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Die USA haben gewählt, aber das finale Resultat steht noch aus. Wie von uns erwartet ist das Rennen extrem eng und am Schluss dürfte die Entscheidung im «Rust Belt» fallen. Ein juristisches Nachspiel ist nicht ausgeschlossen.

Die «Blaue Welle» ist ausgeblieben

Die USA haben gewählt. Und wieder einmal lagen die Prognosen falsch: Die grosse «Blaue Welle» – ein Vollerfolg der Demokraten – ist ausgeblieben. Dafür ist es zu einem sehr engen Kopf-an-Kopf-Rennen gekommen und der Ausgang ist bis auf weiteres ungewiss. Keiner der Kandidaten hat in der Wahlnacht die benötigte Mehrheit von 270 Elektorenstimmen holen können. Entscheidend werden die Resultate in den Staaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin sein. Diese Staaten liegen im sogenannten «Rust Belt», welcher unter dem Niedergang der Industrie besonders gelitten hat. Da sich die Stimmauszählung in diesen Staaten hinzieht, ist mit einem finalen Resultat erst in einigen Tagen zu rechnen. Ob der unterlegene Präsidentschaftskandidat ein allfälliges knappes Resultat anfechten wird, bleibt offen. Insofern werden die nächsten Tage weiterhin von einer gewissen Unsicherheit geprägt sein.

Neben dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ist aber auch das Wahlresultat im Kongress entscheidend. Dort sieht es danach aus, als ob die Republikaner ihre knappe Mehrheit verteidigen könnten. Ein gespaltener Kongress hat aber durchaus etwas Gutes: So müssen sich die Parteien auf Kompromisse einigen.

Volatile Seitwärtsbewegung an den Märkten erwartet

Die Finanzmärkte dürften bis zum finalen Resultat volatil bleiben und tendenziell seitwärts tendieren. Als Präzedenzfall dafür dient das enge Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Georg Bush und Al Gore im Jahr 2000, welches vom obersten Gericht erst einen Monat nach der Wahl zugunsten des Republikaners Bush entschieden wurde. In dieser Zeit tendierte der US-Aktienmarkt leicht schwächer (siehe Chart). Aktuell zeigen die Futures ein gemischtes Bild: Die Aktienmärkte dürften unverändert in den neuen Handelstag starten, die Zinsen in den USA sind deutlich gefallen und der US-Dollar notiert fester. Alles Indikatoren, welche die Wahrscheinlichkeit einer blauen Welle «auspreisen».

Unabhängig vom Wahlausgang steht wirtschaftspolitisch weiterhin die Verabschiedung eines weiteren Fiskalstimuluspakets an. Aufgrund der unsicheren politischen Ausgangslage könnte es hier nochmals zu Verzögerungen kommen. So oder so ist aber spätestens Anfang 2021 mit einem neuen Rettungspaket zu rechnen. Die Grössenordnung dürfte zwischen 1 bis 2 Billionen US-Dollar liegen. Damit wird die Corona-gebeutelte Wirtschaft dringend nötige Unterstützung erhalten. 

Bis das definitive Wahlergebnis feststeht...

… ist mit einer volatilen Seitwärtsbewegung zu rechnen.

US-Wahlen 2000 – Präzendenzfall

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Verstärkt dürfte sich der Fokus der Anleger nun wieder auf die weiterhin grassierende Corona-Pandemie, welche in den USA weiterhin nicht unter Kontrolle ist, richten. Hier braucht es verstärkte Anstrengungen und neue Massnahmen, um der Situation Herr zu werden.

Für die mittelfristigen Aussichten an den Aktienmärkten sind der Verlauf der Pandemie und die Implikationen auf die Wirtschaft entscheidend. Politische Börsen haben in der Regel nämlich «kurze Beine». Wir bleiben deshalb in der Anlagetaktik defensiv positioniert. Die erneuten Lockdowns werden sich bald in schwächeren Konjunkturdaten und Unternehmensergebnissen bemerkbar machen. 

 

 

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