Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Das Archegos-Debakel verhagelt Credit Suisse dieses Jahr das erste Quartal. Unter dem Strich resultiert in den ersten drei Monaten des Jahres ein Verlust von 900 Mio. Franken. Nun kämpft die Grossbank um Reputation und Kunden.

Chart der Woche

Schweizer Tourismus am Boden

Nettobettenauslastung im Februar

Schweizer Tourismus am Boden

Quellen: BFS, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verbringen viele Schweizer ihre Ferien in heimischen Gefilden. Für die Hotellerie ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die fehlenden ausländischen Gäste sowie die Corona-Restriktionen belasten die Branche. So lag die Nettobettenauslastung der geöffneten Betriebe im Februar 2021 – trotz Skiferien – bei knapp 33 %, rund 12 Prozentpunkte unter dem 10-Jahresschnitt und damit so tief wie noch nie. 

Aufgefallen

«Sayonara» Tokioter Börse?

Die Marke Toshiba ist ausserhalb Japans vor allem für Laptops bekannt. Der Konzern ist aber auch in den Betrieb von Atomreaktoren und den Bau von U-Booten involviert. Dies sorgte in der Vergangenheit öfters für Ärger mit Aktionären. Nun liegt ein Kauf¬angebot der Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners vor. Willigt Toshiba ein, so würde der Name von der Tokioter Börse verschwinden.

 

Auf der Agenda

ZEW-Konjunkturerwartungen

Am 13. April veröffentlicht das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sein neuestes Update zu den Konjunkturerwartungen im Euroraum.

Wenig Erfreuliches im Osternest für Credit Suisse

Spätestens seit der Finanzkrise geniesst die Bankenbranche in der Bevölkerung einen zweifelhaften Ruf. Überzogene Managerlöhne, Milliardenbussen und scheinbar erhöhte Risiken auf Kosten der Kunden sorgen regelmässig für Schlagzeilen. Jüngstes Beispiel ist die Credit Suisse (CS). Erst Greensill, dann Archegos. Gleich zweimal innert kürzester Zeit offenbarten sich Schwachstellen im Risikomanagement der Grossbank. Neben dem Vertrauen der Kunden kostet dies eine ordentliche Stange Geld. So verkündete die CS am vergangenen Dienstag, trotz eines operativ guten ersten Quartals 2021, einen Vorsteuerverlust von 900 Mio. Franken. Haupttreiber für die roten Zahlen war mit 4.4 Mrd. Franken die Pleite des US-Hedgefonds Archegos. CEO Thomas Gottstein muss nun seinen «Supertanker» schnell wieder auf Kurs bringen, ansonsten drohen nicht nur Köpfe – der oberste Investmentbanker Brian Chin sowie die Risikochefin Lara Warner mussten bereits gehen – zu rollen, sondern auch Kundenvermögen verloren zu gehen.  

Bitter ist das Debakel vor allem für die Aktionäre. Anstatt der ursprünglich angedachten Dividende von gut 29 Rappen sollen sie jetzt nur noch 10 Rappen erhalten. Die CS-Aktie ist dieser Tage gerade mal eine Zehnernote wert, zu Anfang März lag sie noch bei 13 Franken. Mit einem Wertverlust von rund 11 % seit Jahresbeginn rangiert sie auf dem vorletzten Platz innerhalb des STOXX Europe 600 Financial Services Index (+8,9 %), welcher die 31 grössten europäischen Finanzdienstleister umfasst. Das 12-Monatskursziel für die Schweizer Grossbank liegt derweil auf Bloomberg bei 13.06 CHF. Ein Gros der Analysten interpretiert somit den Kursverfall der letzten Wochen als Überreaktion auf die Folge von schlechten Nachrichten oder hat die Schätzungen noch nicht angepasst. In Summe zeigt sich einmal mehr, welche Risiken in Bankaktien stecken – trotz der guten Performance vieler Titel im laufenden Jahr. Die anhaltende Konsolidierung in der Branche sowie die latente Gefahr von Strafzahlungen und Produktausfällen erhöhen das Risiko im Anlagekorb, ohne nachhaltiges Renditepotenzial zu schaffen.

 

Globale Mindeststeuer im Gespräch

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump gilt als Freund der Unternehmen. So senkte er etwa den Unternehmenssteuersatz in den USA von 35 % auf 21 %. Sein Nachfolger Joe Biden indessen möchte dies wieder rückgängig machen. Unter anderem um mehr «Munition» für sein billionenschweres Infrastrukturprogramm zum Post-Corona-Aufbau der US-Wirtschaft zur Verfügung zu haben. Der daraus resultierende Steuernachteil würde aber wohl einige Firmen dazu bewegen, ihre Zelte in den USA abzubrechen und ihren Sitz in ein steuergünstigeres Land zu verlegen. Um dies zu verhindern, macht sich die Finanzministerin Janet Yellen derzeit in der G20-Gruppe der grossen Industrie- und Schwellenländer für eine globale Mindeststeuer für Unternehmen stark. Sollte dies gelingen, so wäre das für Biden nicht nur ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Corona-bedingten Einbruch der US-Wirtschaft, sondern auch ein bedeutender politischer Erfolg. 

 

Ungleichheit wird zunehmen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognosen angepasst – zum zweiten Mal dieses Jahr. So soll die Weltwirtschaft 2021 neu um 6 % statt 5,5 % wachsen und 2022 um 4,4 % statt 4,2 %. Der Aufschwung wird jedoch nicht überall gleich stark ausfallen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sieht der IWF in der Geschwindigkeit der nationalen Impfkampagnen. Impulse in puncto Wachstum werden vor allem die USA und China setzen. Im Hintertreffen hingegen werden die Eurozone, sowie Entwicklungs- und Schwellenländer sein.