Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Hoffnungen auf eine baldige konjunkturelle Erholung materialisieren sich vielerorts: in den Kursen von amerikanischen Fluggesellschaften, in der Lagebeurteilung der Schweizer Einkaufsmanager, aber auch im Rohölpreis.

Chart der Woche

Ready for takeoff?

Top 4 Monatsgewinne des S&P 500 Airlines Index

Ready for takeoff?

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Fluggesellschaften gehören zu den grossen Verlierern der Corona-Krise. Doch nun wittern Anleger Morgenluft: Der S&P 500 Airlines Index verzeichnete im Februar mit einem Plus von fast 30 %, den stärksten Zuwachs seiner Geschichte. Gründe dafür sind das hohe Impftempo in den USA sowie die immensen Fiskalmassnahmen, welche die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Flugindustrie nähren. Bis der Sektor sein Vor-Krisen-Niveau wieder erreicht hat, dürfte es allerdings noch Jahre dauern.

Aufgefallen

Jack Ma abgelöst

Laut der Hurun Global Rich List, der chinesischen Version der Forbes-Liste, ist Alibaba-Gründer Jack Ma nicht mehr der reichtste Mann Chinas. Er wurde von Zhong Shanshan, dem Gründer des Lebensmittelkonzerns Nongfu Spring, abgelöst, dessen Vermögen auf 85 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.

 

Auf der Agenda

Konjunkturprognosen des Bundes

Am 11. März veröffentlicht die Expertengruppe des Bundes ihre Frühjahrskonjunkturprognose. Grosse Sprünge werden nicht erwartet, eine leichte Erholung dürfte jedoch drin liegen.

Optimismus in der Schweizer Industrie

Seit einem Jahr werden die heimischen Medien von Berichten über Infektionszahlen, Inzidenzwerte und Todesfälle dominiert. Seit einem Jahr leidet aber auch die Schweizer Wirtschaft unter der Corona-Pandemie. Mit den positiven Studienergebnissen zu den Impfstoffen letzten Herbst machte sich indessen Hoffnung in Gesellschaft sowie Wirtschaft breit. Dieser Optimismus hält trotz der drohenden dritten Infektionswelle nicht nur an, sondern nimmt sogar noch Fahrt auf. Indizien hierfür sind die Rekordstände an den Börsen oder der neuste Wert des Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Schweizer Industrie. Dieser kletterte im Februar um 1.8 Punkte auf 61.3 Zähler. Der Vorlaufindikator notiert damit deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und so hoch wie seit August 2018 nicht mehr – sein absoluter Rekordwert liegt mit 66.9 Punkten nur unwesentlich höher und resultiert vom Dezember 2006. Die Vertreter der Schweizer Industrie sehen die kommenden Monate also positiv. Das spiegelt sich auch in den jüngsten Geschäftsausblicken der Unternehmen wieder, wie etwa in jenen des Verbindungstechnikspezialisten Bossard oder der beiden Industriekonzerne Georg Fischer und OC Oerlikon.

Die PMIs müssen jedoch mit Vorsicht genossen werden, denn sie stellen lediglich eine Momentaufnahme dar und basieren in erster Linie auf qualitativen Einschätzungen. Fakt ist, die Schweiz steckt in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Der Blick nach vorne muss somit fast schon zwangsläufig positiver ausfallen als jener in den Rückspiegel. Des Weiteren macht die Industrie nur rund ein Viertel der Schweizer Bruttowertschöpfung aus. Der Rest entfällt grösstenteils auf den Dienstleistungssektor, der von der Corona-Krise besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dessen PMI hat zwar inzwischen auch den Sprung über die Wachstumsschwelle geschafft, mit 52 Zählern befindet er sich jedoch weiterhin unter seinem langjährigen Durchschnitt. Auch wenn das Licht am Ende des Tunnels langsam heller wird, die wirtschaftlichen Bremsspuren der Pandemie ziehen sich mindestens noch ins erste Halbjahr 2021 hinein. 

 

Förderleistung steigern oder nicht steigern – das ist die Frage

Das Rohöl hat in den vergangenen Wochen eine unglaubliche Kursrally hingelegt: Seit Jahresbeginn verbuchte es ein Plus von fast 25 %. Mit knapp über 64 US-Dollar je Barrel notiert das Öl der Nordsee-Marke Brent derzeit so hoch wie seit Sommer 2019 nicht mehr. Dabei sind verschiedene Faktoren zusammengekommen. Zum einen wetten Investoren auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft. Zum anderen verleiht die künstliche Angebotsverknappung der ölexportierenden Länder (OPEC) – allen voran Saudi Arabiens – dem Ölpreis Aufwind. Diesen Donnerstag trafen sich nun die OPEC-Staaten mit ihren Verbündeten (OPEC+) zum derweil 14. Mal, um die Förderpolitik der kommenden Monate zu besprechen. Zur Diskussion stand eine Erhöhung der Förderleistung ab April um eine halbe Million Barrel pro Tag. Angesichts der Unsicherheit über das Tempo der wirtschaftlichen Erholung wurde diese Idee jedoch verworfen: Die restriktive Förderpolitik wird bis mindestens Ende April beibehalten. Der Preis des Brent-Rohöls reagierte prompt darauf und verzeichnete einen Tagesgewinn von 5.2 %.

Anleger sollten in Sachen Rohöl generell vorsichtig sein. In den aktuellen Kursen ist ein Grossteil der konjunkturellen Hoffnungen respektive der zukünftigen Erholung bereits eingepreist. Eine kurzfristige Korrekturbewegung ist daher recht wahrscheinlich. Wir sehen den Preis für die Nordsee-Marke Brent auf drei Monate bei 58 US-Dollar je Barrel und auf 12 Monate bei 60 US-Dollar.