Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Ende Oktober verlässt Sergio Ermotti die UBS. Zuvor präsentierte er diese Woche noch ein letztes Mal die Quartalszahlen der Grossbank – mit dem besten Drittquartalsergebnis seit zehn Jahren war es ein würdiger Abschied.

Chart der Woche

Magere Bilanz für Sergio Ermotti

Aktienkurs UBS Schweiz, in CHF

Magere Bilanz für Sergio Ermotti

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Am 15. November 2011 hat Sergio Ermotti bei UBS das Ruder als CEO übernommen. Die Aktie notierte damals bei CHF 10.63. Rund neun Jahre später steht sie mit einem Plus von etwa 5 % praktisch unverändert da. Aus Aktionärssicht fällt die Ära Ermotti somit mager aus. Dass es aber noch schlimmer geht, beweist die Konkurrentin Credit Suisse: Deren Valoren haben im selben Zeitraum über 50 % an Wert eingebüsst.

Aufgefallen

Die «Billy-Kreditkarte»

Wer bis dato das Einrichtungshaus IKEA besucht hatte, der wollte ein Billy-Regal, einen Pax-Schrank oder ein anderes trendiges Möbelstück erstehen. Künftig bietet der blau-gelbe Riese aus Schweden seinen Kunden aber auch Gratis-Kreditkarten an. Möglich wird dies durch eine Kooperation mit der Cembra Money Bank. Das neue Angebot soll im ersten Quartal 2021 lanciert werden.

 

Auf der Agenda

Flughafen BER startet durch

Am 31. Oktober wird in Deutschland der neue Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) nach 14 Jahren Bauzeit eröffnet.

Mr. Ermotti, one last time – UBS Quartalszahlen

Es war Sergio Ermottis letzter grosser Auftritt als scheidender CEO der Grossbank UBS. Am vergangenen Dienstag präsentierte er die Geschäftszahlen zum dritten Quartal 2020. Wie von Experten erwartet konnte er dabei gute Nachrichten überbringen: Die Grossbank lieferte das beste Drittquartalsergebnis seit zehn Jahren. Unter dem Strich verdiente sie in der Periode von Juli bis September 2.1 Milliarden US-Dollar – dies entspricht einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Hauptgrund für die deutliche Gewinnsteigerung waren ein deutlich höherer Geschäftsertrag sowie der Verkauf der Fondsvertriebsplattform Clearstream. Deutlich zurückgegangen sind im dritten Quartal die Wertberichtigungen für Kreditrisiken: Nach zusammen 540 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr waren es zuletzt nur noch 89 Millionen US-Dollar. In Folge des guten Quartalsergebnisses schoss die UBS-Aktie am Dienstag um rund 2.7 % nach oben und war damit unbestrittenere Tagesgewinner am Schweizer Markt (SMI). Den Jahresabschluss am 25. Januar 2021 wird dann bereits Ermottis Nachfolger, der Niederländer Ralph Hamers, präsentieren.

Auch wenn die Ära Ermotti als Ganzes aus Aktionärssicht eher bescheiden ausfällt (siehe Chart der Woche), so ist es ihm doch gelungen die Grossbank nach der Finanzkrise auf stabile Beine zu stellen: Mit mehr als 3.5 Billionen US-Dollar Kundenvermögen gilt die UBS aktuell als weltweit grösster Verwalter privater Vermögen.

 

Schulden. Schulden, nochmals Schulden – Rekorddefizit in den USA

3'100 Milliarden US-Dollar. So hoch ist das Defizit, das die USA im Haushaltsjahr 2020 eingefahren haben – gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Verdreifachung. Hauptursache waren die Ausgaben zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Das Minus übersteigt den bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2009 um mehr als das Doppelte. Ein Ende des Schuldenmachens ist nicht in Sicht: Aktuell verhandeln Regierung und Kongress über ein weiteres Konjunkturpaket in Höhe von rund 1.8 Billionen US-Dollar. Die USA stehen allerdings nicht allein vor einem immensen Schuldenberg. Auch die Schweiz kann sich keiner reinen Weste mehr loben: Das Eidgenössische Finanzdepartement rechnet derzeit für das laufende Jahr mit einem Corona-bedingten Haushaltsdefizit von 20 bis 35 Milliarden Schweizer Franken – budgetiert war hingegen ein Überschuss im dreistelligen Millionenbereich.

 

Das chinesische Wunder – Wirtschaft im Reich der Mitte wächst weiter

Während sich die wirtschaftliche Lage in Europa durch die sich ausbreitende Corona-Pandemie zu verschlimmern droht, geht es in China weiter aufwärts. Die chinesische Wirtschaft legte im Vorjahresvergleich um 4.9 % zu. Das ist zwar weniger als viele Experten erwartet haben – im Durchschnitt wurde mit einem Plus von 5.5 % gerechnet – dennoch reicht das Ergebnis aus, um den Corona-bedingten Einbruch im Frühjahr mehr als auszugleichen: In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0.7 % gewachsen. China dürfte damit die einzige grosse Volkswirtschaft sein, die 2020 mit einem positiven Wachstum abschliessen kann. Hierzulande belasten die massiv gestiegenen Infektionszahlen sowie die Angst vor erneuten Lockdown-Massnahmen die konjunkturelle Erholung. In Folge dessen hat deren Dynamik zuletzt spürbar nachgelassen. Zudem dürften die negativen Effekte vom Arbeitsmarkt sowie der Konsumseite erst mit zeitlicher Verzögerung vollumfänglich wirksam werden. Wir prognostizieren daher für das Jahr 2020 einen Rückgang des Schweizer BIPs in Höhe von 5 %. Global dürfte die Wirtschaftsleistung um 4 % schrumpfen.