Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Furcht vor den steigenden Zinsen beschäftigt die Marktteilnehmer. Die Bewertungskorrektur ist weit fortgeschritten. Neues Ungemach droht den Kursen derweil in Form der überfälligen Revisionen bei den Gewinnschätzungen.

Chart der Woche

Geld- vs. Fiskalpolitik

Entwicklung GBP/CHF-Wechselkurs und Rendite 
10-jähriger britischer Staatsanleihen (GILTS)

Geld- vs. Fiskalpolitik

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das britische Pfund befindet sich auf Talfahrt und gleichzeitig schiessen die Renditen für 10-jährige UK-Staatsanleihen durch die Decke. Schuld ist das Auseinanderdriften von Geld- und Fiskalpolitik. In ihrem Kampf gegen die Inflation erhöht die Bank of England (BoE) stetig die Zinsen und verkauft Bonds. Zugleich versucht die Regierung, die Konjunktur mittels fiskalpolitischer Stimuli (u.a. Steuersenkungen) anzukurbeln – dies erfordert aber die Emission neuer Bonds. Leidtragender dieser Divergenz ist die britische Wirtschaft, sie befindet sich zwischen Hammer und Amboss.

Aufgefallen

Preisexplosion bei Corgis

Queen Elizabeth II. liebte Corgis über alles. Entsprechend gefragt sind nach ihrem Tod die kleinen Hütehunde. Ihr durchschnittlicher Züchterpreis in Grossbritannien hat sich mehr als verdoppelt.

Auf der Agenda

KOF Konjunkturprognose

Am 5. Oktober veröffentlicht die KOF ihre Herbst-Konjunkturprognose. Eine Revision des erwarteten Wirtschaftswachstums ist wahrscheinlich.

Schweizer Börse setzt Talfahrt fort

Die restriktivere Geldpolitik belastet weiterhin die Aktienmärkte. Kein Wunder klammern sich die Anleger an jeden noch so kleinen, rettenden Strohhalm. Ein solcher waren temporär die neuerlichen Anleihenkäufe durch die Bank of England (BoE), welche die Hoffnung auf ein «soft landing» der Wirtschaft wieder etwas belebten. Infolgedessen stemmte sich der Swiss Market Index (SMI) diese Woche gegen den Fall unter die psychologisch wichtige Marke von 10'000 Punkten. Positive Impulse kamen insbesondere von Roche und Lonza – beide Titel profitierten vom Durchbruch der Pharmafirmen Biogen und Eisai in der Alzheimer-Forschung. Wenig gefragt waren indes Finanzwerte.

Die Bewertungskorrektur ist unserer Meinung nach weit fortgeschritten. Dennoch wird die Volatilität an den Börsen wohl erhöht bleiben. Die Gewinnschätzungen der Analysten zeigten sich bislang «resistent» gegenüber dem Marktumfeld. Die Berichtssaison zum dritten Quartal dürfte diesbezüglich Revisionen mit sich bringen. Wir raten Anlegern daher weiterhin zu einer defensiven Positionierung. Nichtsdestotrotz gilt es, einerseits der Anlagestrategie treu zu bleiben, andererseits aber auch die Augen nach Einstiegschancen offen zu halten.

 

Porsche – aus der Garage an die Börse

Gute Nachrichten für Fans luxuriöser Sportflitzer. Diese können fortan im Anlageportfolio nicht nur auf Aston Martin und Ferrari, sondern auch auf Porsche setzen. Bislang war dies nur indirekt über die Holdinggesellschaft Porsche SE möglich. Der Sportwagenbauer hat diesen Donnerstag den grössten Börsengang Deutschlands seit dem Telekom-IPO (1996) vollzogen. Bei einem Volumen von 114 Millionen Aktien und einem Ausgabepreis von 82.50 Euro spült dies knapp 9.4 Milliarden Euro in die Kassen des Mutterkonzerns VW. Dank der wertvollen Marke, dem soliden Wachstum und der hohen Profitabilität besitzt Porsche trotz des schwierigen Marktumfeldes durchaus Chancen, an der Börse durchzustarten. Die Aktie stieg am ersten Handelstag zeitweise um 4.8 %.

 

Günstiges Gold

Für gewöhnlich profitiert Gold von unsicheren Märkten. Nicht so im laufenden Jahr. Infolge des starken US-Dollars und der steigenden Zinsen – die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen sind mittlerweile so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr – hat das gelbe Edelmetall gut 10 % seines Wertes eingebüsst. Diese Woche war es so günstig wie zuletzt im April 2020. Angesichts der wachsenden Rezessionsgefahr und der hohen Inflation dürfte die Nachfrage nach dem Edelmetall als «safe haven» in den kommenden Monaten aber wieder anziehen. Wir sehen den Goldpreis auf Jahressicht bei 1'950 Dollar je Unze.

 

Rechtsruck in Italien

Das italienische Stimmvolk hat gewählt. Sieger ist das Bündnis von Giorgia Meloni («Fratelli d’Italia»), Matteo Salvini («Lega Nord») und Silvio Berlusconi («Forza Italia»). Die Finanzmärkte haben ihr Urteil ebenfalls gefällt. Die Renditen für 10-jährige italienische Staatsanleihen sind auf 4.9 % gesprungen. Die Risikoprämie ist damit weiter gestiegen. Denn dieser politische Rechtsruck dürfte die Europäische Union (EU) vor eine Bewährungsprobe stellen. Auch der Kampf der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die Inflation wird nicht einfacher. Schliesslich hat Meloni ihren Wählern Steuersenkungen versprochen. Entsprechend bahnt sich nun in Italien, ähnlich wie in Grossbritannien, ein Konflikt zwischen Geld- und Fiskalpolitik an.

 

Krypto-Startup rettet «Frankfurter Euro»

Das Euro-Symbol vor dem EZB-Sitz in Frankfurt ist eines der beliebtesten Fotosujets der Main-Metropole. Dank Caiz Development bleibt dies (zumindest) vorerst so. Das Startup, welches an der Einführung der ersten Islam-konformen Kryptowährung arbeitet, finanziert über die nächsten fünf Jahre die Unterhaltskosten für die Skulptur. Diese belaufen sich in Summe auf gut 200'000 Euro. Erstaunlich ist, dass sich kein traditionelles Finanzinstitut zum Sponsoring durchringen konnte.