vertrauen

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Mit einer Gewinnsteigerung von 18% sowie einer Dividendenerhöhung versuchte Temenos, der Hersteller von Bankensoftware, das Vertrauen wiederherzustellen, welches das Unternehmen wegen Vorwürfen um Unregelmässigkeiten in der Rechnungslegung verloren hatte. Diese mündeten vergangene Woche in einen Kurssturz von über 30%. Eine unabhängige Untersuchung soll die Anschuldigungen aus der Welt schaffen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass Vertrauen mit einem Schlag verloren geht, aber oft nur äusserst mühsam zurückgewonnen werden kann.

Aufgefallen

Nikkei 225 auf Allzeithoch

Japanische Aktien bleiben gefragt. Der Nikkei 225 kletterte nach 34 Jahren wieder auf ein Allzeithoch. Geholfen hat die lockere Geldpolitik, die den Yen schwächt und die Exportindustrie stützt.

Auf der Agenda

Berkshire Hathaway berichtet

Am 26. Februar präsentiert das Anlagevehikel von Investorenlegende Warren Buffett, Berkshire Hathaway, seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Nestlé drückt die Stimmung

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé hat mit der Vorlage seines Jahresabschlusses enttäuscht. Die Erwartungen der Analysten wurden verfehlt, die Aktien haben deutlich eingebüsst und den Swiss Market Index (SMI) belastet. Immerhin verbuchte Nestlé nach fünf Quartalen erstmals nebst einem Umsatz- auch wieder ein Volumenwachstum. Über einen erfreulichen Geschäftsverlauf berichtete der Versicherer Zurich Insurance. Der Gewinn konnte um 10% gesteigert werden und beschert den Aktionären eine Dividendenerhöhung. Mit einer Rendite von 5.7% wird die Aktie ihrem Ruf als Dividendenperle weiterhin gerecht. Auch der Industriekonzern Sulzer hat einen guten Zahlenkranz vorgelegt. Ebenfalls rund läuft das Geschäft bei der Privatbank EFG, die ihren Gewinn um 50% steigerte. Die Aktionäre profitieren zudem von einem Dividendenanstieg. Der Pharmaauftragsfertiger Siegfried hat den Wegfall des Corona-Geschäfts zwar kompensiert, musste aber einen Margenrückgang hinnehmen.

 

Nvidia auf der Überholspur

Die Erwartungen an den Halbleiterproduzenten Nvidia waren hoch, sehr hoch – aber das Unternehmen hat diese nicht nur erfüllt, sondern deutlich übertroffen. Die Gewinnmitnahmen im Vorfeld des Jahresabschlusses erwiesen sich damit als unbegründet. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahr um 126%, der Gewinn fast 600%. Der Ausblick scheint, aufgrund des Hypes um Künstliche Intelligenz, intakt. Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn die starken Kursavancen schrauben sowohl die Bewertungen als auch die Erwartungen in die Höhe. Entsprechend steigt das Enttäuschungspotenzial.

 

Amazon steigt auf

Die Aktien des Onlinehändlers Amazon werden per Montag, 26. Februar 2024 in den Dow Jones Index (DJI) aufgenommen. Sie ersetzen dort die Titel der Drogerie- und Apothekenkette Walgreens Boots Alliance. Ausschlaggebend dafür ist ein Aktiensplit beim Detailhändler Walmart. Dadurch wäre das Gewicht des Einzelhandels im weltweit wohl bekanntesten Börsenindex gesunken, was durch die Aufnahme von Amazon kompensiert werden soll. Denn anders als bei den meisten Indizes ist die Gewichtung eines Unternehmens im DJI vom Preis der Aktie und nicht der Marktkapitalisierung abhängig. So ist nicht etwa Microsoft am stärksten gewichtet, sondern United Health. Deren Marktkapitalisierung beträgt zwar nur rund einen Sechstel des Softwaregiganten, der Aktienkurs liegt mit 521 US-Dollar aber klar über demjenigen von Microsoft mit 402 US-Dollar.

 

Vorsichtige US-Notenbank

Nur nichts überstürzen, lautet die Devise der US-Notenbank Fed, wenn es um die Lockerung der Geldpolitik geht. Grund ist die starke Verfassung der Konjunktur sowie die hartnäckig hohe Inflation, die nach wie vor deutlich über der Notenbankobergrenze von 2% liegt. Auch der Markt hat seine Erwartung angepasst und rechnet nur noch mit vier Zinsschritten von jeweils 25 Basispunkten – Anfang Jahr waren es noch deren sechs.

 

Frankreich und Deutschland in der Krise

Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Frankreich und Deutschland mahnen zur Vorsicht. Sowohl für den Industrie- als auch den Dienstleistungssektor liegen die Werte weiterhin unter 50 Punkten und deuten auf eine Kontraktion der Wirtschaft hin. Einen Lichtblick gibt es in Frankreich, wo sich die Werte gegenüber dem Vormonat leicht erholt haben. Dagegen sendet der Industriesektor in Deutschland immer noch sehr schwache Signale.

 

China stützt Immobiliensektor

Die chinesische Zentralbank hat den fünfjährigen Referenzzinssatz um 25 Basispunkte auf 3.95% gesenkt. Damit sollen die Hypothekarkosten reduziert und der Immobiliensektor gestützt werden. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob dieser ausreicht, um das Vertrauen im Land wiederherzustellen, den negativen Preistrend bei Immobilien zu stabilisieren und den Konsum anzukurbeln. Die Börse hat bislang verhalten auf die Unterstützungsmassnahmen reagiert.