Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

China und 14 weitere Asien-Pazifik-Staaten schliessen sich zur grössten Freihandelszone der Welt zusammen. Dies stärkt den Einfluss Pekings in der Region. Es ist zudem eine wirtschaftliche Kampfansage an den Westen.

Chart der Woche

Die Bullen melden sich zurück

AAII Bulls Index, in Punkten

Die Bullen melden sich zurück

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der AAII Bulls Index ist ein Stimmungsindikator, der angibt, wie optimistisch US-Privatanleger die Märkte sehen. Aktuell notiert er bei 55.8 Zählern – der höchste Wert seit Januar 2018. Grund für den Anstieg sind die guten Nachrichten bezüglich der Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe. Sollten die Investoren jedoch diesbezüglich zu euphorisch werden, drohen Marktkorrekturen.

Aufgefallen

Weihnachtsgeschenk für Tesla

Die Aktie des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla wird am 21. Dezember, also kurz vor Heiligabend, in den S&P-500-Aktienindex aufgenommen. Auf diese Weise erhält sie nach 17-jähriger Entwicklungsgeschichte des Unternehmens den Blue-Chip-Status. In Folge dieser guten Nachricht schoss der Aktienkurs am vergangenen Dienstag um über 8 % in die Höhe.

 

Auf der Agenda

Finanzstabilitätsbericht Eurozone

Am 25. November veröffentlicht die Europäische Zentralbank (EZB) ihren halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht. Dieser gibt Auskunft über Gefahrenquellen für Europas Finanzsystem.

Big, bigger, biggest – grösster Freihandelspakt der Welt

Nach achtjährigen Verhandlungen hat China mit 14 anderen Asien-Pazifik-Staaten am vergangenen Sonntag den größten Freihandelspakt der Welt geschlossen. Dieser umfasst 29 % des weltweiten Handelsvolumens sowie mit über zwei Milliarden Konsumenten rund 30 % der Weltbevölkerung – die Staaten der Europäischen Union (EU) machen zusammen 33 % aus. Dem neuen «Regional Comprehensive Economic Partnership» (RCEP) gehören China, Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland und die zehn Mitglieder der «Association of South East Asian Nations» (ASEAN) an: Brunei, Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Myanmar, Malaysia, Singapur, Indonesien und die Philippinen. Auch Indien sollte ursprünglich Teil dieser Allianz werden. Das Land zog sich jedoch Ende 2019 aus den Verhandlungen zurück, da es nicht im notwendigen Ausmass zu einer Abkehr von seiner protektionistischen Wirtschaftspolitik bereit gewesen ist. Eines der Hauptziele des RCEP-Paktes ist eine schrittweise Senkung der Zölle. Dies soll den Handel der Staaten untereinander erleichtern. Es wird angestrebt, die Zölle für fast 90 % aller Güter fallen zu lassen. Im Gegensatz zu anderen multilateralen Abkommen wurden jedoch keine Grenzen für staatliche Subventionen oder Regeln zur Wahrung von geistigem Eigentum beschlossen. Auch Vorgaben für den Schutz von Arbeitnehmern, Verbrauchern oder der Umwelt sind nicht Inhalt des Vertrags.

Für die USA – und speziell den noch amtierenden Präsidenten Donald Trump – dürfte dieser Zusammenschluss bitter sein: Zum einen stärkt das RCEP-Abkommen Chinas Position und Einfluss in der wirtschaftlich am schnellsten wachsende Region der Erde. Zum anderen verringert es die Abhängigkeit des asiatischen Marktes von den USA. Vom Timing gleicht es einem gezielten Gegenschlag Pekings auf den vorangegangenen Versuch der US-Regierung die bestehenden Wertschöpfungsketten umzulenken, um so China zu schwächen. Unabhängig von etwaigen politischen Hintergedanken steht 

jedoch fest, dass die USA als grösste Volkswirtschaft der Welt zum zweiten Mal bei einem Handelspakt in der Asien-Pazifik-Region aussen vor sind – Donald Trump hatte im Januar 2017 die von seinem Vorgänger Barack Obama initiierte Transpazifische Partnerschaft (TPP) aufgekündet. 

Das RCEP-Abkommen trifft aber auch andere westliche Industrieländer, wie etwa die Schweiz. Gemäss einer Studie von Switzerland Global Enterprise und der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) war China im vergangenen Jahr hinsichtlich Marktgrösse, Exportvolumen und Wachstumspotenzial der attraktivste Markt für hiesige Unternehmen. In der Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) lag China 2019 mit einem Exportvolumen von 21.4 Milliarden Schweizer Franken auf dem vierten Rang – nur nach Deutschland, den USA und Grossbritannien exportierten Schweizer Firmen mehr. Neben klassischen Exportschlagern wie etwa Uhren und Schmuck sind auch Dienstleistungen bedeutend. So sind zahlreiche Schweizer Dienstleistungsanbieter – beispielsweise Banken, Versicherungen oder Logistikunternehmen – 

in China tätig. Der RCEP-Freihandelspakt schwächt tendenziell die Verhandlungsposition und die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Exporteure. Er bietet zugleich aber auch Chancen: Der weitreichende Fall von Handelsbarrieren im asiatisch-pazifischen Raum dürfte dort für zusätzliches Wirtschaftswachstum sorgen. Dies kurbelt die Güternach-frage an. Es ist davon auszugehen, dass Schweizer Firmen mit Tochtergesellschaften in einem RCEP-Staat besseren Zugang zu dem Markt erhalten werden. Dies hätte wiederum positive Effekte auf deren Exporte.