Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Der Taiwan-Besuch der US-Politikerin Nancy Pelosi verschärft die Spannungen zwischen den USA und China. Eine Eskalation hätte für die Weltwirtschaft spürbare Folgen. Die Börsen präsentieren sich infolgedessen zum Monatsauftakt volatil.

Chart der Woche

Statistik spricht gegen August

Durchschnittliche Monatsrenditen des SMI, seit 1996

Statistik spricht gegen August

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

In den vergangenen 25 Jahren hat der Swiss Market Index (SMI) im August durchschnittlich 1.2% an Wert eingebüsst. Damit ist dieser statistisch gesehen der schwächste Aktienmonat des Jahres. Auch heuer wird dieses saisonale Börsenmuster wohl nicht durchbrochen werden. Denn die Liste an Unsicherheitsfaktoren ist lang: Krieg, Inflation, Geldpolitik, Rezessionsgefahr und die laufende Gewinnsaison.

Aufgefallen

Greenlight Capital vs. Elon Musk

Elon Musk bekommt im Übernahmerechtsstreit um Twitter einen Gegenspieler. Der US-Hedgefonds Greenlight Capital ist beim Nachrichtendienst eingestiegen und wettet gegen den Tesla-Gründer. Sollte Musk vor Gericht den Kürzeren ziehen, so rechnet Fonds-Gründer David Einhorn mit einem Gewinn von 17 US-Dollar pro gekaufte Aktie.

Auf der Agenda

Sentix-Konjunkturbarometer

Am 8. August veröffentlicht das Beratungsunterneh-men Sentix die Juli-Zahlen zu seinem Konjunkturindikator für die Eurozone. Im Vormonat ist dieser um 10.6 Punkte auf -26.4 Zähler gefallen.

Taiwan-Konflikt belastet Börsen

Mit Nancy Pelosi besuchte erstmals seit 1997 eine hochrangige US-Politikerin Taiwan. Für China ein rotes Tuch, sieht dieses in dem Inselstaat doch eine abtrünnige Provinz. Peking drohte in der Folge militärische und wirtschaftliche Sanktionen an. Für das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen den USA und China ist das eine Belastungsprobe. Eine Eskalation würde der Weltwirtschaft zusätzlichen Gegenwind bescheren. Taiwan stellt hochwertige Halbleiter her. Gut zwei Drittel aller weltweit in der Elektroindustrie verarbeitenden Mikrochips kommen aus dem Inselstaat, überwiegend produziert von dem Marktführer Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). Allfällige chinesische Strafmassnahmen könnten Auswirkungen auf die Wertschöpfungsketten rund um die taiwanesische Tech-Branche haben. Darüber hinaus ist China selbst für den Westen ein wichtiger Wirtschaftspartner. Im Worst Case könnten somit ganze Lieferketten zum Erliegen zu kommen. Die Anleger zeigten sich entsprechend verunsichert. In der zweiten Wochenhälfte gewann dann aber die Hoffnung auf eine Deeskalation die Oberhand. Zusätzlich stützten die jüngsten Konjunkturzahlen aus China, der Eurozone und den USA, welche die Rezessions- und Zinssorgen etwas dämpften, die Kurse. Am Freitagmorgen resultierte für den Swiss Market Index (SMI), ein Wochenplus von 0.5%.

 

Durchwachsene Unternehmenszahlen

Die Gewinnsaison läuft weiter auf Hochtouren. Das raue Marktumfeld hinterlässt dabei in den Ergebnissen vieler Unternehmen seine Spuren. So hat der Lagerlogistikspezialist Interroll im ersten Halbjahr mehr Umsatz gemacht. Aufgrund von Lieferkettenproblemen waren jedoch Gewinn und Auftragseingang rückläufig. Auf eine Prognose für das Gesamtjahr verzichtete das Unternehmen. Die Aktie rutschte in der Folge bis zu 8% ins Minus. Einen Gewinneinbruch verzeichnete Swisscom. Schuld sind diverse Sondereffekte. Unverändert auf Wachstumskurs bleibt derweil der Personalvermittler Adecco. Allerdings spürt das Unternehmen den zunehmenden Margendruck – als Frühzykliker gilt Adecco gemeinhin als Indikator für den weiteren Wirtschaftsverlauf. Positiv überraschte hingegen OC Oerlikon. Der Industriekonzern steigerte dank gut gefüllter Auftragsbücher Umsatz sowie Gewinn und bestätigte seine Jahresprognosen. Nächste Woche gewähren dann unter anderem der Augenheilkundekonzern Alcon, der Reisedetailhändler Dufry und der Versicherungsriese Zurich Einblick in ihre Geschäftsbücher.

 

Neue «bad news» für Credit Suisse

Die Grossbank Credit Suisse (CS) kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach den enttäuschenden Geschäftszahlen der Vorwoche folgte nun der nächste «Hammer»: Die US-Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) haben ihren Ausblick für das Finanzinstitut gesenkt. Begründet haben sie dies mit den Herausforderungen bei der angekündigten Neupositionierung der Investmentbank und dem anspruchsvollen Marktumfeld. Für den neuen CS-CEO Ulrich Körner wird der Turnaround damit nicht leichter, muss er doch die Investoren von der Qualität der einst stolzen Alfred-Escher-Bank überzeugen.

 

Schweizer Inflation stagniert

Die Konsumentenpreise in der Schweiz sind im Juli, wie schon im Vormonat, auf Jahressicht um 3.4% gestiegen. Damit liegt die Inflation hierzulande im internationalen Vergleich weiterhin auf relativ tiefem Niveau. Grund dafür ist mitunter der starke Schweizer Franken, der die importierte Teuerung dämpft. Zudem werden viele heimische Produkte durch hohe Importzölle vor der ausländischen Konkurrenz geschützt.

 

Englands Notenbank dreht weiter an der Zinsschraube

Im Rahmen ihrer August-Sitzung hat die Bank of England (BoE) den Leitzins um 50 Basispunkte auf 1.75% angehoben. Dies ist der grösste Zinsschritt seit 1997 und zugleich der Sechste in Folge. Angesichts der hohen Inflation (Juni: +9.4%) werden die Währungshüter wohl weiter auf die geldpolitische Bremse treten. Die Marktteilnehmer sehen den Leitzins zu Jahresende aktuell bei 2.7%.