Anlageguide – Der Wegweiser für Ihr Vermögen

Anlageklasse im Fokus: Obligationen

Der Markt fordert eine höhere Entschädigung, weshalb die Zinsen für lange Obligationen steigen. Die für die Anleger damit einhergehenden Risiken dürfen nicht unterschätzt werden.

Kleine Ursache, grosse Wirkung

Nach dem Regen scheint die Sonne und auf die Rezession folgt die konjunkturelle Erholung. Das soll auch nach dem historischen Wirtschaftseinbruch des vergangenen Jahres so sein. Wie fragil die Wirtschaft und ihre Aussichten sind, zeigte sich jüngst am Beispiel Deutschland, das seine Wachstumsprognosen 2021 von 4.4% auf 3.0% reduzierte. Gerade deshalb unternehmen die Regierungen beinahe alles, um einen Aufschwung herbeizuführen, ja förmlich zu erzwingen. Die Prognosen sind denn auch vielversprechend: Allen voran in Europa und den USA, wo wir mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 5.0% beziehungsweise 4.5% rechnen. Die Kehrseite ist, dass diese billionenschweren Investitionsprogramme finanziert werden müssen, und dazu verschulden sich die Staaten weiter. 

Zinsanstieg ist für Anleger eine Gefahr (Beispiel USD-Zinskurve)

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Bei langen Laufzeiten drohen saftige Verluste

Die Reaktion des Marktes ist eindeutig: Die Zinsen für längere Laufzeiten steigen. Anleger fordern eine höhere Entschädigung. Erst dann sind sie bereit, das Geld auch zur Verfügung zu stellen. Allein in den ersten Wochen des Jahres kletterten die Zinsen für 10-jährige Anleihen um 0.2%. Was nach wenig aussieht, kann für Anleger aber spürbare Folgen haben. So hat eine US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit bis 2029 allein in diesem Jahr rund 2% nachgegeben. Seit Mitte des vergangenen Jahres sind es gar rund 5%. Dabei gilt: je länger die Laufzeit, desto grösser die Kursschwankungen. Wie stark eine Zinsänderung auf den Kurs wirkt, kann berechnet oder anhand einer Faustregel abgeschätzt werden. Aus Risikoüberlegungen empfiehlt es sich gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld, nicht in zu lange laufende Obligationen zu investieren.

Eine US-Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2029 hat in den vergangenen 6 Monaten rund 5 % eingebüsst

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Bei den angestrebten Wachstumsraten wird auch Inflation, also die Geldentwertung, wieder zum Thema. Bei den gegenwärtig niedrigen Zinsen sind festverzinsliche Anlagen als Inflationsschutz wenig gefragt. Gerade Obligationen in Schweizer Franken scheinen nicht attraktiv. Dabei sind sie besser als ihr Ruf. Unter Berücksichtigung der Inflation ist die Realrendite von Schweizer Anleihen besser als in der Eurozone oder in den USA. Das liegt daran, dass die Inflation in diesen beiden Wirtschaftsräumen im laufenden Jahr deutlich höher ausfallen sollte als in der Schweiz. Das ist allerdings nur eine relative Betrachtung. Absolut verharren die Zinsen in den meisten entwickelten Ländern im Minus. Anleger verdienen also nichts. Aus diesem Grund halten wir an unserem Untergewicht bei Obligationen fest.