Raiffeisen KMU PMI (Konjunkturindikator)

KMU besonders unter Druck

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Die zweite Coronawelle belastet die Schweizer Industrie weniger stark als die erste Welle im Frühjahr. Für viele KMU ist dies jedoch nur ein schwacher Trost. Sie sind im Durchschnitt immer noch deutlich stärker unter Druck als Grossunternehmen, wie der Raiffeisen KMU PMI zeigt. Im November schätzten die befragten KMU ihre Geschäftslage als so schlecht ein wie seit Mai nicht mehr.

«Die zweite Coronawelle hat den Auftragseingang aus den EU-Staaten wieder gebremst» berichtet der Geschäftsführer eines mittelgrossen Herstellers von Metallerzeugnissen, der in der Region Sursee-Seetal beheimatet ist. Die meisten der von Raiffeisen befragten KMU schlagen in dieselbe Kerbe. «Die leichte Erholung wird durch die zweite Coronawelle abgewürgt», fasst der Mitinhaber eines Glas- und Metallbaubetriebs aus der Region Aarau die Situation zusammen. Er fügt hinzu: «Die Lage wie auch das Befinden der Mitarbeiter verschlechtert sich von Monat zu Monat». 

Folglich spiegelt sich diese pessimistische Stimmung auch im Raiffeisen KMU PMI wieder, der im November erneut rückläufig war. Der Index verringerte sich von 46.3 auf 44.0 Punkte und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Mai, als noch «die ausserordentliche Lage» galt. 

Vor allem die Subkomponente zum Auftragsbestand verringerte sich deutlich, von 45.4 auf 40.1 Indexpunkte. Die Subkomponente «Lieferfristen» stieg als einzige an, blieb aber unter der Wachstumsschwelle von 50. Damit notieren nun den zweiten Monat in Folge alle Subkomponenten des Raiffeisen KMU PMI unter der Marke von 50, was zeigt, wie angespannt die Lage derzeit ist. Schon seit einigen Monaten entwickelt sich die Geschäftslage der KMU schlechter als diejenige der Grossunternehmen. Das illustriert der Vergleich mit dem PMI von procure.ch und Credit Suisse, der die Gesamtwirtschaft abbildet (siehe Grafik). Krisen treffen KMU häufig stärker als Grossunternehmen. Das war beim Frankenschock bereits der Fall und zeigt sich nun ein weiteres Mal. Die Gründe dafür sind unter anderem, dass KMU in der Regel weniger diversifiziert sind und über kleinere Reserven verfügen, weshalb es ihnen schwerer fällt externe Schocks zu absorbieren. Ein aktuelles Beispiel: Wenn einzelne, wichtige Mitarbeiter ausfallen, z.B. weil sie in Quarantäne müssen, kann dies im Extremfall bereits den ganzen Produktionsprozess zum Erliegen bringen. 

links: Raiffeisen KMU PMI November 2020 | rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI November 2020 ­ rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

 

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

  Juli

August

September Oktober November
Gesamtindex
49.7

44.3

48.6 46.3 44.0
Auftragsbestand
48.8

44.1

50.0 45.4 40.1
Produktion
52.4

46.4

50.0 46.5 43.5
Beschäftigung
48.2

41.2

48.3 46.5 47.0
Lieferfristen
47.6

41.7

45.4 47.7 48.8
Einkaufslager
51.2

49.4

46.5 46.0 44.2


50 = Wachstumsschwelle

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Raiffeisen-Ökonom Domagoj Arapovic

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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