Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Japans Aktien notieren so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Dennoch sollten Anleger nur bedingt zugreifen: In punkto Langzeitperformance hinkt der Nikkei westlichen Märkten hinterher, zudem ist das wirtschaftliche Potenzial Japans limitiert.

Chart der Woche

Hoffnung auf abflauende Pandemie

Rohölpreis (Brent), in US-Dollar

Hoffnung auf abflauende Pandemie

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordsee-Sorte Brent hat mit gut 63 US-Dollar seinen höchsten Stand seit Mai 2019 erreicht. Haupttreiber dafür ist die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie im Laufe des Jahres dank der Impfungen unter Kontrolle gebracht werden kann und in Folge dessen die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt. Bis dahin halten die ölexportierenden Länder das Angebot am «schwarzen Gold» künstlich niedrig.   

Aufgefallen

Eine Wildkatze wird elektrisch

Der Franzose Thierry Bolloré stand einst dem Autobauer Renault vor. Seit letztem Herbst leitet er nun die Geschicke bei der britischen Traditionsmarke Jaguar. Und mit dieser hat er Grosses vor: Ab 2025 soll ihr Produktportfolio ausschliesslich elektrische Antriebe umfassen. Ob die Wildkatze dem Branchenprimus Tesla dereinst mit ihrem lautlosen Gebrüll gefährlich werden kann, wird sich zeigen.

 

Auf der Agenda

Ein Jahr Corona in der Schweiz

Am kommenden Donnerstag, den 25. Februar, jährt sich der erste bestätigte Covid-19-Fall der Schweiz – dieser wurde im Tessin festgestellt.

Japans Börse in Feierlaune

Für das Land der aufgehenden Sonne geht es nach dem Corona-bedingten Wirtschaftseinbruch aufwärts. So ist Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2020 mit rund 3 % stärker gewachsen als erwartet. Haupttreiber waren die steigenden Exporte. Dennoch zeigt sich auch in der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt eine zunehmende Verlangsamung der Konjunkturerholung. Der Feierlaune an Tokyos Börse tat dies indessen keinen Abbruch: Die Hoffnung der Anleger auf eine baldige Rückkehr zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Normalität ist intakt. Und so durchbrach der Nikkei Index zu Wochenstart erstmals seit 1990 wieder die Marke von 30‘000 Punkten. Allein dieses Jahr verzeichnet er ein währungsbereinigtes Plus von über 9 % und schlägt damit sowohl den Schweizer SMI (+1.2 %) als auch den amerikanischen S&P 500 (+6.8 %). Für Anleger bleiben japanische Aktien dennoch nur bedingt empfehlenswert. Zum einen fällt ihre Performance im langfristigen Vergleich ernüchternd aus: In den vergangenen zehn Jahren hat der Nikkei (+107 %) etwa gegenüber dem amerikanischen Aktienmarkt (+185 %) deutlich unterperformt. Hätte man zur Jahrtausendwende in Japans Leitindex investiert, so müsste man sich heute gar mit einem Minus von über 10 % anfreunden. Mit einer Anlage in den globalen Aktienmarkt, gemessen am MSCI World Index, stünde hingegen ein Plus von gut 18 % zu Buche. Noch grösser ist die Diskrepanz zu den Schweizer und amerikanischen Indizes (SMI: +49 %, S&P 500: +61 %). Zum anderen ist das Wachstumspotenzial von Japan in industrieller und demographischer Hinsicht limitiert. So liegt etwa der Altersdurchschnitt der Bevölkerung mit 48.4 Jahren nirgendwo höher auf der Welt – in der Schweiz beträgt dieser 42.6 Jahre.

 

Ein teurer Fehlgriff

Bei so ziemlich jedem von uns findet sich im heimischen Kleiderschrank eine bequeme Jogginghose von Adidas oder ein schickes Paar Laufschuhe von Reebok. Was viele jedoch nicht wissen, der US-Sportartikelhersteller mit dem «Vektor»-Logo ist eine Tochter der bayerischen «Drei-Streifen-Marke» – und deren teuerster Fehlgriff. Gut 3 Mrd. Euro hatte der Kauf Adidas 2006 gekostet. Rentiert hat sich dieser allerdings nie. Allein bis 2018 verlor Reebok ein Drittel seines Umsatzes, während der von Adidas um über 160 % stieg. Der bayerische Mutterkonzern zieht daher nun einen Schlussstrich: Reebok soll verkauft werden. Die Adidas-Aktie reagierte am Dienstag mit einem deutlichen Sprung auf diese Nachricht, zu Börsenschluss resultierte trotzdem ein Kursverlust von gut 0.8 % – der deutsche Dax büsste rund 0.3 % ein.

 

Von Gewinnern und Verlierern

Im Grossen und Ganzen haben die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr bis dato wenig Überraschendes zu Tage gebracht: Während nicht-zyklische Unternehmen relativ gut durch die Krise gekommen sind, mussten konjunktursensitive Branchen grösstenteils Federn lassen. Dies unterstrichen auch die Zahlen von dieser Woche. So sank etwa beim Liftbauer Schindler der Umsatz 2020 gegenüber dem Vorjahr um gut 5 %. Erwartungsgemäss erfreulich gestaltete sich hingegen das Ergebnis des Nahrungsmittelriesen Nestlé: Dank des starken Online- und Detailhandels wuchs dieser um 3.6 %. Infolgedessen soll die Dividende von 2.70 auf 2.75 CHF pro Aktie erhöht werden. Mit Swiss Re gewährt am heutigen Freitag ein weiterer gewichtiger SMI-Titel Einblick in seine Geschäftsbücher. Beim Rückversicherer könnte es allerdings unter Umständen nicht einmal für schwarze Zahlen reichen. Grund dafür sind in erster Linie hohe Rückstellungen für etwaige Corona-Schäden – so könnte etwa eine Absage der Olympischen Spiele in Tokyo über 3 Mrd. US-Dollar teuer werden. Dennoch dürfen die Aktionäre mit einer üppigen Ausschüttung und einer entsprechenden Dividendenrendite von rund 7 % rechnen, mehr als doppelt so viel wie der SMI-Durchschnitt.