Anlageguide – Der Wegweiser für Ihr Vermögen

Anlageklasse im Fokus: Aktien

Die Aktienmärkte haben korrigiert. Die Bewertungen sind aber nur vermeintlich attraktiv. Aufgrund der Aussichten dürften die Gewinnerwartungen sinken und die Bewertungen steigen.

Erhöhte Unsicherheit spiegelt sich in stärkeren Schwankungen

Volatilitätsindex des Swiss Market Index (VSMI)

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Quartalsberichterstattung ist in vollem Gang. Die Zahlenkränze fallen gemischt aus, was die Volatilität an den Börsen befeuert hat. Nachdem sich die Schwankungsbreite nach Corona im Jahr 2021 reduzierte, steigen die Volatilitätsindizes der Aktienmärkte seit Anfang 2022 in Wellenbewegungen an. Dass die Unsicherheit der Anleger erhöht bleibt, lässt sich aufgrund der Geschäftsergebnisse erahnen, denn eines haben viele gemein: Sie liegen deutlich unter denjenigen des vergangenen Jahres, aber über den Erwartungen der Analysten. 

Nur scheinbar attraktive Bewertungen – Wegen drohender Gewinnrückgänge

Da im aktuellen Umfeld viele Unternehmen mit schwindenden Margen kämpfen, kommt den Aussichten eine zunehmend bedeutende Rolle zu. Und diese sind verhalten. Weil die Märkte aber seit Anfang des Jahres im Schnitt rund 20% verloren haben, ist mindestens ein Teil der schlechten Nachrichten in den Kursen bereits enthalten. Die Bewertungen scheinen attraktiv, unterliegen aber der Gefahr, dass sie aufgrund rückläufiger Gewinne plötzlich wieder steigen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis SMI

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das führt denn auch dazu, dass sich Investoren bezüglich Wert und Preis einer Anlage uneins sind. Während der Preis durch den aktuellen Kurs an der Börse gegeben ist, ist die Bestimmung des Wertes ungemein aufwändiger. Grundsätzlich wird der Wert einer Investition durch die zukünftig erwirtschafteten Gewinne bestimmt. Der aktuelle Wert dieser Gewinne ist jedoch von vielen Einflussfaktoren abhängig. Dazu gehört die künftige wirtschaftliche Entwicklung und deren Bedeutung für die Wachstumsraten eines Unternehmens. Entscheidend in puncto Profitabilität sind zudem die Konkurrenzsituation sowie die Kostenentwicklung. Und dann stellt sich noch die Frage, mit welchem Zinssatz die Erträge auf den heutigen Zeitpunkt abdiskontiert werden sollen. 

Aufgrund der herrschenden Unsicherheit ist insbesondere die von Anlegern geforderte Risikoprämie angestiegen. Investoren setzen zudem verstärkt auf Qualität. Somit rückt die Bilanz in den Vordergrund. Eine hohe Verschuldung wird zum Risiko, da sie eine höhere Zinslast bedeutet. Risikobehaftete Unternehmen, die sich in einem Turnaround-Prozess befinden, sind wenig gefragt. Ein Untergewicht in Aktien scheint bei der aktuellen Konstellation von Risiko und Rendite weiterhin angebracht.