Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Vorlaufindikatoren deuten auf einen massiven Konjunktureinbruch im zweiten Quartal hin. Derweil schnürt die US-Regierung ein Fiskalpaket in der Höhe von gi-gantischen 2 Billionen US-Dollar. Die Finanzmärkte scheinen sich zu stabilisieren.

Chart der Woche

Die Rezession ist da

Vorlaufindikatoren in Europa und den USA im freien Fall

Die Rezession ist da

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die als konjunkturelle Vorlaufindikatoren geltenden Einkaufsmanagerindizes (PMI) verheissen nichts Gutes. In Europa ist der Markit Composite PMI im März auf 31.4 Punkte gefallen. Derselbe Wert für die USA fiel von 49.6 auf 40.5. Werte über 50 Punkte zeigen eine Expansion der Wirtschaft an, Werte unter 50 eine Kontraktion. Ein negatives Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2020 ist also ausgemachte Sache.

 

Aufgefallen

Die Provinz Hubei auf dem Weg zurück

Wuhan, die Hauptstadt der Provinz Hubei, gilt als Epizentrum der Coronavirus-Pandemie. Nach einer mehrwöchigen Quarantäne kehrt nun langsam wieder Leben ein. Parks, Museen, Einkaufsläden und Fabriken werden wieder geöffnet und die Produktion hochgefahren. Diese Entwicklung macht Mut und zeigt, dass drastische Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus Wirkung zeigen können.   

 

Auf der Agenda

Detailhandelsumsätze in der Schweiz

Am 31. März werden in der Schweiz die Detailhandelsumsätze für den Februar veröffentlicht.

Coronavirus-Stillstand

Die Wirtschaft in Europa kommt mehr und mehr zum Erliegen. Angesichts immer neuer Rekordwerte bei den Neuansteckungen mit dem Coronavirus geht Italien nun mit den Gegenmassnahmen ans Limit: Bis zum 3. April sollen in der drittgrössten Volkswirtschaft der Eurozone sämtliche Firmen und Industriebetriebe dichtbleiben, die nicht essenziell wichtig für das tägliche Leben sind. Selbst in der Schweiz gibt es ähnliche Entwicklungen. So hat der Kanton Tessin Anfang Woche die Schliessung von praktisch allen Baustellen und Industriebetrieben für mindestens eine Woche angeordnet – obwohl die Verordnung offensichtlich Bundesrecht verletzt. Die immer weiter reichenden Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie führen unweigerlich in eine Rezession. Die Einkaufsmanagerindizes für Europa und die USA, welche diese Woche publiziert wurden, deuten auf einen massiven Konjunktureinbruch in den kommenden Monaten hin (siehe Chart der Woche).

 

Grösstes Stimuluspaket aller Zeiten

Nach langem Hin und Her haben sich die Demokraten und die Republikaner im Senat doch noch auf ein Stimulusprogramm einigen können. Und das Corona-Hilfspaket hat es in sich: Insgesamt sollen gigantische 2 Billionen US-Dollar bereitgestellt werden. Dies entspricht fast 10 % der jährlichen US-Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Paket umfasst diverse Teilbereiche. 500 Milliarden sollen als Unterstützung an Unternehmen, Staaten und Städte ausbezahlt werden. Zusätzliche 350 Milliarden gehen an KMU. 150 Milliarden stehen für Spitäler und Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung. Zu guter Letzt will die Regierung auch Schecks an die meisten Amerikaner verteilen. Konkret sollen Menschen mit tieferen Einkommen 1'200 US-Dollar pro Kopf erhalten. Absolut betrachtet scheinen vor diesem Hintergrund die vom Bundesrat in der Schweiz bereitgestellten 42 Milliarden Franken ein Klacks zu sein. Das hiesige Hilfspaket kann sich aber im Verhältnis zum BIP ebenfalls sehen lassen. Bei einer jährlichen Wirtschaftsleistung von rund 700 Milliarden Franken beläuft sich die Unterstützung für die Schweizer Wirtschaft immerhin auch auf fast 6 % des BIP.

 

Aktienmärkte mit Kurssprung

In Antizipation auf das US-Fiskalpaket haben die Aktienmärkte mit einem Kursprung reagiert. Der Dow Jones Index legte am Dienstag um satte 11,5 % zu und auch an der Schweizer Börse ging es deutlich nach oben. Die Märkte befinden sich nach dem heftigen Kurseinbruch nun langsam aber sicher in einer Bodenbildungsphase. Für eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten braucht es aber sichtbare Fortschritte in Bezug auf die Pandemiebekämpfung. Zumindest diesbezüglich macht die Entwicklung in China aber auch in Südkorea Hoffnung. Während China seit einigen Tagen keine Neuinfektionen mehr vermelden musste, hat sich die Kurve in Südkorea deutlich abgeflacht. In Europa werden die Massnahmen in den kommenden zwei bis drei Wochen wohl ebenfalls Wirkung zeigen und das exponentielle Wachstum dürfte dann schrittweise abflachen. In dieser Gemengelage zwischen Hoffnung auf eine Stabilisierung bei den Neuinfektionen einerseits sowie schlechter Konjunktur- und Unternehmensdaten andererseits dürften die Schwankungen an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen entsprechend hoch bleiben. Für langfristig orientierte Anleger eröffnet dies Chancen um bei Kursschwächen qualitativ solide Titel günstig (nach)kaufen zu können. Werte wie Nestlé, Novartis oder Roche gehören sicher auf diese Einkaufsliste. Die Lieferketten bei diesen Konzernen funktionieren immer noch und der Absatz der Produkte ist nicht in Gefahr: Nahrung und Medizin bleiben auch in der Krise gefragt.

 

 

 

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