Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Der Ölpreis macht dieses Jahr eine Achterbahnfahrt durch. Die erneute Uneinigkeit zwischen den OPEC-Ländern und ihren Partnern liefert neuen Zündstoff. Für positive Nachrichten sorgen hingegen die Schweizer Detailhandelsumsätze.

Chart der Woche

Bester Monat aller Zeiten

Top-5 Monatsrenditen Stoxx Europe 600, in EUR

Bester Monat aller Zeiten

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Europas Aktien waren im November im Höhenflug: Der breite Stoxx Europe 600 Index verzeichnete mit einem Plus von 13,7 % den besten Monat seiner Geschichte. Haupttreiber waren der klare Sieg von Joe Biden in der US-Präsidentschaftswahl und die positiven Nachrichten hinsichtlich der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. 

Aufgefallen

China gibt Vollgas

Die chinesische Wirtschaft setzt ihren Post-Corona-Erholungskurs fort. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe stieg im November auf 52.1 Punkte, den höchsten Wert seit September 2017. Der PMI für das nichtverarbeitende Gewerbe erreichte mit 56.4 Punkten garden höchsten Wert seit Oktober 2013.

 

Auf der Agenda

Sommertourismus 2020

Am 7. Dezember veröffentlicht das Bundesamt für Statistik (BFS) die Beherbergungszahlen der Sommersaison 2020. Viele Schweizer haben ihre Sommerferien in der Heimat verbracht. Dies dürfte den Corona-bedingten Rückgang an internationalen Gästen aber nicht kompensieren.

Schweizer Detailhandel auf dem Weg aus dem Corona-Tief

Es geht aktuell merklich aufwärts. Die realen, um Verkaufs- und Feiertagseffekte bereinigten Detailhandelsumsätze sind im Oktober 2020 im Vorjahresvergleich um 3,1 % gestiegen, nachdem die Umsätze des heimischen Detailhandels in diesem Frühjahr aufgrund des Lockdowns und der damit verbundenen Betriebsschliessungen massiv eingebrochen waren. Gegenüber dem Vormonat erhöhten sie sich saisonbereinigt um 3,2 %. Besonders stark fiel das Wachstum mit einem Plus von 5,4 % im Lebensmittelbereich aus. Weniger gefragt waren Produkte aus dem Nicht-Nahrungsmittelsektor (+1,6 %). Mit den Vorweihnachtswochen befinden wir uns nun traditionell in der umsatzstärksten Zeit des Jahres. Es besteht somit die berechtigte Hoffnung, dass der Schweizer Detailhandel vorerst weiterhin auf Erholungskurs bleibt.

 

Neuer VR-Präsident, neue Hoffnung?

Kommenden April wird Urs Rohner nach 10 Jahren als Verwaltungsratspräsident die Grossbank Credit Suisse (CS) verlassen. Sein Leistungsausweis ist eher mager. Unter Rohners Regentschaft fällt unter anderem die von den Medien ausgeschlachtete Spitzel-Affäre um den ehemaligen CEO Tidjane Thiam. Und auch die Aktionäre werden ihm kaum eine Träne nachweinen: Der CS-Aktienkurs fiel seit seinem Amtsantritt im April 2011 bis heute, unter Berücksichtigung der Dividende, um über 67 %. Die Wertpapiere der Konkurrentin UBS hingegen verbuchten in dieser Periode ein Plus von rund 3 %. Rohners Nachfolger steht bereits fest – falls er an der nächsten ordentlichen Generalversammlung am 31. April 2021 von den Aktionären bestätigt wird: António Horta-Osório. Der 56-jährige Portugiese ist kein unbeschriebenes Blatt in der Finanzbranche. So lenkt er seit 2011 erfolgreich die Geschicke der Lloyds Bank, der grössten Retail- und Geschäftsbank Grossbritanniens. Ob er der CS-Aktie zu neuen Höhenflügen verhelfen kann, hängt in erster Linie davon ab, inwiefern es ihm gelingen wird, frische Impulse zu setzen und diese glaubwürdig gegenüber den Investoren zu vertreten. Zu wünschen bleibt es ihm und vor allem den arg gebeutelten CS-Aktionären.

 

Zäher Streit ums schwarze Gold

Grund für die diesjährige Achterbahnfahrt des Rohölpreises sind die Corona-bedingte Schwäche der Weltkonjunktur und die Uneinigkeit der erdölexportierenden Länder (OPEC) hinsichtlich der Förderpolitik. Besonders Saudi-Arabien und Russland hatten sich zu Jahresbeginn einen regelrechten Preiskrieg geliefert. Daraufhin einigten sich die OPEC und ihre Verbündeten (OPEC+) auf die grösste Ölförderdrosselung der Geschichte. So sollten im Mai und Juni fast zehn Millionen Barrel Öl weniger pro Tag produziert werden – 10 % der weltweiten täglichen Rohölproduktion. Von Juli bis Dezember sollten es dann täglich acht Millionen Barrel weniger sein und schliesslich zwischen Januar 2021 und April 2022 noch sechs Millionen Barrel weniger. Für letzten Dienstag war nun ein weiteres Treffen der OPEC+ angesetzt. Ganz zuoberst auf der Agenda stand abermals die Diskussion über die gemeinsame Förderpolitik. Konkret sollte es darum gehen die Produktion entgegen der bisherigen Planung nicht bereits Anfang 2021 anzuheben, sondern vor dem Hintergrund der Corona-Situation die Förderbegrenzungen weiterzuführen. Doch Saudi-Arabien und Russland lagen sich bereits im Vorfeld in den Haaren. Deswegen wurde das Treffen vorerst auf Ende Woche verschoben. Ob dieser Termin nun gehalten werden kann und es zu einer Einigung kommt, steht allerdings in den Sternen. Der Markt bestraft den zähen Streit ums schwarze Gold dieser Tage mit einer erhöhten Kursvolatilität.