Märkte & Meinungen

Die Schweiz ist Trumpf

Schweizer Anleger brauchen keine internationale Diversifikation. Sie bringt ihnen kaum Mehrwert, obwohl eine breite geografische Durchmischung gemeinhin als A und O des erfolgreichen Investierens gilt. Warum die Schweiz in Sachen Anlegen ein Sonderfall ist.

Schweizer Aktienmarkt ist sehr solide

Anleger weltweit schätzen den Schweizer Aktienmarkt. Denn er punktet in volatilen Marktphasen mit seinem defensiven Charakter. So kommen Schweizer Aktien meist besser durch Krisen als viele internationale Werte. Das zeigte sich besonders im Corona-Jahr 2020: Während der MSCI World Index zwischen Ende Februar und Mitte März fast 34% verlor, ging es für den Swiss Performance Index (SPI) lediglich um 26% nach unten.

Auch der Blick weiter zurück bestätigt diese Krisenresistenz. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im zweiten Halbjahr 2008 büsste der Weltindex – unter Berücksichtigung von Dividenden und in Lokalwährung – rund 55% seines Wertes ein. Der Schweizer Markt hingegen fiel «nur» um 43%. Angesichts dieser soliden Entwicklung in Krisenzeiten verwundert es nicht, dass Schweizer Titel für viele Anleger attraktiv sind: Nestlé, Roche, Novartis und Co gelten weltweit als zuverlässige Portfolio-Stabilisatoren.

Währungseffekt stärkt Schweizer Markt

In Krisenzeiten suchen Anleger auch sichere Häfen wie den Schweizer Franken. Die Schweiz gilt seit jeher als solide Volkswirtschaft mit stabilen sozialen und politischen Verhältnissen. Entsprechend «hart» ist die Landeswährung. Der Franken zeigt sich in Krisenzeiten robust, während andere Währungen in solchen Phasen unter Druck geraten. Steigt die Volatilität an den Finanzmärkten, nimmt auch das Risiko in den Portfolios zu. In der Folge strömt Kapital in weniger riskante – beispielsweise frankenbasierte – Anlagen. Aufgrund dieser Zuflüsse wertet der Schweizer Franken gegenüber den ausländischen Währungen relativ konstant auf. Das spielt Schweizer-Franken-Anlegern in die Hände, weil der Wert ihrer Geldanlagen damit steigt.   

Die Theorie besagt: Eine erfolgreiche Anlagestrategie gründet auf einer breiten Diversifikation des Portfolios, nicht zuletzt auch in geografischer Hinsicht. Weil der Schweizer Franken stärker ist als viele andere Währungen, hat es sich für ausländische Anleger in der Vergangenheit gelohnt, das Portfolio mit eidgenössischen Werten zu diversifizieren. Nun stellt sich die Frage, ob das auch umgekehrt der Fall ist: Lohnt es sich für einen Schweizer Anleger, global zu diversifizieren, wenn der Heimmarkt so klare Vorteile aufweist? Sollte man tatsächlich auch Titel in US-Dollar, Japanischem Yen und Euro halten? Oder ist es klüger, ausschliesslich in Schweizer Franken zu investieren und innerhalb des Heimmarktes zu diversifizieren?

Schweizer und globales Portfolio im Vergleich

Um diese Fragen zu beantworten, konstruieren wir zwei Musterportfolios: Ein Schweizer Portfolio sowie ein globales. Beide bestehen zu gleichen Teilen aus Aktien und Anleihen. Vergleicht man die Entwicklung beider Musterportfolios in Schweizer Franken, zeigen sich geringe Renditeunterschiede. Das Schweizer Portfolio verbuchte seit Januar 2008 ein Plus von rund 64% (+3.91% p.a.). Das globale Portfolio schnitt mit einem Zuwachs von etwa 58% (+3.59% p.a.) etwas schwächer ab.

Schweizer Musterportfolio im Vorteil

Renditeentwicklung Schweizer versus globales Musterportfolio, währungsbereinigt

Renditeentwicklung Schweizer versus globales Musterportfolio, währungsbereinigt

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Auch die Sharpe Ratio spricht für das Schweizer Portfolio. Diese Finanzkennzahl misst das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite eines Portfolios und zeigt auf, ob es sich renditemässig lohnt, ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Konkret wird die Überschussrendite einer Anlage ins direkte Verhältnis zum Risiko des Portfolios (in Form der Volatilität der Renditen) gesetzt. Generell gilt es eine höhere Sharpe Ratio einer niedrigeren vorzuziehen. Denn ein höherer Wert indiziert, dass die Rendite mit einem niedrigeren Schwankungsrisiko erreicht wurde. Für das Schweizer Portfolio beläuft sich die Sharpe Ratio für den betrachteten Zeitraum auf 0.51, für das globale Portfolio fällt sie mit 0.45 tiefer aus. 

Bei Anleihen kaum Unterschiede, bei Aktien hingegen schon

Renditeentwicklung der Portfolio-Komponenten, währungsbereinigt

Renditeentwicklung der Portfolio-Komponenten, währungsbereinigt

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das Schweizer Portfolio erzielte also nicht nur eine höhere Rendite, sondern war auch im Verhältnis zum Risiko attraktiver.

Der Blick auf die Bestandteile der Portfolios zeigt, warum das Schweizer Musterportfolio leicht im Vorteil ist. Beim Anleihenteil spielt die lockere Geldpolitik der Notenbanken die entscheidende Rolle. Die Zinsen sind seit vielen Jahren nahe der Null-Marke, in manchen Ländern sogar im negativen Bereich. Deshalb gibt es bei Anleihen kaum Renditeunterschiede: Der Swiss Bond Index (SBI) stieg gegenüber Anfang 2008 um rund 43%, der Bloomberg Aggregate Barclays Global CHF Index um etwa 45%. Beim Aktienteil hingegen sind die Renditeunterschiede unter Berücksichtigung des Währungseffektes grösser: Während der Schweizer Markt (SPI) fast 86% zulegte, waren es beim Gesamtmarkt, gemessen am MSCI World Total Return, nur rund 68%. 

Schweizer Titel sind per se global diversifiziert

Obwohl dem Schweizer Aktienmarkt gewisse Sektoren wie zum Beispiel Technologie fehlen, lässt die Durchmischung der Branchen wenig Wünsche offen. Auch in Sachen Qualität gibt es am Schweizer Leitindex wenig zu bemängeln. Die meisten Unternehmen sind entweder Weltmarktführer oder konkurrieren mit den besten der Welt. Dadurch wickeln sie den grössten Teil ihres Geschäfts im Ausland ab.

Wieviel Schweiz steckt überhaupt im SMI?
Wenig.

Es stellt sich also die Frage: Wieviel Schweiz steckt überhaupt im Schweizer Aktienmarkt? Wenig, lautet die Antwort. Viele Unternehmen weisen ihren Schweizer Umsatz gar nicht aus. Es handelt sich um international tätige Konzerne, deren Fokus auf dem globalen Markt liegt. Nichtsdestotrotz leben viele dieser Unternehmen Schweizer Werte und sind nicht zuletzt deshalb so erfolgreich. Das bedeutet auch, dass man mit der Investition in Schweizer Unternehmen im Grundsatz schon global diversifiziert ist, weil diese global tätig sind.

Wieso in die Ferne schweifen?

Beim Thema Anlegen scheint in einer Hinsicht Einigkeit zu herrschen: In fast allen Lehrbüchern wird die Wichtigkeit einer globalen Diversifikation gepriesen. Dies ist grundsätzlich richtig, gilt aber nur bedingt für Schweizer-Franken-Anleger. Ein gemischtes Portfolio aus Schweizer Aktien und Franken-Obligationen schlägt ein globales Pendant – und zwar sowohl bei der historischen Gesamtrendite als auch in Bezug auf das Risiko. Der Hauptgrund liegt beim starken Schweizer Franken. Gewiss: Was historisch richtig ist, muss nicht unbedingt für die Zukunft gelten. Es spricht jedoch vieles dafür, dass der Franken auch künftig zu den stärksten Währungen der Welt gehören wird.

Der Heimmarkt umfasst praktisch alles, 
was das Anlegerherz höher schlagen lässt.

Schweizer Anlegerinnen und Anleger können also auf eine globale Diversifikation verzichten. Der Heimmarkt umfasst praktisch alles, was das Anlegerherz höherschlagen lässt: Aktien von global führenden Unternehmen, sichere Anleihen und die wohl stärkste Währung der Welt. Ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis als im Heimmarkt findet sich kaum woanders. Wir bei Raiffeisen gewichten den Heimmarkt in unseren globalen Mandaten deshalb bewusst stärker. Zudem bieten wir unseren Kunden auch Anlagelösungen, die ausschliesslich in die Schweizer Finanzmärkte investieren.

Standortbestimmung lohnt sich

Wer investiert, sollte sein Portfolio regelmässig auf das aktuelle Marktumfeld und die persönliche Vermögenssituation abstimmen. Ein individueller und kostenloser Vermögens-Check zu Jahresbeginn bietet Gelegenheit dazu. Der Kundenberater analysieren das Risikoprofil und die strategische Vermögensallokation, inklusive Immobilien, Finanzierungen, Liquiditätsplanung und Vorsorge. Im persönlichen Gespräch wird danach geprüft, ob das Vermögen immer noch auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist und die Anlagen weiterhin mit der per­sönlichen Anlage- und Vorsorgestra­tegie übereinstimmen. Gemeinsam werden im Ver­mögens-Check Optimierungsmög­lichkeiten – auch hinsichtlich der Diversifikation – identifiziert, Chancen the­matisiert und die Portfoliostruktur auf das Marktumfeld abgestimmt. 

 

 

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