Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Nestlé-Aktien waren diese Woche gesucht, denn gegessen wird immer. Das verleiht den Valoren einen defensiven Anstrich. Aber auch Kantonalbank-Aktien entpuppen sich dieses Jahr als Gewinner, sie profitieren von steigenden Zinsen.

Chart der Woche

Geberit findet sich gut

Aktienkursentwicklung Geberit, in Schweizer Franken

Geberit findet sich gut

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Rund 40 % haben die Aktien des Sanitärtechnikers Geberit dieses Jahr an Wert verloren. Damit gehören sie zu den schwächsten Valoren im Swiss Market Index (SMI) und handeln mittlerweile auf dem Niveau wie vor fünf Jahren. Die Bewertung liegt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21x mehr als ein Viertel unter dem Fünfjahresschnitt von 29x. Ob die abnehmende Wirtschaftsdynamik damit bereits eingepreist ist, wird sich zeigen. Geberit selber glaubt an sich. Über ein neues Rückkaufprogramm sollen für 650 Millionen Franken eigene Titel zurückgekauft werden, nachdem seit September 2020 bereits für 500 Millionen Franken eigene Aktien erworben wurden.

Aufgefallen

«Zur Rose» stürzt ab

Zwei Drittel ihres Wertes haben die Aktien der Online-Apotheke Zur Rose dieses Jahr bereits verloren. Allein am Mittwoch tauchten die Titel aufgrund einer negativen Analysteneinstufung zeitweise rund 10 %.

Auf der Agenda

Konjunkturbarometer

Am 30. Juni 2022, präsentiert die Konjunkturfoschungsstelle der ETH (KOF), ihr Konjunkturbarometer für den Juni.

Nestlé spielt ihren Trumpf

Die Aktien des Nahrungsmittelmulti Nestlé tun, was von ihnen erwartet wird: Sie stabilisieren in unsicheren Zeiten das Portfolio. Während den vergangenen, turbulenten Tagen an der Börse waren die Titel gefragt und schnitten klar besser ab als der breite Aktienmarkt. Auch seit Anfang Jahr verlieren sie mit einem Minus von 14 % weniger als der Swiss Market Index (SMI), der in dieser Zeit 18 % einbüsste.

Trotz erhöhter Volatilität herrscht unternehmensseitig zurzeit eine angespannte Ruhe. Anleger warten auf die bevorstehenden Halbjahreszahlen. Grund für Freudensprünge gibt es allerdings nicht. Diese Woche hat sich auch die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) vorsichtig geäussert und ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr von 3,0 % auf 2,8 % reduziert. Für 2023 rechnet die KOF mit einem Zuwachs von 1,3 %. Zudem wird auch eine baldige Rezession nicht ausgeschlossen.

 

Gefragte Kantonalbank-Aktien

Sie stellen sich dem aktuellen Abwärtstrend an der Börse beinahe geschlossen entgegen: die Aktien verschiedener Kantonalbanken. Viele weisen seit Anfang Jahr eine positive Performance auf, während der Swiss Performance Index (SPI) rund einen Fünftel verliert. Am stärksten entwickelten sich die Valoren der Walliser KB mit einem Plus von knapp 12 %. Damit schlagen sie den SPI um rund 33 %. Gründe für das gute Abschneiden gibt es mehrere. Die meisten Institute sind stark im Zinsgeschäft involviert und profitieren von steigenden Zinsen. Zudem gelten sie aufgrund der jeweiligen Mehrheitsbeteiligungen der Heimkantone als solide. Eine stabile Dividende rundet das Paket ab.

 

Glencore ersetzt Adidas

Rohstoffe boomen gerade stärker als Turnschuhe. Das ist der Hauptgrund, weshalb der Rohstoffkonzern Glencore den Sportartikelhersteller Adidas diese Woche im STOXX Europe 50 Index ersetzt hat. Während Adidas-Aktien an der Börse dieses Jahr rund einen Drittel ihres Wertes eingebüsst haben, legten die Valoren von Glencore gut 20 % zu. Damit gehört das Unternehmen wieder zu den fünfzig grössten Europas. Dabei verlief die Woche für den Rohstoffkonzern alles andere als erfreulich: Glencore hat sich in Grossbritannien schuldig bekannt, in fünf Ländern Afrikas Bestechungsgelder gezahlt zu haben, um einen bevorzugten Zugang zu Öl zu erhalten.

 

Tesla reagiert auf Wirtschaftsabkühlung

Elon Musk, der Chef des Elektroautobauers Tesla will aufgrund einer drohenden Rezession rund 3,5 % der Belegschaft entlassen. Das entspricht etwa 3'500 Mitarbeitern. Gleichzeitig sucht das Unternehmen in Deutschland viel Personal, bekundet dabei aber Mühe, da offenbar zu niedrige Löhne offeriert werden.

 

Grossbritanniens Inflation belastet

In Grossbritannien kosteten Waren und Dienstleistungen im Mai im Schnitt 9,1 % mehr als vor einem Jahr. Das war zwar erwartet worden, hilft aber nicht über die Probleme hinweg. Laut einer Umfrage heizen zwei Drittel der Briten weniger, um Geld zu sparen. Ein Viertel der Befragten lässt Mahlzeiten ausfallen. Ein Ende ist nicht in Sicht: Die britische Notenbank rechnet für Oktober mit einer Inflationsrate von 11 %.

 

Ölpreis entspannt sich auf hohem Niveau

Nachdem der Ölpreis für ein Fass der Sorte Brent in den vergangenen Wochen meist über 120 US-Dollar handelte, entspannte sich die Situation diese Woche mit einem Preisrückgang auf unter 110 US-Dollar. Die Inflationsängste sind damit aber nicht automatisch gebannt, denn der zur Berechnung der Inflation herangezogene Durchschnittskurs lag in der zweiten Jahreshälfte 2021mit 76 US-Dollar noch deutlich tiefer.