Anlageguide – Der Wegweiser für Ihr Vermögen

Anlageklasse im Fokus: Obligationen

Die Angst vor Inflation treibt die Zinsen in die Höhe. Anleger haben wieder eine Alternative zu festverzinslichen Anlagen, allerdings nicht in Schweizer Franken.

10-jährige US-Renditen sind über den Dividendenrendite

Die aktuelle Situation scheint dem Lehrbuch über den typischen Wirtschaftskreislauf entsprungen: Die Konjunktur wird mit Hilfe niedriger Zinsen angekurbelt, nimmt Fahrt auf, lässt die Preise steigen. Die Angst vor Inflation geht um. Damit die Wirtschaft nicht überhitzt, werden die Zinsen wieder angehoben. So weit, so gut. Die Börsen reagieren allerdings nicht erst auf Fakten, sondern auf Erwartungen – und sie tendieren zu Übertreibungen. Genau dieses Szenario wurde in den vergangenen Wochen Realität. Positive Wirtschaftsaussichten aufgrund der massiven Fiskalprogramme, gepaart mit der Aussicht auf eine Entspannung der Corona-Situation, dürften die Wirtschaft beleben. In diesem Umfeld sind die Inflationserwartungen angestiegen. Massgeblicher Treiber sind die Energiekosten. Der Ölpreis hat sich in den vergangenen 12 Monaten beinahe verdreifacht. Die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen sind seit Anfang Jahr von 0.92% auf zeitweise über 1.70% geklettert.

Verzinsung von 10-jährigen US-Staatsanleihen verglichen mit der Dividendenrendite des S&P 500

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die relative Attraktivität von Obligationen verglichen mit Aktien hat damit deutlich zugenommen. Es kommt daher bereits zu Umschichtungen, Anlagegelder fliessen zunehmend in den US-Dollar. Investoren sind davon doppelt betroffen. Während sie sich einerseits über die gestiegenen Renditen der Anlageklasse freuen, lässt die Bewegung der Zinsen die Kurse einbrechen. Seit Anfang Jahr haben 10-jährige US-Staatsobligationen fast 7% an Wert eingebüsst.

Die zunehmende Attraktivität zeigt sich auch im Vergleich mit dem Aktienmarkt. Erstmals seit über einem Jahr liegt die Rendite der 10-jährigen Anleihen wieder über der Dividendenrendite des US-Aktienindex S&P 500. Diese Entwicklung wird von den Notenbanken denn auch genauestens beobachtet. Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa hat bereits kommuniziert, dass sie ihr Anleihekaufprogramm beschleunigt, um die Zinsen niedrig zu halten. Die US-Zentralbank Federal Reserve hingegen sieht noch keinen Anlass dem Anstieg der Langfristzinsen aktiv entgegenzuwirken. 

Franken Zinsen trotz Anstieg negativ

Die Renditen auf Verfall sind zwar auch in der Schweiz gestiegen, notieren aber über sämtliche Laufzeiten hinweg noch immer im Minus. Einzig wer sein Geld für 30 Jahre der Eidgenossenschaft zur Verfügung stellt, erhält dafür eine Nullrendite. Abzüglich Inflation und Verwaltungskosten resultiert allerdings auch hier eine negative Rendite. 

Da Börsen zu Übertreibungen neigen und die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung nach wie vor ungewiss ist, gehen wir davon aus, dass der Trend der steigenden Zinsen in dieser Form nicht anhält. Vielmehr erwarten wir eine Stabilisierung der Zinsen für längere Laufzeiten. Aufgrund des absolut niedrigen Zinsniveaus, halten wir an unserem Untergewicht in Obligationen fest.

Renditen von Schweizer Staatsanleihen

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office